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Kleve
Schüler auf Spuren von Indiana Jones

Kleve: Schüler auf Spuren von Indiana Jones
Die Schüler zusammen mit Geschichtslehrer Ingmar Kemper (links) und Bert Thissen vom Stadtarchiv. Rechts ist der Kopf eines Bartmannkrugs zu sehen. FOTO: Evers
Kleve. Eine Gruppe der Sekundarschule Kleve sucht auf abgeernteten Feldern nach historischen Überresten. Im Stadtarchiv informieren sich die Schüler über die Geschichte, Archäologen helfen bei der Einordnung der Fundstücke. Von Joris Hielscher

"Herr Kemper, kommen Sie!", ruft der zwölfjährige Aihan Azin aufgeregt. Der Sechstklässler hat auf einem Feld zwischen kurzen Maisstopeln eine Keramikscherbe gefunden. Geschichtslehrer Ingmar Kemper und mehrere Schüler begutachten das Fundstück. "Das könnte von einem Mineralwasserkrug stammen", sagt Kemper. Zu früheren Zeiten sei Mineralwasser in speziellen Krüge aus Steinzeug abgefüllt wurden, auch in Kleve habe es solche Quellen gegeben, erklärt der Lehrer. Aihan packt die Scherbe in eine durchsichtige Plastiktüte. Später wollen Lehrer und Schüler herausfinden, ob die Vermutung stimmt.

"Geschichte zum Anfassen - _Klever Schüler erkunden ihre Umgebung" heißt das Projekt, das die Sekundarschule Kleve gemeinsam mit dem Stadtarchiv seit diesem Schuljahr anbietet. Angeleitet von Lehrer Kemper haben sich zwölf Schüler im Alter von zwölf bis 15 Jahren im Stadtarchiv über die Geschichte Kleves informiert. Dabei ging vor allem um die Galleien, die halbkreisförmige Ebene am Fuße der Schwanenburg, die durch den Kermisdahlbogen und die dahinterliegende Hügelkette begrenzt wird. Denn hier auf den abgeernteten Feldern (mit Einwilligung der Bauern) suchen die Schüler seit ein paar Wochen nach geschichtlichen Überresten. In dem Projekt, das vom Landesministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport gefördert wird, lernen die Schüler ganz anschaulich die Geschichte der Region kennen.

"Ich dachte nicht, dass wir viel auf den Feldern finden", sagt Sophia Kampmeier (15). "Doch das haben wir". Erstaunliche viele Überreste aus früheren Epochen finden sich auf den kahlen Feldern, durch das regelmäßige Umpflügen kommen sie wieder an die Oberfläche. Innerhalb einer knappen Stunde entdecken die Schüler mehrere Keramikscherben, darunter wohl Teile eines mittelalterlichen Siegels, einer Bodenfliese, eines Kruges und eines altes Kanalrohres. "Ich habe schon mal ein ganz altes Hufeisen gefunden", erzählt Aihan stolz. Und Sophia ergänzt: "Das Suchen macht echt Spaß." Die Jugendlichen sind mit Begeisterung dabei, anstatt trockenen Frontalunterrichts ist es Geschichte zum Anfassen.

"Wir finden in der Regel Bruchstücke, ganze Stücke sind überaus selten", erklärt Kemper, der auch Archäologie studiert hat. Kleine Puzzle-Stücke der Geschichte nennt sie der Lehrer. So wie der Kopf eines sogenannten Bartmannkrugs, den die Schüler während einer früheren Feldbegehung gefunden haben. Bartmannkrüge, bauchige, braun glasierte Tongefäße, die mit einem bärtigen Mann verziert sind, wurden im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit (15. bis 17. Jahrhundert) hergestellt. "Die Kinder können sich so eine Vorstellung von Epochen und Jahrhunderten machen", sagt der Leiter des Klever Stadtarchives, Bert Thissen.

Mehrmals haben die Schüler das Stadtarchiv besucht. Thissen zeigte ihnen dort Fundstücke und berichtete über die Geschichte der Stadt. "Die Galleien sind eine archäologische sehr interessante Gegend", erklärt Thissen. Die Niederung war schon im Mittelalter besiedelt, unter Johann Moritz von Nassau wurde sie zu einer barocken Parkanlage umgewandelt, und später wieder landwirtschaftlich genutzt. "Mit diesem Wissen erkunden die Schüler dann die Felder", erklärt der Archivar.

Im Anschluss versuchen die Schüler zusammen mit Lehrer Kemper die Fundstücke zu identifizieren und geschichtlich einzuordnen. Dabei helfen ihnen das Stadtarchiv und Archäologen von der Außenstelle Xanten des des LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Bis zum Ende soll des Schuljahres wollen die Schüler eine Broschüre mit ihren besten Funden erstellen. Diese sollen zudem in einer Ausstellung im Schwanenturm der Öffentlichkeit präsentiert werden. Dort können sich dann Interessierte die Relikte aus längst vergangenen Klever Zeiten anschauen.

Quelle: RP
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