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Analyse
Schulgründung oder nicht - schlechter Rat ist teuer

Kleverland. Die Klever Politik muss beschließen, ob die Sekundarschule in eine zweite Gesamtschule umgewandelt wird. Von der Bezirksregierung sollte Entscheidungshilfe kommen. Doch die Aussagen blieben zu schwammig. Von Marc Cattelaens

Es gibt in Kleve genügend Oberstufenschüler, um eine zweite Gesamtschule zu gründen. Das sagt die Bezirksregierung. Woher nimmt sie diese Gewissheit? Man weiß es nicht. Eine Begründung mit Zahlen und Fakten ließen deren beiden Vertreter im jüngsten Schulausschuss jedenfalls vermissen. Man bedenke: Das Johanna-Sebus-Gymnasium an der Ackerstraße, in dessen ziemlich heruntergekommenen Gebäude heute die Sekundarschule untergebracht ist, musste vor Jahren schließen, weil es dort nicht mehr genügend Schüler gab. Dass die Schülerzahlen seitdem sprunghaft angestiegen sind, ist nicht so, im Gegenteil.

Manch einer mag sich wundern, warum die Klever Politik so lange zögert, sich festzulegen, welche Schulformen sie anbieten will und in welchen Gebäuden diese unterkommen sollen. Bei den Lokalpolitikern handelt es sich, was Pädagogik und Schulplanung angeht, größtenteils um Laien. Die, die wirklich wissen müssten, wie es geht, sitzen an anderen Stellen, beispielsweise in der Bezirksregierung. Und von da kommt erstaunlicherweise so mancher Rat, der sich hinterher als falsch erwiesen hat. Vor ein paar Jahren hieß es, die Sekundarschule sei genau das Richtige für Kleve. Fragen die Klever Politiker bei den Vertretern der Bezirksregierung heute nach, wie es zu dieser Fehleinschätzung kommen konnte, heißt es: "Wir haben ja keine Glaskugel."

Eine weitere Aussage lautete so: "Wir wissen seit zwei bis drei Jahren, dass die Sekundarschule nicht läuft, wenn Realschule und/oder Gesamtschule in der Nähe sind." Da fragt man sich, warum diese Erkenntnis exklusiv bei der Bezirksregierung bleibt und nicht den Schulträgern mitgeteilt wird. Kein Wunder, dass sich die Lokalpolitik so schwer tut mit Entscheidungen.

Der Sekundarschule haftet offenbar ein schlechtes Image an, sonst würde sie besser angenommen. Daran ließe sich etwas ändern, ohne eine zweite Gesamtschule einrichten zu müssen. Ihre Lehrer könnten mehr Werbung für sich machen, bei den Grundschul-Leitungen und bei den Eltern der Grundschüler. Ein Gedanke zum Verteilungsverfahren: Der Andrang auf Real- und Gesamtschule ist groß. So groß, dass Schüler abgewiesen werden müssen. Dann wandern alle Schüler in einen Lostopf, und jeder hat die gleiche Chance, aufgenommen zu werden. Soweit die offizielle Darstellung. Denkbar wäre, dass es in Wahrheit anders läuft: Diese Schulen picken sich die Leistungsstärksten heraus. Das macht den Unterricht für die Lehrer einfacher und erhöht die Chancen, viele erfolgreiche Abschlüsse vorweisen zu können. Die Schüler mit höherem Förderbedarf beziehungsweise schlechteren Prognosen werden ab- und an die Sekundarschule verwiesen. Das würde zumindest erklären, warum dort ziemlich selten ein Kind mit Gymnasialempfehlung auftaucht.

Quelle: RP
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