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Kalkar
SPD-Abtrünnige: Fonck das kleinere Übel

Kalkar: SPD-Abtrünnige: Fonck das kleinere Übel
Jochem Reinkens (rechts) mit Anita Kipper und Paul Bienemann vor Kalkars Rathaus, in dem sie nicht Britta Schulz als Bürgermeisterin sehen möchten. FOTO: privat
Kalkar. Wechsel - ja, aber nicht um jeden Preis: Die drei zurückgetretenen Kalkarer SPD-Fraktionsmitglieder erklären, warum sie nicht bereit sind, Britta Schulz vom Forum zu unterstützen. SPD-Vorsitzender van de Löcht verärgert einige Mitglieder. Von Anja Settnik

Jochem Reinkens, gerade erst zurückgetretener SPD-Fraktionschef in Kalkar, empfiehlt, in der Stichwahl Gerhard Fonck zu wählen. Eine zu große Nähe zur CDU sagen ihm die Begleiter des politischen Geschehens in der Nicolai-Stadt zwar schon immer nach, aber immerhin hatten die Sozialdemokraten im Wahlkampf eine andere Kandidatin unterstützt: Birgit Mosler, die bekanntlich bei der Bürgermeisterwahl als Parteilose nur 21,32 Prozent der Stimmen erhielt. Den Beschluss der Partei, in der Stichwahl die bisherige Mosler-Kontrahentin Dr. Britta Schulz zu unterstützen, können Reinkens, Anita Kipper und Paul Bienemann wie berichtet nicht mittragen. Deshalb zogen sie sich früher aus der Fraktion zurück, als sie das vorhatten.

Dass Marco van de Löcht, SPD-Vorsitzender in Kalkar, nach einem 18:2-Beschluss zur Unterstützung der Forums-Kandidatin auf Facebook über die drei Zurückgetretenen schrieb, "die Ratten verlassen das sinkende Schiff", hat Reinkens und seine Gleichgesinnten besonders gekränkt. "Bei der offenen Vorstandssitzung hatten schon mehrere Mitglieder, bevor es zur Abstimmung kam, aus Protest den Saal verlassen", erklärt er. Den Wechsel um jeden Preis wollen er, Kipper und Bienemann jedenfalls nicht. Und schon gar nicht in der Person von Britta Schulz, der sie das Bürgermeisteramt schlicht nicht zutrauen.

So weit, statt Schulz nun Fonck zu wählen, den man doch eigentlich unbedingt aus dem Rathaus verdammen wollte, geht Bienemann nicht - sagt er. Aber der Mann, der seit 1979 der SPD-Fraktion angehörte, ist da in einer Zwickmühle, denn ebenso wie Kollegin Kipper bitter er natürlich jeden, am Sonntag zur Wahl zu gehen. Und da heißt es eben nur: Fonck oder Schulz. Anita Kipper spricht den Vorwurf an, den viele Kalkarer der SPD machen: zu gut mit der CDU zu können. Zu Zeiten von Dr. Günther Bergmann, geben alle zu, sei das politische Arbeiten in Kalkar tatsächlich harmonisch gewesen. Es hätten sich bis heute bestehende Freundschaften entwickelt. Dass das Forum mit dem Amtsinhaber und der CDU nicht klar kommt, kann Reinkens nicht verstehen: "Ich konnte immer mit Fonck reden und habe die Informationen bekommen, die ich brauchte."

Dass Birgit Mosler, die auch ohne Parteibuch künftig für die SPD im Rat sitzen wird, ihre Unabhängigkeit bewahren wird - da ist Reinkens ganz sicher. Für andere SPD-Vertreter gelte das eher nicht. Die drei Abweichler, allesamt seit Jahrzehnten in der Fraktion, wollen SPD-Mitglieder bleiben. Und sind mal gespannt auf die nächste Vorstandswahl. Reinkens jedenfalls ist sicher, dass van de Löcht dort die Quittung für sein Verhalten bekommen wird.

"Das Ganze war so unnötig wie ein Kropf", sagt Kipper. "Wir wollten Ende des Jahres sowieso ausscheiden und Jüngeren unsere Plätze überlassen." Ohne die Verbrüderung der SPD-Mehrheit mit Britta Schulz wäre der Generationenwechsel ohne Ärger vonstatten gegangen. Nun fürchten die drei Aussteiger, dass Britta Schulz die Stichwahl gewinnen könnte und weder den Haushalt konsolidiert, noch die Wirtschaft fördern oder den Wisseler See entwickeln wird. "Das wird der Stadt immens schaden, und deshalb sage ich lieber ,Ja' zum kleineren Übel Fonck", so Reinkens.

Quelle: RP
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