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Kleve
Sonja Northing wünscht sich einen "Zins"

Kleve: Sonja Northing wünscht sich einen "Zins"
Die Klever Bürgermeisterin an ihrem Schreibtisch. Die Kunstwerke hinter ihr an der Wand, sind nicht ganz nach ihrem Geschmack. Sie hofft, dass ihr ein Werk von Günter Zins für das Büro zur Verfügung gestellt wird. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Die neue Klever Bürgermeisterin hat erste Rats- und Ausschuss-Sitzungen bereits geleitet. Aktenstapel auf der einen Seite, spannende Projekte auf der anderen - das sind nun ihre Aufgaben. Sie ist im neuen Amt angekommen. Von Matthias Grass

Der Alltag ist da. Aktenstapel liegen auf dem Tisch, die Mappen mit den Unterlagen, die auf eine Unterschrift der Bürgermeisterin warten. Daneben liegt der prallvolle Terminkalender, der sie bis zum letzten Tag vor ihren Urlaub einspannt. Und der Urlaub ist auch schon ein bisschen verplant. Das Los der ersten Bürger in den Kommunen hat Sonja Northing erreicht. Über die Straße gehen, ohne erkannt zu werden - das passiert immer seltener. Man kennt die kleine Frau im großen Amt der Kreisstadt jetzt. Doch das alles ficht die sichtlich gute Laune der Bürgermeisterin nicht an.

Früher war das anders, als sie noch Fachbereichsleiterin war, ging's mehr oder weniger anonym. "Mir ist schon klar, dass ich jetzt Person des öffentlichen Lebens bin. Aber das ist auch schön - in der Regel sind die Klever Bürger freundlich, gehen auf mich zu, fragen wie's mir geht", sagt sie. Sie lasse sich darauf ein und gehe mit dieser Änderung in ihrem privaten Leben positiv um. Das sei neu und ungewohnt, aber völlig in Ordnung, sinniert sie.

Und doch: So ganz ist Sonja Northing noch nicht aus dem Wahlkampfmodus heraus. Da sind noch zu viele "Verletzungen" aus den oftmals persönlichen Angriffen während des Wahlkampfes, die noch überwunden werden wollen. "Manchen sagen, ja das war Wahlkampf, das war nicht so gemeint - aber ich denke, viele Sachen kann man so einfach nicht entschuldigen", sagt sie. Hier ist die Klever Bürgermeisterin aber kämpferisch, das zu lösen: "Ich bin ein großes Mädchen - man muss kein Mitleid mit mir haben", sagt sie.

Im Rathaus hingegen ist Northing schneller angekommen, als sie dachte. "Das sind professionelle Abläufe in der Verwaltung, die ich kennen", sagt Northing. Abläufe, die sie von der Pike auf gelernt hat. Bis zur Fachbereichsleiterin Soziales. Ein Amt mit Gewicht und hohem Etat. Besonders freut Northing, dass sie im Rathaus durchweg mit offenen Armen sehr positiv aufgenommen wurde.

Das gibt der Frau Rückhalt, die politisch keine wirkliche Mehrheit im Rat hat. Hier muss sie sich mit wechselnden Mehrheiten herumschlagen. Wechselnde Mehrheiten, die oft anders aussehen, als sie es sich im Vorfeld gedacht hat: Zunächst bekommt sie ihren Antrag im Hauptausschuss durch, dann wird sie im Rat überstimmt. Auf der anderen Seite steht sie für den Haushalt, an dem sie kaum mitgewirkt, den sie aber unterschrieben hat. Zwei ihrer Unterstützerparteien stimmen dafür, die dritte lehnt den Haushalt rigoros ab. Northing ist zuversichtlich, bei den meisten Abstimmungen Mehrheiten zu finden. "Ich hoffe auf konstruktive Zusammenarbeit", sagt sie.

Tatsächlich gehen in Kleve die meisten Punkte letztlich einstimmig durch den Rat, der in den vergangenen Jahren trotz aller Streitigkeiten sehr konsensfähig war. Bei strittigen Themen sieht das Ganze anders aus - siehe die jüngste Diskussion um die Kosten für den Offenen Ganztag. Northing hofft jetzt auf die Versprechen von Schwarz-Grün, dass die Erhöhungen sozial verträglich sein werden.

Verträglich sein soll auch die Bebauung des Minoritenplatzes. Wie jeder Bürgermeister vor ihr tritt nämlich auch die erste Klever Bürgermeisterin in der Hoffnung an, diesen Gordischen Knoten ungezählter gescheiterter Planungen zu durchschlagen und endlich eine vernünftige Lösung zu finden. Northing hofft in den kommenden fünf Jahren nicht nur auf eine kleinteilige Bebauung, sondern auf eine friedliche und gütliche Lösung . . .

Das ist der eine Blick nach vorn, der andere geht auf die aktuelle Flüchtlingsfrage. Die Bürgermeisterin möchte im kommenden Jahr Lösungen für die Integration von Flüchtlingen finden, die länger in Kleve bleiben. "Dafür will ich die Bürger mit ins Boot holen", sagt sie. Spannend findet sie auch die Diskussion um die Zukunft des Konrad-Adenauer-Gymnasiums: "Das ist eine interessante Entwicklung. Ich setze hier vor allem auf die Gespräche mit der Schule", sagt sie.

Außerdem möchte sie noch ihr Bürgermeisterzimmer umräumen - zumindest, was die Kunst betrifft. Sie möchte etwas Minimalistisches, am besten einen Günter Zins, denn Northing outet sich als Fan des Klever Bildhauers. "Prof. Kunde wird mich beraten", sagt die Bürgermeisterin. Schließlich kann sie aus dem Fundus des Museums schöpfen.

Quelle: RP
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