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Kreis Kleve
SPD will Arbeit in den Fokus nehmen

Kreis Kleve: SPD will Arbeit in den Fokus nehmen
Mike Groschek bei seinem Auftritt am Wochenende in Uedem. FOTO: Evers
Kreis Kleve. Damit soll der Schulterschluss mit Arbeitnehmern wieder besser gelingen. Bei der Auftaktveranstaltung mit Mike Groschek wird klar: Es gibt viel zu tun. Von Ludwig Krause

Für 60 Leute hat die Kreis-SPD im Bürgerhaus Uedem eindecken lassen. Auftaktveranstaltung "Arbeiten im Kreis Kleve. Den Wandel gestalten. Konzepte für die Arbeit der Zukunft." Es gibt Kaffee und Brötchen, der Landesvorsitzende Mike Groschek hat sich angekündigt. Rund 50 Teilnehmer erscheinen am Ende. Da waren sie also ganz realistisch, die Sozialdemokraten. Ansonsten konnte man am Samstagmorgen eine Partei erleben, die sich spürbar über Inhalte profilieren will - der die vergangenen zwölf Monate aber noch deutlich in den Knochen stecken.

"Es gibt einen Riss zwischen vielen Arbeitnehmern und der Partei", konstatierte der SPD-Kreisvorsitzende Norbert Killewald. Wenn es den Sozialdemokraten nicht gelänge, sich glaubhaft mit dem Kernthema Arbeit auseinanderzusetzen, dann komme man aus dem Umfragetief auch nicht mehr heraus.

Darum also auch die Workshopreihe zum Thema Arbeit. Was bedeutet "Arbeiten 4.0" für den Kreis Kleve? Welche Herausforderungen ergeben sich aus dem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt? Und wie steht es um die Ausbildungschancen junger Menschen? Es sei trotz guter Konjunktur, wachsender Touristenzahlen und konstant niedriger Arbeitslosenzahlen eben nicht "alles tutti" im Kreis, wie Jürgen Franken, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, sagte. Die Zahl der unversorgten Bewerber auf einen Ausbildungsplatz steige, der Unterschied bei der Bezahlung von Männern und Frauen im Kreis Kleve betrage immer noch 16 Prozent. "Das können wir uns überhaupt nicht leisten", sagte Franken. Bildung, Arbeit, Pflege, Gesundheit - das seien die Themen, die die Leute massiv bewegen. "Alles spricht von Erneuerung, aber wir schaffen es nicht, die Bürger zu erreichen", sagte Franken, der sich für eine Ausbildungsoffensive stark macht. Es gebe einen Vertrauensverlust gegenüber der Partei und eine "sehr schwierige Situation". "Dafür müssen wir endlich eine Strategie entwickeln."

Ehe Christina Schildmann von der Kommission "Arbeit der Zukunft" der SPD-nahen Hans-Böckler-Stiftung ihren Impulsvortrag zum Thema gab, ergriff der SPD-Landesvorsitzende Mike Groschek das Wort. Der 61-Jährige ist niemand, der Reden von einem Zettel abliest. Er nennt Politiker in Talkshow-Runden "Eierköppe" und redet von der "Kulturellen Verwahrlosung der Gesellschaft", wenn er über Unfallgaffer spricht. Er spricht über die Herausforderungen der neuen Seidenstraße in China, Donald Trump und Gewerbesteuer-Dumping in Monheim. Er spannt auf der Bühne des Bürgerhauses also den großen Bogen. Rechnet aber auch mit der eigenen Partei ab - etwa wenn es um die Agenda 2010 geht. "Wenn wir die Erneuerung ernst nehmen, sollten wir nicht die Reparatur einer alten Agenda in den Mittelpunkt stellen, sondern wir müssen eine Agenda der Zukunft entwickeln. Und die Gewerkschaften müssen da in der ersten Reihe marschieren." Applaus bekommt er auch für die Forderung nach einem neuen Rentensystem. Aber: Wer nach zwei Jahrzehnten mit Regierungsbeteiligung sagt, es sei Zeit für mehr Gerechtigkeit - der müsse sich von den Leuten auch fragen lassen dürfen, warum es die in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht gab, so Groschek. "Darauf müssen wir Antworten finden."

Termine für Workshops zu den Themen Arbeiten 4.0 und zur Ausbildung folgen.

Quelle: RP
 
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