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Rp-Serie 50 Jahre Kinder- Und Jugendpsychiatrie An Der Lvr-Klinik (11)
Schnelle Hilfe mit Cannabis-Ambulanz

Rp-Serie 50 Jahre Kinder- Und Jugendpsychiatrie An Der Lvr-Klinik (11): Schnelle Hilfe mit Cannabis-Ambulanz
Beim "Can-Stop-Gruppentraining" werden auch rote und grüne Karten eingesetzt, die die Gefühlslage der Jugendlichen symbolisieren. Klaus Conrad und Kollegin Farina Reschke wollen ihre Klienten vom Kiffen abbringen. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Wenn Jugendliche merken, dass ihr Kiffen keinesfalls cool ist, sondern ihnen erhebliche soziale und gesundheitliche Probleme macht, können sie und ihre Eltern sich Rat holen bei der LVR-Cannabis-Ambulanz. Kurzfristige Termine möglich. Von Anja Settnik

Niederrhein "Ambulanz" klingt nach Soforthilfe. Und die zu bekommen, ist ein starkes Argument, wenn man weiß, dass Termine bei Psychologen oder Psychotherapeuten oft Monate im voraus vereinbart werden müssen. Und Eltern - manchmal auch die Jugendlichen selbst - sind nervlich meist stark angeschlagen, wenn sie nach der "Cannabis-Ambulanz" rufen. Die leitet Klaus Conrad, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut an der LVR-Klinik Bedburg-Hau. Sein Ziel: die jungen Leute weg vom Rauschgift zu bekommen. Langfristig ist seiner Erfahrung nach nur mit Erfolg zu rechnen, wenn die "Kiffer" selbst weg vom Haschisch wollen. Besonders erschreckend: Zwar sei die Anzahl der Kiffer heute eher etwas geringer als vor Jahrzehnten, dafür seien aber immer häufiger schon Zwölfjährige betroffen.

Die gehören praktisch immer Cliquen an, in denen Ältere den Ton angeben. "Wenn sie einmal dazugehören, ist es schwierig, sie wieder von der Gruppe weg zu bekommen. Viele haben Selbstwertprobleme oder Ängste, die in der Gruppe und durch das Cannabis, das zunächst die Stimmung erhellt, verdrängt werden", erklärt Conrad. Cannabis ist keinesfalls so harmlos, wie es von einigen dargestellt wird. Zum einen, weil es als Einstiegsdroge gilt (vorher haben die meisten Konsumenten schon "normalen" Tabak geraucht), zum anderen macht Cannabis träge und gleichgültig, was oft dazu führt, dass der Schulbesuch eingestellt wird oder die Berufsausbildung leidet.

"Um leistungsfähiger zu werden, kombinieren die Jugendlichen häufig Amphetamine, was dann eine ganz gefährliche Mischung ist", erzählt Conrad. Haschisch, gemixt mit Ecstasy, Speed oder Crystal, sei schon für eine Reihe Todesfälle verantwortlich. Wenn junge Leute mehrere Tage und Nächte am Stück "raven", dann halte das kein Körper aus. Manche Herztransplantation habe diesen Hintergrund, sagt der Experte.

"Wir hören häufig die Ausrede: ,Was soll's: Die einen saufen, die anderen kiffen'", berichtet Conrad. Das Rauchen von Cannabis werde vielfach bagatellisiert. Wenn er die Jugendlichen dann allerdings nach Schule, Familien, Freunden frage, werde deutlich, dass die Droge erhebliche Probleme bereite. "Deshalb hilft uns auch die Debatte über die Legalisierung von Cannabis kein bisschen", sagt Psychologin Farina Reschke. "Das ist das falsche Signal, wir brauchen keine Verharmlosung, sondern vielmehr gute Vorbilder." Wenn die Fehlzeiten in der Schule zunehmen, Klassen wiederholt werden müssen und der Schulverweis droht, ist es allerhöchste Zeit, etwas zu ändern.

Oft fangen die Hilfsangebote mit dem Drogenscreening an, denn mancher schummelt sich so lange um die Wahrheit herum, bis der Nachweis für den Drogenmissbrauch erbracht ist. Auch zur Verlaufskontrolle während der Behandlung sind gelegentliche Tests sinnvoll. Die Fachleute besprechen mit dem Patienten, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, und wählen gemeinsam die geeignete Therapie aus.

"Regelmäßige psychotherapeutische Gespräche sollen die Motivation zur Abstinenz stärken und den Jugendlichen dazu bringen, sich mit seiner Sucht und der Perspektive für sein Leben auseinanderzusetzen. Meist gehört auch das ,Can-Stop-Gruppentraining' zum Behandlungsplan, ein achtwöchiges Intensiv-Training", erklärt Conrad. Bei Bedarf wird auch an andere Beratungseinrichtungen vermittelt, eine psychotraumatologische Behandlung gehört zum Angebot sowie eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit" per E-Mail. Kontakt zu dem Spezialangebot für konsumierende Jugendliche und deren Eltern ist über die LVR-Klinik möglich.

Quelle: RP
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