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Lokalsport
Ärger um Turnhallenbau

Lokalsport: Ärger um Turnhallenbau
Blick auf die maroden Umkleidekabinen im Gustav-Hoffmann-Stadion. Hier könnte die Halle gebaut werden. FOTO: kds
Kleve. Für den VfL Merkur Kleve soll eine neue Sporthalle gebaut werden. Vor neun Jahren wurde die Notwendigkeit erkannt. Das Geld dafür steht mittlerweile im Haushalt. Die CDU fordert erneut, dass mit dem Projekt zeitnah begonnen wird. Von Peter Janssen

Kleve will in den Sport investieren. Die Bedeutung von Leibesübungen ist erkannt, ebenso wie die Notwendigkeit, heruntergekommene Anlagen sanieren zu müssen. Sowohl Politik wie auch Verwaltung lassen kaum eine Möglichkeit aus, auf den Wert der Sportvereine mit ihren zahlreichen ehrenamtlichen Helfern hinzuweisen. Aktuell geht es in der Kreisstadt darum, die Sportstätten entweder in einen ordentlichen Zustand zu versetzen, oder - wo nicht mehr möglich - abzureißen und neu zu bauen.

Seit neun Jahren herrscht Einigkeit darüber, dass der VfL Merkur Kleve eine zeitgemäße Turnhalle braucht. Der Bau an der Flutstraße, der von dem mitgliederstärksten Verein der Stadt noch genutzt wird, besitzt den Charme der 60er Jahre und ist auch in einem dementsprechenden Zustand. Nachdem die Gelder jetzt im Haushaltsetat stehen, sind zumindest die Voraussetzungen geschaffen, dass eine neue Halle gebaut werden kann. Nicht abschließend entschieden ist auch nach knapp einem Jahrzehnt, wo die Sportanlage stehen soll.

Zu Beginn der Planungen gab es drei mögliche Standorte für den Neubau:

1. am Hellingsbüschchen.

2. an der Stelle, wo derzeit die Umkleidekabinen des Gustav-Hoffmann-Stadions, Stadionstraße, stehen, die marode sind.

3. an der Welbershöhe (Parkplatz hinter der Tribüne des 1. FC Kleve). Der Platz am Hellingsbüschen war schnell aus dem Rennen.

Die Turnhalle wird in erster Linie für den VfL Merkur gebaut, doch sollte auch der 1. FC Kleve diese nutzen, wenn die Belegung dies zulässt. Es deutete einiges daraufhin, dass der Ort hinter der Tribüne der Volksbank-Arena die Lösung sei. Charme der Variante: Durch geschickte Planungen wäre es so möglich, die halb fertig gestellte Tribüne vor dem Zerfall zu retten. Knapp neun Jahre ist diese ein Rohbau. In einer zwischen der Stadt Kleve und dem Verein 1. FC Kleve verfassten Absichtserklärung, ist ebenfalls dieser Platz für die Sporthalle schriftlich festhalten. Zudem steht in dem Papier: "Die Parteien stimmen darin überein, dass sie schnellstmöglich Gespräche zur Ausarbeitung eines Vertrages im Geiste dieser Absichtserklärung aufnehmen mit dem Ziel eines zügigen Vertragsabschlusses bis zum 30.11.2017." Das Vorhaben ist gescheitert.

Auch die größte Fraktion im Rat der Stadt, die CDU, hatte sich zunächst für diese Stelle ausgesprochen. In einem Antrag vom 26. September 2017 hatten sich die Christdemokraten an die Verwaltung gewandt (die RP berichtete). Tenor des Schreibens: Die Umsetzung des Sportentwicklungskonzepts geht zu langsam, in den Jahren 2011/2012 gefasste Beschlüsse befänden sich immer noch in der Umsetzung. Zwei von vielen Forderungen in dem CDU-Antrag waren eine Tartanbahn für das Hoffmann-Stadion, und die Gesamtanlage sollte durch eine mit der Tribüne verbundene Sporthalle ergänzt werden.

Doch hat bei den Christdemokarten ein Umdenken stattgefunden. Die Fraktion war im Dezember auf dem Bresserberg, um sich ein Bild von den Sportanlagen zu machen. CDU-Chef Wolfgang Gebing sagte damals im Anschluss der Besichtigung zum Thema Standort der Halle: Hinter der FC-Tribüne sei eine Möglichkeit, aber da habe sich die Fraktion noch nicht festgelegt. Von der im Antrag so konkret formulierten Position sei man abgerückt, es sei ein bisschen unglücklich formuliert gewesen, so Gebing. Jetzt hat sich die CDU festgelegt. Gestern erklärte Gebing, dass es ein gemeinsames Gespräch aller Fraktionen beim Kämmerer der Stadt, Willibrord Haas, gab. Ergebnis sei, dass man noch einmal mit dem 1. FC Kleve spricht, um dem Verein mitzuteilen, was im wesentlichen Konsens der Fraktionen war. Wie der Konsens aussieht wollte Gebing nicht sagen. Er betonte jedoch erneut: "Die CDU-Fraktion will, dass die Turnhalle in diesem Jahr gebaut wird." Zwei ausgearbeitete Pläne für die beiden Standorte (Stadionstraße und Welbershöhe) lägen vor, so Gebing. Trotz der offenbar fortgeschrittenen Ausarbeitung kennen die zwei betroffenen Vereine nicht beide Entwürfe.

Was die Planungen nicht unerheblich erschweren könnte, ist, dass der 1. FC Kleve noch etliche Jahrzehnte ein Nutzungsrecht für die alten Umkleidekabinen besitzt. Falls die Politik beschließt, dort den VfL anzusiedeln, wäre es zweifellos sinnvoll, zuvor mit dem Fußballverein eine Einigung zu erzielen.

Dem 1. FC Kleve ist daran gelegen, die Halle hinter die Tribüne zu bauen und diese so zu sichern. Wer betriebswirtschaftlich denkt, würde erkennen, dass dort bereits Räume, etwa für Umkleiden, vorhanden sind. Merkur Kleve ist es mittlerweile egal wo die Halle steht. Hauptsache, es passiert überhaupt etwas. VfL-Vorsitzender Dietmar Eisel hat seit gut einem Jahr nichts mehr von der Stadt gehört. Auf RP-Anfrage teilte die Stadt zu dem Thema mit, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgrund der bereits durchgeführten und bevorstehenden Gespräche keine abschließende Stellungnahme mitgeteilt werden kann. "Also, ich beziehe meine Informationen nur aus der Presse", ärgert sich Eisel. Er kann nicht nachvollziehen, wie mit einem Verein von mehr als 1000 Mitgliedern verfahren wird. "Das sind auch Bürger, die ein Wahlrecht besitzen. Offensichtlich hat der Sport nicht die Lobby wie andere gesellschaftliche Bereiche."

Quelle: RP
 
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