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Kleve
Schutz für die Tiergartenstraße

Kleve: Schutz für die Tiergartenstraße
Für den Bereich unterhalb des Tiergartenwaldes entlang der Bundesstraße wird eine neuer Bebauungsplan aufgestellt. Er soll die hohe Qualität der Straße, an der sich die klassizistischen Denkmäler reihen, wahren. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Die Stadt stellt den neuen Bebauungsplan für den Boulevard der klassizistischen Bauten Kleves auf. Denkmalschutz und Stadt sollen künftig bei Planungen mitreden können. Es soll viel Grün um künftige Häuser kommen. Von Matthias Grass

Es ist eines der letzten Grundstücke auf dem Klever Prachtboulevard Tiergartenstraße. Zwischen Villa Nova und Villa Fortuna, zwei der klassizistischen Villen, liegt ein mit Buschwerk und jungem Baumbestand überwucherter alter Garten. Direkt an der Straße steht ein großes Schild mit niederländischer Flagge: "Zu verkaufen".

Es ist ein großes Baugrundstück, das dort zum Verkauf steht. Groß wie sensibel. Denn wie eine Perlenkette ziehen sich an dieser Straße die Denkmäler aus der Klever Kurepoche: Mächtige Häuser, die aber alle einen gehörigen Abstand voneinander wahren, große Grünflächen um sich haben. Eine Straße, die inzwischen als unbedingt schützenswert gilt und fast unbeschadet den Krieg überdauert hat. Lediglich zwischen dem alten Bäckerhaus an der Villa Fortuna und der langgestreckten Villa Belriguardo steht eine Bausünde aus der Nachkriegszeit, als die klassizistischen Denkmäler noch nicht viel galten.

Eine weitere Bausünde an Kleves klassizistischen Boulevard soll jetzt vermieden werden: Im Hauptausschuss stand der Bebauungsplan 1-321-0 für die Tiergartenstraße auf der Tagesordnung. Derzeit gilt noch ein einfacher Bebauungsplan aus 1968, nachdem sich ein Bauherr nur nach der Umgebungsbebauung richten muss. Und da könnte sich ein möglicher Bauherr auf den alten Wohnriegel zwischen Villa Fortuna und Villa Belriguardo beziehen und ein solches Teil in "neu" auf das leere Grundstück setzen.

"Wir wollen jetzt einen Bebauungsplan, der auf die Denkmäler Bezug nimmt. Eine Bebauung soll nur in Kooperation und in Abstimmung mit der Stadt und mit dem Denkmalschützer möglich werden", sagt Kleves technischer Beigeordneter Jürgen Rauer. Man wolle bei der Aufstellung der alten, großräumigen, parkähnlichen Planung entlang der Tiergartenstraße Rechnung tragen. "Dort soll ja schließlich keine Verdichtung auf Teufel komm 'raus gemacht werden", sagt Rauer, und er deutet an, dass ein künftiger Bauherr hier nicht mit Drei-Meter-Mindestabstand zum Nachbarn rechnen sollte. Man wolle den Plan deshalb jetzt kurzfristig aufstellen, um möglichen späteren konkreten Absichten, dort eine Bebauung hochzuziehen, den richtigen Rahmen zu geben. "Der Eindruck der Straße soll gewahrt werden", sagt Rauer. Der neue Bebauungsplan soll den Rahmen bieten, diesen Eindruck auch tatsächlich zu erhalten. Hinzu kommen gestalterische Fragen, die mit Planungsamt und Denkmalpflege zu klären seien, bevor man dann nach den Grundlagen des neuen Bebauungsplanes eine Baugenehmigung erteilen kann.

Tatsächlich muss die Stadt hier Fingerspitzengefühl beweisen, damit nicht zwischen die hochwertigen klassizistischen Villen aus der reichen Klever Kurzeit gewinnmaximierter 08/15-Wohnungsbau hochgezogen wird - was nach dem bisherigen Stand der Dinge möglich war. Mit Einleitung des neuen Bebauungsplanverfahrens sollte das jetzt nicht mehr gehen. Das war auch die Intention des Bauausschusses. "Wir haben in nichtöffentlicher Sitzung die Verwaltung beauftragt, diesen Bebauungsplan möglichst schnell aufzustellen, deshalb auch das Verfahren, den B-Plan direkt in den Hauptausschuss zu bringen", sagt Wolfgang Gebing (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses.

Hinter diesem Beschluss würden alle Fraktionen stehen, weil alle Fraktionen möchten, dass die hohe Qualität der Straße ihre Wirkung weiter behält.

Quelle: RP
 
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