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Bislicher Insel in Xanten
Seeadler brüten auf der Bislicher Insel

Bislicher Insel in Xanten: Seeadler brüten auf der Bislicher Insel
In einer Pappel auf der Bislicher Insel hat das Seeadler-Paar seinen Horst gebaut. FOTO: Christoph reichwein
Niederrhein. Das Naturschutzgebiet Bislicher Insel in Xanten ist seit einigen Jahren das Zuhause zweier stattlicher Seeadler. Nach der ersten Brut im vergangenen Jahr hoffen Experten für Mitte/Ende April auf Nachwuchs. Das wäre eine Sensation am Niederrhein. Von Julia Lörcks

Sie sitzt und wartet. Eine halbe Stunde, eine Stunde. Manchmal sogar zwei bis drei. An diesem Tag sind es nur 38 Minuten bis das Seeadler-Männchen zum Weibchen zurückkehrt. Im Gepäck: Ein Fisch zum Fressen. Brüten macht schließlich hungrig.

Ja, sie brüten wieder - und das ist schon an sich eine kleine Sensation, wie Vogelexperte, Naturfotograf und Mitarbeiter der Biologischen Station im Kreis Wesel, Hans Glader, sagt. Wenn alles gut geht, schlüpft der Nachwuchs Mitte bis Ende April.

Es wäre die zweite Brut des Seeadler-Paares. Die erste war im vergangenen Jahr. Damals hatte keiner damit gerechnet. Geklappt hat es trotzdem. Zwei Jungvögel wurden flügge. "Einer verließ schon im Herbst vergangenen Jahres das Areal, der andere ist erst seit wenigen Wochen weg - ein Zeichen dafür, dass die Seeadler die neue Brut vorbereiten", sagt Glader.

Das Paar auf der Bislicher Insel ist das einzige in Nordrhein-Westfalen. Seit einigen Jahren lebt es in dem 1000 Hektar großen Naturschutzgebiet zwischen Wesel und Xanten. Rhein und Althrein. Zuvor war in NRW rund 200 Jahre lang kein Seeadler mehr zu sehen. "Die nächstgelegenen Paare befinden sich in den westlichen Niederlanden. Dort wurde das erste Paar 2006 gesichtet. Mittlerweile sind es sechs", berichtet Glader. Er vermutet, dass auch die beiden Xantener Seeadler aus der Niederlande stammen. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 700 Brutpaare, 80 Prozent davon leben im Nordosten. "Seit den Sechzigerjahren hat sich der Bestand mehr als verzehnfacht", schreibt auch der Naturschutzbund (Nabu). Grund dafür sind die Schutzmaßnahmen.

Warum sich die Seeadler ausgerechnet die Bislicher Insel ausgesucht haben, weiß Glader schnell zu beantworten: "Sie ist wie ein Paradies." So bietet sie als eine der letzten naturnahen Auenlandschaften am Niederrhein genügend Futter. Vor allem Fische und Wasservögel, die zu den bevorzugten Beuten des größten einheimischen Greifvogels gehören. Ilka Weidig, Biologin beim Regionalverband Ruhr (RVR) und Leiterin des Naturforums Bislicher Insel, sagt dazu: "Es ist schön, zu sehen, wie gut sich der Lebensraum, in den der Mensch einst weitreichend eingegriffen hatte, erholt hat." Der Rhein strömte noch vor 350 Jahren in einer Schleife südlich der Bislicher Insel. Friedrich der Große ließ den Lauf jedoch mit einem Kanal zum Schutz vor Hochwasser und für die Schifffahrt begradigen. Der Altarm verlandete mehr und mehr und steht heute nur noch über einen schmalen Abfluss mit dem Hauptstrom weiter nördlich in Verbindung. Seit 1982 ist ein großer Teil der Bislicher Insel im Besitz des RVR. Gemeinsam mit dem Kreis Wesel wurde seitdem ein Pflege- und Entwicklungsplan erarbeitet und Maßnahmen zur Biotopentwicklung durchgeführt.

Der Seeadler ist im Übrigen nicht der einzige besondere Vogel, der sich in dem Naturschutzgebiet niedergelassen hat. "Auch der Silberreiher, der Löffler und der Fischadler sind auf der Bislicher Insel heimisch geworden. Allerdings haben sie hier noch nicht gebrütet", sagt Weidig. Beobachten kann man sie trotzdem. "Es gibt einen anderthalb Kilometer langen Weg mit drei Beobachtungshütten, der ins Gelände führt. Dort sind die Menschen für die Vögel nicht zu sehen", sagt Weidig, die empfiehlt, viel Zeit und Geduld mitzubringen. "Wir sind hier ja schließlich nicht im Zoo. Es kann auch sein, dass sich kein seltenes Exemplar blicken lässt."

Der Standort des Seeadlernests gehört jedoch zu den streng gehüteten Geheimnissen der Vogelexperten am Niederrhein. "Wenn sie gestört werden, verlassen sie den Horst", sagt Glader - und damit vielleicht auch Nordrhein-Westfalen. Das möchte niemand riskieren. Das Elternpaar ist aber, so Glader, am gleichen Brutplatz wie 2017. Hoch oben in einer stattlichen Pappel. Das Nest ist noch viel größer als im vergangenen Jahr.

Quelle: RP
 
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