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Kleve/Bedburg-Hau
Spaziergang von Nassau bis Voltaire

Kleve/Bedburg-Hau: Spaziergang von Nassau bis Voltaire
Wiesen- und Waldlandschaften säumen den Wanderweg zwischen Kleve und Moyland. FOTO: Gottfried Evers
Kleve/Bedburg-Hau. In Kleve startet der Prinz-Moritz-von-Nassau-Weg zu Füßen der Schwanenburg. Er schließt an der Grablege des Prinzen an den Voltaire-Weg an und lädt zu Wanderung durch die heimische Landschaft bis zum Schloss Moyland. Von Matthias Grass

Träge liegt das Wasser links des Wegs, der am Ufer entlangführt. Es ist still hier unterhalb der Stadt. Wie ein Wald schirmen die Bäume des Hangs den Weg ab, schlucken die Geräusche. Rechts steigen steil die gemauerten Kaskaden empor. Ein altes Bauwerk aus dunklem Klinker, ein Stück Klever Vorkriegsgeschichte, wo noch heute bei Regen das Wasser in den Kermisdahl läuft, der so still zwischen Abhang und flacher Wiese auf der anderen Seite liegt.

Es ist ein Weg entlang der Geschichte ebenso, wie entlang der Topographie, der hier so typisch untypischen niederrheinischen Landschaft mit steilen Hängen und der Burg auf dem Berg. So beginnt der Weg natürlich am Fuß der Schwanenburg, wo vom Kermisdahl kommend gleich Schwanenritter Lohengrin in seinem Nachen landen könnte, um die Elsa zu retten, die in Kleve eigentlich Beatrix heißt.

Der spätere "Burgherr", Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen, machte zu seiner Zeit aus der mittelalterlichen Herzogs-Burg eine barocke Residenz, von der weiland ein großer Park um den sichelförmigen Wasserlauf angelegt war. Mit dem Park holte der Nassauer die Stadt Kleve aus dem Mittelalter in die damalige Neuzeit, die heute Barock heißt. Mit Ende des 30-jährigen Krieges ließ er Gärten anlegen, in denen die Kanonen und Mörser versenkt und zu Denkmalen errichtet wurden. Am Ende des Parks lag die kuriose Grablege des Prinzen - jene gusseiserne Tumba mit in einer halbkreisförmigen Mauer eingesetzten antiken Funden. Ein stilles Arkadien für den kunstsinnigen wie kriegerischen Fürsten mit dem Faible für Parks.

Außerdem hatte Moritz ein Faible für den Ausblick. An vielen Stellen ließ er Sitze anlegen, wo sich der Wanderer auf in den Boden gerammten Eisernen Mörsern niederlassen und in die Lande blicken konnte. Einen solchen Sitzhat der Arbeitskreis Kermisdal-Wetering vor drei Jahren wieder aufgestellt, ungefähr an der Stelle, wo die Wetering in den Kermisdal übergeht, unterhalb der B 9. Dieser Sitz ist Rast auf dem Weg zum Grabmal. Vorher passierte der Wanderer die Luisenbrücke, wo Bänke und Tisch zur Station einladen. Der Weg von der Burg zum Grabmal trägt heute den Namen des Prinzen und führt über 3,5 Kilometer bis zum Papenberg oberhalb der Grablege. Er belohnt den Wanderer mit einem grandiosen Blick über die Galleien auf Kleve. Wer die kurze Strecke wählt, läuft von hier wieder zurück über die Birnenallee (Pflücken erlaubt) in den Galleien bis Kleve.

Der Weg erzählt nicht nur Heimatgeschichte, er erzählt auch von den Mühen der Menschen, die dieses alte Stück Heimat wieder gangbar gemacht haben. Denn bevor der Arbeitskreis Kermisdal-Wetering unter Führung von Gerlinde Semrau-Lensing dieses Stück unterhalb der Burg wieder "urbar" machte, drohte der Weg zu verfallen. Heute ist er nicht nur Tourismus-Ziel, sondern verlängert mit dem Voltaire-Weg schöne Wanderstrecke, die bis zum Schloss Moyland führt. Da lädt nach weiteren 6,5 Kilometern das neue Museums-Café zum Snack.

Der Voltaire-Weg zeigt den anderen, flachen Niederrhein, führt an Haus Rosendal vorbei, man blickt auf die Wiesen und Weiden. Der Name erinnert an das Treffen von Friedrich dem Großen mit dem Philosophen Voltaire in Moyland, vielleicht auch daran, dass Voltaire eine Philosophen-Schule in Kleve errichten wollte. Doch schon damals ließen die sich nicht überzeugen, von Paris an den Niederrhein ins beschauliche Kleve zu wechseln. Auch wenn dort der Badbetrieb lockte, wie Voltaire die Stadt lobte.

Quelle: RP
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