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Kleve
Schüler üben den Urnengang

Kleve: Schüler üben den Urnengang
Die Realschüler verfolgten konzentriert den Ausführungen der Bundestagskandidaten. FOTO: Markus van Offern
Kleve. An der Karl-Kisters-Realschule in Kleve wurden die Schüler zur U-18-Wahl gebeten. Bundestagskandidaten aus dem Kreis Kleve beantworteten den Jugendlichen Fragen zum Wahlrecht. Alle Politiker blieben weitgehend neutral. Von Marc Cattelaens

Da war er nun, der große Tag. Dabei war es lange Zeit fraglich, ob die U-18-Wahl überhaupt an der Karl-Kisters-Realschule stattfinden durfte. Politiker von CDU und Grünen hatten befürchtet, dass die Aktion zur einseitigen Wahlpropaganda verkommen würde, denn zunächst war Umweltministerin Barbara-Hendricks (SPD) als einziger Gast eingeladen, sie sollte ab 10 Uhr die Fragen der Schüler beantworten. In Abstimmung mit der Bezirksregierung besserte die Schule dann schnell nach und lud auch die anderen Bundestagskandidaten ein. Als gestern um 10 Uhr der Gong ertönte und alle Kandidaten friedlich vereint das Podium betraten, wurde schnell klar: Niemand muss sich Sorgen machen, hier findet kein Wahlkampf statt, sondern politische Bildung.

Schon zwei Stunden zuvor war die U-18-Wahl eröffnet worden. Den ganzen Tag über hatten Schüler die Gelegenheit, ihr Kreuzchen an der aus ihrer Sicht richtigen Stelle zu machen - natürlich nur probehalber, gewählt wird bekanntlich erst am 24. September und dann auch nur von Erwachsenen. Ganz wie beim echten Urnengang gab es einen Wahlleiter. Die Jugendlichen mussten ihre Schülerausweise zeigen, bevor sie ihre Stimme abgeben durften.

Auf dem Podium (von links): die Bundestagskandidaten Ralf Klapdor (FDP), Stefan Rouenhoff (CDU), Barbara Hendricks (SPD) und Bruno Jöbkes (Grüne). FOTO: van Offern Markus

Lehrer Michael Dicks, der gemeinsam mit Kollegin Sharmilla Rücker, die U-18-Wahl organisiert hatte, erinnerte die Kandidaten vorsorglich noch mal an die Regeln: "Kein Wahlkampf! Sie können sich heute erholen. Es geht allein um die Bedeutung von Wahlen in einer Demokratie." Für FDP-Kandidat Ralf Klapdor sind Wahlen sehr wichtig, "weil die Politiker sich so ihre Legitimation holen müssen. Sie sind hinterfragbar und überprüfbar. In anderen Systemen weltweit ist dies oft nicht der Fall." CDU-Kandidat Stefan Rouenhoff hält die Wahlen für eine "unglaubliche Errungenschaft, gerade, wenn man in die Geschichte guckt. Wir Deutschen können frei gestalten, wer uns regiert." SPD-Kandidaten Barabara Hendricks nannte die drei Wahl-Grundsätze "frei, gleich und geheim". Sie erinnerte: "Gleichheit gab es vor 100 Jahren noch nicht. Da durften Frauen in Deutschland nicht wählen." Grünen-Kandidat Bruno Jöbkes hält das deutsche Wahlrecht für "sehr ausgereift". Er betonte, welche wichtige Rolle Medien bei der politischen Bildung spielten. "Die freie Medienlandschaft hierzulande ist ein hohes Gut. Ohne eine ausgewogene Berichterstattung wäre es kaum möglich, sich über Politik zu informieren", so Jöbkes.

Alle vier Bundestagskandidaten ermahnten die Schüler eindringlich, wählen zu gehen, sobald sie es dürfen. Klapdor: "Wenn man nicht wählt, können die anderen über einen bestimmen." Rouenhof sagte: "Nehmen wir das Beispiel Brexit. Da hat jede Stimme gezählt. Viele junge Leute hätten niemals gedacht, dass der Brexit kommen würde." Hendricks erklärte: "Junge Menschen müssen am längsten damit leben, was entschieden wird." Jöbkes betonte: "Wenn ich meine Rechte nicht wahrnehme, habe ich auch kein Recht, den Mund aufzumachen , wenn mir etwas nicht passt."

Unterschiedliche Positionen gab es bei der Frage, ob das Alter bei Bundestagswahlen auf 16 Jahre herunter geschraubt werden soll. Während sich Hendricks und Jöbkes dafür aussprachen, würde Rouenhoff lieber bei 18 Jahren bleiben. Klapdor würde entweder ein "Familienwahlrecht ab zwölf Jahren" einführen oder das Mindestalter bei 18 Jahren belassen.

Wie die U-18-Wahl ausging, stand gestern noch nicht fest.

Quelle: RP
 
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