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Heimat genießen - in Kleve
Schnaps und Pralinen der Herzöge

Heimat genießen - in Kleve: Schnaps und Pralinen der Herzöge
Die Klever Stadtmarketing-Chefin präsentiert in einem Korb die hochprozentigen Spezialitäten aus der Schwanenstadt. FOTO: Klaus Dieter Stade
Kleve. Hochprozentiges und Süßes: Kräuterschnaps und Fruchtlikör mit Prinz Johann Moritz und Königin Luise, Pralinen mit dem Konterfei der Anna von Cleve. Die Souvenirs für Touristen sind auch ein Mitbringsel aus der Heimat. Von Matthias Grass

Hart die Schale, weich und süß der Kern. Bricht man mit den Zähnen durch die feste Schokoladen-Hülle, zergeht die Johannesbeer-Füllung auf der Zunge. "Anna von Cleve" heißt die Praline und wurde jetzt zum 500. Geburtstag der Klever Herzogtochter, die mit dem englischen König Heinrich VIII. vermählt werden sollte, kreiert. Von den Kondotoren des Klever Stadtcafé Wanders, das seit 35 Jahren in der Klever Kavarinerstraße ansässig ist. Wanders hat inzwischen für die meisten Klever Prominenten und Einrichtungen (wie die Hochschule oder das Museum) und seit kurzem sogar für den Klever Schwan Süßigkeiten im Angebot.

Bei der Praline vom Landschaftsmaler Maler Barend Cornelis Koekkoek sitzt innen eine Champagner-Füllung, beim Schwänchen bestimmt Mandelnougat die cremige Schokolade im Herzen der Pralinés. Alle Pralinen - das Sortiment füllt inzwischen eine ganze Auslage - sind nicht nur als süße Appetithäppchen geschaffen, sondern auch liebevoll mit den nötigen Daten und Fakten zum jeweiligen Vorzeige-Klever ausgestattet. Die Konterfeis der Promis sind von den Konditoren um Café-Chef Wanders und seine Frau Margret auf Schokotäfelchen gezaubert, die die Praline krönen. Auf Annas Praline sitzt eine Krone - auch wenn sie nicht so wirklich Königin von England war.

"Unsere Kunden verschicken diese Pralinen als Gruß aus der Heimat in die ganze Welt", sagt Britta Gerold vom Stadtcafé Wanders. Die Texte auf den Begleitzettelchen werden in Englisch und Französisch, in Niederländisch sowieso übersetzt. Und eines ging sogar mit chinesischen Schriftzeichen in den fernen Osten, erinnert sich Gerold. Wobei viele Klever die Pralinen nicht nur als Mitbringsel und Geschenk kaufen, sondern sich die schokoladige Köstlichkeit als kleine heimische Spezialität gönnen.

Die in Kleve von Hand gemachten Pralinen kosten im Tütchen 2,10 Euro und sind in verschiedenen Gebinden bis zur Großdose mit 24 Stück für 22 Euro zu haben. "Wir können als Familienbetrieb auf jedes Ereignis reagieren - wie jetzt auf den 500. Geburtstag von Anna von Cleve mit der neuen Praline", sagt Gerold. Die Anna-Praline bleibt jetzt über den Geburtstag hinaus erstmal im Programm.

Spezialitäten mit Verweis auf die Klever Geschichte sind gefragt, bestätigt auch Stadtmarketing-Chefin Ute Schulze-Heiming. Darauf hat das Stadtmarketing schon vor geraumer Zeit reagiert. "Wir haben entsprechende Schnäpse im Sortiment", sagt Schulze-Heiming. Da gibt es in kleiner bauchiger Flasche das Klever Lebenselexier, das als würziger Kräuterlikör angelegt ist und die Klever Burg auf dem Etikett trägt. Der Johann-Moritz Likör, nicht ganz so würzig wie das Elexier, kommt aus einer schmalen Halbliterflasche. Natürlich mit Fürst hoch zu Ross auf dem Etikett. Der Fruchtlikör für die preußische Königin der Herzen, Luise von Preußen, schließt den Reigen der nach historischen Klever Persönlichkeiten genannten Hochprozentigen. Eine schlanke Flasche umschließt hier die 0,2 Liter roten Likör, der mit 15 Volumenprozent genau halb so stark ist, wie seine Krautigen Brüder. Den Luisenlikör hat das Stadtmarketing bei der Einweihung der Luisenbrücke über den Kermisdal auf den Markt gebracht.

"Wir wollen damit ein Stück Klever Heimatgefühl transportieren", sagt Schulze-Heiming. Spitzenreiter beim hochprozentigen Heimatgefühl sind die schlanken Flaschen, vielleicht weil sie auch süßer angelegt sind, als das Lebenselexier. Letzteres gab's auch in einer Steingutflasche. "Aber das wurde zu teuer", erklärt Schulze-Heiming. Denn die Schnaps-Spezialitäten zum Mitbringen gibt es nur in kleiner Auflage. Hergestellt wird der Schnaps zwar nicht in Kleve, aber in der Region - bei Bovenkerck in Hamminkeln, sagt Schulze-Heiming. "Wir lassen lediglich ein paar hundert Flaschen im Jahr brennen. das sind kleine Stückzahlen - an große Umsätze muss man nicht denken", so Schulze-Heiming.

Aber es sei wichtig, die reichhaltige Klever Geschichte so nicht nur allein den Touristen, sondern auch den Klever Bürgern näher zu bringen oder in Erinnerung zu rufen. Denn wer weiß schon, dass die schöne Luise, die einst mit dem mächtigen Napoleon verhandelte, in Kleve Station gemacht hatte und in ihrem Tagebuch von der schönen Stadt mit ihren Parks und Wäldern schwärmte.

Quelle: RP
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