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Kleve
Schwere Unfälle wegen Handy am Steuer

Handy im Auto: Das ist erlaubt oder verboten
Handy im Auto: Das ist erlaubt oder verboten FOTO: ddp
Kleve. Nach Schätzungen der Polizei gibt es jährlich etwa 110 Tote und Verletzte im Kreis Klever Straßenverkehr, weil sich ein Unfallbeteiligter von einem Smartphone ablenken lässt. Mit einer neuen Kampagne soll das verhindert werden. Von Ludwig Krause

Eine verletzte 19-Jährige und 11 000 Euro Schaden - die Bilanz eines Verkehrsunfalls am 22. Juni in Kalkar. Die junge Frau war mit ihrem Golf die für Pkw gesperrte Straße Oyweg in Richtung Kalkar gefahren, im Einmündungsbereich der Bennepstraße kam es zum Zusammenstoß mit einem Tankfahrzeug. "Die Ermittlungen laufen. Derzeit prüfen wir, ob der Unfall hätte verhindert werden können, wenn sich alle Unfallbeteiligten auf den Straßenverkehr konzentriert hätten", sagt Polizeisprecherin Manuela Schmickler. Der Verdacht: Handy am Steuer. "Wir haben ein Smartphone sichergestellt", sagt die Polizeisprecherin. Sollte sich der Verdacht bestätigen - der Unfall am 22. Juni wäre nur ein Beispiel von vielen.

Insgesamt sind im vergangenen Jahr mehr als 1200 Personen im Straßenverkehr des Kreises Kleve verletzt oder getötet worden. Nach Schätzungen der Polizei kommen dabei jährlich 110 Menschen zu Schaden, weil sich einer der Unfallbeteiligten von einem Smartphone hat ablenken lassen. "Social Networks und Messenger haben einen immer höheren Stellenwert bekommen. Die Menschen glauben, dass sie immer erreichbar sein müssen", sagt Manuela Schmickler. Zwar nehme die Anzahl der Freisprechanlagen in Autos statistisch gesehen zu. "Leider ist aber auch ein Trend zu häufigerem Lesen und Schreiben von Nachrichten während der Fahrt festzustellen", sagt Schmickler.

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Daher informiert die Polizei jetzt vor allem junge Fahrer mit einem Flyer über die Gefahren, die durch die Benutzung des Handys während der Fahrt entstehen. "Kopf hoch - bevor dein Blindflug tötet!" ist der Titel des Flyers, der aus den Erfahrungen von Polizisten und Unfallstudien heraus entwickelt wurde. "Beim Telefonieren während der Fahrt reagieren Autofahrer wie mit 0,8 Promille im Blut", sagt die Polizeisprecherin. Und dabei kann es immerhin zu ausgeprägter Konzentrationsschwäche, Einschränkung des Blickfeldes und der Sehfähigkeit sowie zu einer Verlängerung der Reaktionszeit um bis zu 50 Prozent kommen. "Beim Lesen einer Nachricht durchfährt man mit 90 km/h ein 105 Meter langes Fußballfeld. Und zwar blind", sagt Schmickler. Oder, um es noch drastischer zu machen: "Beim Schreiben einer Nachricht steigt das Unfallrisiko um das 28-fache."

Bei vielen Unfällen sei die Ursache auf den ersten Blick unklar. "Darum werden zunehmend mehr Mobiltelefone nach schweren Unfällen beschlagnahmt, um die dort gespeicherten Daten auszulesen", sagt die Polizeisprecherin. Oft lässt sich schon anhand von Nachrichten- und Telefonprotokollen feststellen, ob der Fahrer abgelenkt gewesen sein könnte. Die Benutzung eines Smartphones während der Fahrt kann als grobe Fahrlässigkeit ausgelegt werden und im Falle eines Unfalls zu Regressforderungen der Versicherung führen. "Neben dem Bußgeld von 60 Euro, ist es auch der Punkt in Flensburg, der vor allem Fahranfängern richtig weh tut", sagt Schmickler. Bei Führerscheinneulingen kann es im Wiederholungsfall zu einer Nachschulung oder zu einer Verlängerung der Probezeit kommen.

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Darum der Tipp der Polizei: Das Handy im Auto am besten direkt ausstellen oder auf Flugmodus schalten. Gibt das Smartphone keinen Laut von sich, kommt es häufig gar nicht erst zur Versuchung.

Quelle: RP
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