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Kleve
So sucht Kleve nach einer Identität

Kleve: So sucht Kleve nach einer Identität
Auch 67 Jahre nach Kriegsende bestimmen Lücken das Bild der Straßenzüge in der City, wenn allein das Erdgeschoss bebaut wurde. FOTO: Stade, Klaus-Dieter (kds)
Kleve. Die Erwartungen an die neue Gestaltungssatzung für die Stadt Kleve: Susanne Rexing fordert einen Gestaltungsbeirat. Michael Kumbrink (SPD) möchte mehr Freiheiten, Wolfgang Gebing (CDU) will eine passende Lösung für die Kreisstadt. Von Matthias Grass

Oberhalb der Schaufensterfronten hört oft die Herrlichkeit der Klever Geschäftsstraßen auf. Die Höhen sind uneinheitlich, manchmal stehen schöne Giebel zur Straße, manchmal nur die Dachrinne, dazwischen ein wie aus der unmittelbaren Nachkriegszeit übriggebliebener Flachbau. Alle Materialien sind vertreten. Jetzt soll eine Gestaltungssatzung kommen. Die soll dieses Jahr von einem externen Büro vorgestellt, dann vom Rat diskutiert und schließlich verabschiedet werden, wie CDU-Fraktionschef Udo Janssen im RP-Gespräch verkündete. Sie soll den Rahmen geben, mit welchem Outfit sich die Stadt entwickeln soll.

"Eine solche Satzung ist nur ein kleiner Schritt. Sie setzt den äußeren Rahmen. Das alleine hilft nicht. In niederländischen Städten gibt es einen Gestaltungsbeirat, den brauchen wir auch", sagt Susanne Rexing. Die Klever Geschäftsfrau vom KCN (Klever City-Netzwerk) zitiert damit auch Forderungen der Klever Heimatvereine. Ein solcher Beirat befasse sich auch mit wirklichen Gestaltungsfragen. Bis jetzt sei Kleve in der Regel drei- bis viergeschossig aufgebaut, oft auch niedriger, weil nach dem Krieg manchem Bauherrn das Geld fehlte, sagt Rexing. "Dadurch entstand ein Straßenbild, das der Stadt nicht gut tut". Rexing kann sich im Innenstadtbereich auch eine Bebauung mit vier Etagen plus Dachgeschoss vorstellen. "Auf alten Vorkriegsbildern wirken die Häuser an der Großen Straße entlang oft höher", erklärt Rexing.

Tatsächlich standen vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg beispielsweise die Häuser der "Große Straße" näher an der Straße, viele zeigten ihren stolzen Giebel und wirkten größer als die Nachkriegs-Aufbauten. Auch deshalb hatte vor geraumer Zeit schon die Leiterin des Stadtmarketing Kleve, Ute Schulze-Heiming, mit Blick auf Wohnungsnot und fehlende Studentenzimmer die "Aufstockung" der Stadt ins Gespräch gebracht. Über Anzahl oder Höhen der Etagen habe man sich noch keine Gedanken gemacht, sagt Michael Kumbrink, Sprecher der Klever SPD-Ratsfraktion. Aber dass die Satzung endlich kommen müsse, fordere die SPD seit 2008. "Nicht nur für die Innenstadt, sondern auch in den Stadtteilen", sagt der Sozialdemokrat. Es sei schade, dass fünf Jahre ins Land ziehen mussten, bis die Verwaltung hier endlich zu Potte gekommen sei.

Er hoffe auf ein einheitlicheres Stadtbild in der Innenstadt. Wichtig sei auch, dass die Werbeflächen vereinheitlicht würden, die Fassaden ein besseres Outfit bekämen und auf den Straßen die Aufsteller besser geregelt würden. Kumbrink möchte auch, dass die Gestaltungssatzung außerhalb der City sich an der allgemeinen Gestaltungssatzung NRW orientiere. Er möchte mehr Freiheiten in diesem Bereich. Dass man damit Bau-"Verdichtungen" aller Art Tür und Tor öffnet, glaubt Kumbrink nicht.

Wolfgang Gebing ist Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Kleve und Fachanwalt für Baurecht. Er warnt vor zu hohen Erwartungen an eine Gestaltungssatzung, die zwar auch Materialien oder Farben vorschreibe, aber im Gesamten doch nur einen gewissen Rahmen setze.

"Uns als CDU ist wichtig, dass wir etwas bekommen, das eine passende Identität für Kleve bietet", sagt Gebing. Man werde nur einer Satzung zustimmen, die eine schlüssige Bebauung zur Folge habe, die der Stadt das für sie typische Bild gebe. Alles Weitere müssten aber entsprechende Bebauungspläne regeln. Denn erst ein Bebauungsplan schreibe fest, welche Häuser wie in einer Straße gebaut werden dürfen.

"Auch müssen wir klären, wo wir in Kleve hin wollen, was wir beispielsweise mit den Flächen zwischen Stadt und Hochschule anstellen wollen, wie die Entwicklung in der Oberstadt weitergeht. Auch das muss schlüssig sein", sagt der Christdemokrat mit Blick in die Zukunft.

Kurz, es gelte, eine sehr spezielle Lösung für Kleve zu finden. Diese Diskussion solle man aber in Kleve führen und lösen. "Überhaupt finde ich es persönlich schade, dass viele Themen von auswärtigen Gutachtern behandelt werden", sagt Gebing.

Quelle: RP
 
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