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Kleve
Schuberts Leben als Konzert

Kleve. "Ich bin zu Ende mit allen Träumen": mit dieser melancholischen Aussage titelte das 5. Reihenkonzert, eine Schubertiade der besonderen Art. Das casalQuartett (Felix Froschhammer & Rachel Späth, Violine, Marlis Fleck, Viola & Konzeption, Andreas Fleck, Violoncello) spielte Auszüge aus Werken von Franz Schubert, die im Wechsel mit Texten (gesprochen von Daniel Rohr) an seinem Lebensweg entlangführten. Von Barbara Mühlenhoff

Die Entwicklung des 1797 geborenen Komponisten, der 31 Jahre alt wurde, verlief so in Abstraktion nachgezeichnet, während die Musik jeweils konform mit dem dazugehörigen Text erklang.

Zu Wort kamen darin nicht nur der Komponist selbst, sondern z.B. der Magistratsrat Holzapfel oder Freunde Schuberts, der Dichter Johann Mayrhofer, der Bariton Johann Michael Vogl oder der Staatsbeamte Josef von Spaun. Der Komponist erschien in vielen Facetten: beginnend als Sängerknabe an der Wiener Hofkapelle mit Kenntnissen im Violinen- und Pianospiel und 1810 mit dem Stempel "musikalisches Talent" sowie einem sehr guten Zeugnis versehen, dem nichts hinzuzufügen blieb, als im Konzert das Presto Vivace aus dem Streichquartett Nr. 1 g-Moll. Zu hören war weiterhin von der vergeblichen Hoffnung Schuberts, von dem von ihm sehr verehrten Johann Wolfgang von Goethe erhört zu werden. Die Erfahrungen im Stadtpalais der Familie des Grafen Esterházy in Wien in 1819 erschienen dagegen äußerst frohgemut. Passend dazu musizierte das Streichquartett das Andante Cantabile aus Mozarts "Dissonanzenquartett", um Schuberts Verehrung für ihn darzulegen.

Dass Schuberts Leben dramatische Wendungen nahm, geschah durch seine Erkrankung an Syphilis und Neurasthenie, deren Auftreten für das Jahr 1822 belegt ist. Fühlte Schubert sich wohl, verbrachte er ausnehmend viel Zeit mit Freunden; langsam beschlich ihn jedoch die Todessehnsucht. Während der 1. Satz aus dem "Rosamunde"-Quartett Nr. 13 a-Moll lyrisch und gesanglich intoniert wurde, legte Schubert sein ganzes Leid in das Streichquartett Nr. 14 d-Moll "Der Tod und das Mädchen" aus dem Jahr 1824/26, aus dem die Musiker das Scherzo. Allegro molto sowie das Andante con moto spielten. Sehr feinsinnig und mit großem Gespür für den Ausdruck schritt das Ensemble zwischen dem Passus Duriusculus in den Oberstimmen und dem dagegen lieblichen Trio in Dur. Die Begeisterung des Quartetts für das Schubert-Repertoire war greifbar: Alle Sequenzen wurden einfühlsam genau interpretiert und in letzter Konsequenz durchgestaltet, so dass vom feinsten Zittern des Bogenstrichs auf den Saiten bis zum kraftvollen Zupacken alles zu spüren war. Die endgültigen Worte "Eine Straße muss ich gehen, die noch keiner ging zurück" und die Musik "Der Wegweiser" op. 89 D 911 führten zu Schuberts Ende und beschlossen das rundum gelungene Programm.

Quelle: RP
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