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Kleve
Sensationelle Kunst auf dem Osterei

Die Eiermalerinnen aus dem Marburger Land sind das Herzstück des Ostermarktes, der für Tausende von Besuchern vom Niederrhein das Zentrum für österliches Brauchtum ist. Nur auf wenigen kulturellen Börsen in Deutschland wird diese Filigranarbeit angeboten. Heinz Scholten als langjähriger Vorsitzender des "Klevischen" ist der Vater des Ostermarktes. Von Ludger Distelkamp

Sogar in der Türkei, Japan oder den USA gibt es Sammler dieser Kunstwerke. Im Marburger Land liegt das Zentrum des filigranen Handwerks. Seit 200 Jahren werden in den katholischen Dörfern um Amöneburg in Oberhessen Ostereier bemalt. Die auf Eiern, vom kleinen Fasanen-Ei bis zum großen Straußen-Ei, aufgetragenen Sprüche und Ornamente finden sich in den Trachten und eingekratzt im Putz der Fachwerkhäuser wieder. Diese sensationellen Arbeiten der Eiermalerinnen sind nur auf wenigen Ostermärkten in Deutschland zu kaufen, darunter auf dem des Klevischen Vereins für Kultur und Geschichte. Diese Kunstwerke sind das Herzstück des Marktes, der nun zum 25. Mal mit den Eiermalerinnen aus dem Marburger Land stattfindet.

Heinz Scholten, ein Vierteljahrhundert Vorsitzender des "Klevischen", ist der Vater dieser Börse, die für Tausende von Besuchern jährlich an zwei Tagen zum Zentrum des österlichen Brauchtums am Niederrhein wird. Die Eiermalerinnen seien die Hauptattraktion auf dem Markt und ein Qualitätsbegriff, sagte Alwine Strohmenger-Pickmann, Vorsitzende des "Klevischen". Sie dankte den Frauen aus dem Marburger Land und Heinz Scholten, als eine Klever Delegation des Vereins wegen des 25. Jubiläums zu den Freunden nach Oberhessen gefahren und von der herzlichen Aufnahme überwältigt war.

Hilfe für alte Kirche in Kellen

Der ehemalige Vorsitzende hatte einen "guten Riecher", als er 1982 auf einem Ostermarkt in Hessen Kontakt zu den Frauen des "Förderkreises Alte Kirchen" Marburg um die damalige Vorsitzende Irmgard Bott knüpfte. Dieser Verein rettete in Hessen Gotteshäuser vor dem Abbruch und übernahm Kirchen sogar ins Eigentum. Die Eiermalerinnen unterstützten dieses großartige Wirken, indem sie den Verkaufserlös ihrer sensationellen Kunstwerke spendeten. Am 21. Oktober 1982 waren die Frauen um Deutschlands damals bekannteste Eiermalerin Auguste Mann erstmals in Kleve. In der Stadthalle veräußerten und versteigerten sie ihre Arbeiten zu Gunsten der "Bauhütte Alte Kirche Kellen". Mit diesem Engagement war das Fundament für die Freundschaft zwischen dem Marburger und Klever Land gegossen worden.

Die Künstlerinnen aus Oberhessen präsentierten beim ersten Ostermarkt 1986 ihre wertvollen Sammlungen und ließen sich bei ihrer mühevollen Kunst über die Schulter schauen. Mitorganisator der ersten Börse um das österliche Brauchtum war das Vorstandsmitglied Georg Lensing, der die Landfrauenvereinigung und die Klever Bäckervereinigung für eine Teilnahme gewann. Damit war die bis heute erfolgreiche Grundstruktur dieser Veranstaltung geschaffen.

Ökologische Stromerzeugung

Die Hüter der Heimat haben noch mehr Herausforderungen angenommen: Der Erhalt von Kirchen, aber auch Mühlen, Scheunen, Schmieden, Synagogen, Kirchhöfen, Gartendenkmälern wie dem "Alten Botanischen Garten Marburg" oder die ökologische Stromerzeugung seien heute Aufgaben des Vereins "Arbeitskreis Dörfliche Kultur", der 1986 als weitere Initiative aus dem "Förderkreis Alte Kirchen" entstanden sei, berichtete Willibald Preis den Klevern bei ihrer Visite im Marburger Land. Der Vorsteher der Stadtverordneten-Versammlung der Stadt Kirchhain, wo der Arbeitskreis seinen Sitz in einer alten Papiermühle hat, sagte, dass der Verein in ganz Deutschland tätig ist, sich aber vorwiegend auf Projekte in Hessen konzentriert. Diesen Arbeitskreis unterstützen die Eiermalerinnen durch den Verkauf ihrer Kunst. Kulturelle Börsen zählen zum Programm des Vereins. Dazu gehören nicht nur Ostereier-, sondern auch Kräuter- und Gewürzmärkte, Kranzbindefeste als auch Apfel- und Kartoffeltage.

 
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