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Kranenburg
Schulalltag mit 20 bilingualen Schülern

Kranenburg: Schulalltag mit 20 bilingualen Schülern
Der Künstler Wilfried Porwol zeigt den Kinder eine Drucktechnik. Am Tag der offenen Tür werden die Schüler aus der fünften Klasse ihre eigenen Werke präsentieren und den Besuchern dabei helfen Bilder auf diese Art zu erstellen. FOTO: Evers
Kranenburg. Das Schuljahr der privaten Euregio-Realschule Kranenburg hat im August begonnen. 20 Kinder werden dort auf deutsch und niederländisch unterricht. Heute lädt die Schule zwischen 11 und 14 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. Von Natalie Urbig

Einen Moment lang ist es ruhig im Klassenraum. Dann beginnt ein leises Murmeln und die ersten Hände schießen in die Höhe: Gerade haben die 20 Schüler eine Sinfonie von Richard Strauß gehört. Nun sammeln sie Ideen - auf deutsch und niederländisch erzählen die Kinder, woher sie die Melodie kennen.

Auf dem Stundenplan der fünften Klasse steht Musik: Bis auf die Paukenschläge, die nun ein zweites Mal aus dem Klassenzimmer dringen, herrscht Stille im Schulgebäude. Der Flur ist menschenleer, die übrigen Klassenräume sind unbesetzt.

Die 20 Schüler aus der Fünften sind der erste und bislang einzige Jahrgang der neuen Euregio-Realschule in Kranenburg. Im August hat das Schuljahr im ehemaligen Gebäude der Hanna-Heiber-Hauptschule begonnen.

"Noch ist das Gebäude viel zu groß für uns", sagt Schulleiter Ulrich Falk. "Aber wir wachsen nach und nach hinein." Momentan gibt es einen Biologie-Raum, ein Musikzimmer, eine Sporthalle und den Klassenraum der Fünften. Der restliche Platz wird nach Bedarf genutzt. "Mit dem neuen Jahrgang werden dann ein bis zwei Klassenräume mehr besetzt sein", sagt Falk.

Der Name Euregio-Realschule kommt nicht von ungefähr: Unterrichtet wird dort auf deutsch und niederländisch. In einer Region, die in der Nähe der niederländischen Grenze liegt, bietet sich das an. "Einige der Schüler sind schon zweisprachig aufgewachsen", erzählt Falk. Andere konnten zu Schulbeginn überhaupt kein Niederländisch. So war es auch bei Mia: "Anfangs war es komisch, weil ich kein Wort verstanden habe", erinnert sich die Elfjährige. Mittlerweile, gut drei Monate später, kann sie sogar dem Matheunterricht auf niederländisch ohne Probleme folgen.

Zum Mittagessen geht Mia in die Kantine: Dort isst der Direktor gemeinsam mit den Kindern. Auch die Musiklehrerin, Yvonne Lamik, sitzt mit ihren Schülern an einem Tisch. "Es ist eine ganz tolle Atmosphäre", sagt sie, "es entstehen enge Bindungen zu den Kindern." Ein klassisches Lehrerzimmer gibt es an der Euregio-Realschule nicht. Insgesamt unterrichten dort acht Lehrkräfte, einige von ihnen sind pensionierte Lehrer, andere lehren noch an einer anderen Schule. Jeder von ihnen spricht sowohl deutsch als auch niederländisch und kann den Kindern bei Vokabelproblemen weiterhelfen. Der Tag beginnt an der Realschule zwischen viertel vor acht und halb neun mit einer Freiarbeitsphase. Einen Gong gibt es nicht. Zwar wird der Tag durch einen Stundenplan strukturiert, doch können die Lehrer ihre Stunde flexibel gestalten, sie verkürzen und auch einmal verlängern, wenn sie merken, dass die Kinder mit Interesse dabei sind.

Neben dem Musikunterricht steht für die Kinder heute ein Kunstprojekt an. Der Künstler Wilfried Porwol aus Kleve zeigt den Kindern eine Drucktechnik. Mit einem Kugelschreiber ritzen die Schüler Motive in eine Sperrholzplatte. Niederländische und deutsche Gesprächsfetzen schwirren durch den Raum. "Vielleicht nehme ich mein Bild als Weihnachtskarte", sagt Joana. Die Elfjährige gehört zu den Kindern, die zweisprachig aufgewachsen sind. Sie wohnt in Kranenburg, war vorher aber in Nijmegen auf einer Grundschule. Durch die neue Realschule ist ihr Schulweg um einiges kürzer geworden. Auch ihre Tischnachbarin Melissa geht gerne auf die neue Schule. Dass es dort nur 20 Schüler gibt, macht ihr nichts aus: "Ich finde es - wie sagt man - feiner", beginnt sie ihren Satz, als ihre Mitschülerinnen einspringen und ihr aushelfen: "besser, heißt es." Auch das gehört zur bilingualen Ausbildung. Die Schüler helfen sich untereinander und lernen gemeinsam die neue Sprache.

Die Euregio Realschule in Kranenburg ist eine private Ersatzschule. Sie wird staatlich gefördert, die Eltern zahlen im Durchschnitt einen monatlichen Beitrag von 100 Euro. Gestaffelt werde die Höhe nach dem Einkommen der Eltern, erklärt der Direktor. Heute öffnet die Euregio-Realschule zwischen 11 Uhr und 14 Uhr ihre Türen für alle interessierten Besucher.

Quelle: RP
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