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Kleve/Wesel
Selbständig Wohnen trotz Behinderung

Kleve/Wesel: Selbständig Wohnen trotz Behinderung
Leicht ansteigende Rampen statt Treppen - eine bauliche Maßnahme, die behinderten Menschen den Alltag und das Wohnen erleichtern kann. FOTO: jko
Kleve/Wesel. Die BetreuWo bietet in Kleve und Wesel ambulant Betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderung oder für Unfallopfer, die ohne Hilfe nicht mehr eigenständig leben könnten. Das nächste Projekt startet am Schweizerhaus. Von Matthias Grass

Ein scheinbar belangloser Sturz riss Paul (Name von der Redaktion geändert) aus seinem Alltag. Das beim Sturz erlittene Schädel-Hirn-Trauma war so schwer, dass für den Endvierziger nicht mehr an Arbeit zu denken war. Dass ein Leben ohne Hilfe unmöglich erschien. Inzwischen hat Paul wieder ein eigenständiges Leben, kann alleine einkaufen gehen, kann seinen Haushalt führen. Sieben Stunden Betreuung braucht Paul heute noch. Unmittelbar nach seinem Unfall war es ein Vielfaches.

Geholfen auf dem Weg zurück in die eigene Wohnung haben ihm die Mitarbeiter der BetreuWo. Der Klever Verein bietet ambulante Hilfe für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung ebenso, wie Hilfe nach einer Hirnschädigung durch einen Unfall oder Krankheit wie einem Schlaganfall, betreut werden auch Menschen mit psychischer und geistiger Behinderung. "Unser Angebot ist immer ambulant. Wir wollen unseren Kunden so viel Selbstbestimmung bieten, wie möglich und so viel Betreuung wie nötig geben", sagt Gabriele Nellessen vom hauptamtlichen Vorstand des Vereins.

Christiane Wintjens, Wolfgang Wachholz und Gabriele Nellessen . FOTO: eve

Die BetreuWo-Mitarbeiter organisieren Hausgemeinschaften. Sie mietet die Räume an oder garantiert die Mietzahlung. In den Wohnungen betreuen die Pädagogen der BetreuWo die hilfsbedürftigen Menschen, beraten bei Behördengängen. Wer welche Hilfen benötig, wird von einem Fallmanager des Vereins zusammen mit dem Betroffenen ermittelt und muss vom Sozialhilfeträger genehmigt werden. Denn die Hilfe wird über die örtlichen Sozialhilfeträger und vom Landschaftsverband Rheinland als überörtlichen Sozialhilfeträger finanziert. Und nicht wenige tragen ihren eigenen Anteil hinzu, wenn sie über eigene Mittel verfügen oder wieder einer Arbeit nachgehen können. Vor allem aber bestimmen sie selbst in ihren eigenen vier Wänden über ihr Leben. So, wie unmittelbar hinter der BetreuWo-Verwaltung am Treppkesweg in Kleve. Sieben Türen führen dort zu sieben Wohnungen, dahinter gehen sieben Terrassen in sieben kleine Gärten über. Vorne schützt der Verwaltungsbau die Eingänge, so dass sich ein geschlossener Hof bildet. Ein Treffpunkt für die Bewohner.

"Wir helfen beim Lebensalltag", sagt Christiane Wintjens. Die Sozialpädagogin bereitet das neue Projekt der BetreuWo in den neuen Wohnhäusern auf dem Gelände des ehemaligen Schweizerhauses vor. "Wir werden auch hier zeigen, dass eine Rund-um-die-Uhr Betreuung ambulant und in ganz normalen Mietobjekten möglich ist, in denen auch Menschen ohne Behinderung leben. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang", sagt Wintjens.

Gegründet wurde die BetreuWo Ende der 1990er Jahre, als Eltern von Kindern der LVR-Bonhöfer-Schule für Körperbehinderte in Bedburg-Hau nach Abschluss der Schule eine Bleibe für ihren Nachwuchs sorgte. Mann der ersten Stunde war damals Wolfgang Wachholz, dessen Sohn heute immer noch in einem Wohnobjekt der BetreuWo lebt. "Wir wollten damals eine Möglichkeit finden, dass unser Sohn möglichst eigenständig leben kann und nicht gleich in ein Heim ziehen muss", erinnert sich Wachholz, der im Aufsichtsrat der BetreuWo ist. Es gelang, mehrere kleine Wohnungen und einen Gemeinschaftsraum zu mieten. Fünf Menschen mit Behinderung zogen ein. Seit 2005 heißt der Verein BetreuWo, seit 2011 gibt es eine Dependance in Wesel. "Die Nachfrage von Weselern nach Wohnangeboten vor Ort wuchs stetig - wir haben in Wesel zwei Wohnprojekte und Betreutes Einzelwohnen", sagt Nellessen.

100 Mitarbeiter hat die BetreuWo. 97 Menschen werden in den Bereichen Wohnen und Freizeit betreut. 58 Menschen mit Behinderung leben in ihren eigenen Wohnungen in sieben Wohnprojekten mit Gemeinschafstraum und Gemeinschaftsaktivitäten, sagt Nellessen. Weitere 39 Menschen werden außerhalb der Wohnprojekte in ihren Wohnungen betreut. Allen soll möglichst Eigenständigkeit geboten werden: "Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe", sagt Wintjens. Hilfe, die individuell und bedarfsgerecht ausgerichtet ist.

Quelle: RP
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