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Lokalsport
Als der Libero noch lebte

Kleve. Ehemalige Fußball-Stars im Kleverland (2): Detlef Janssen ist der TuS 07 Kranenburg. Er verbrachte seine Karriere bis auf zwei Spielzeiten bei den Schwarz-Gelben. Immer als letzter Mann. Von Peter Janssen

Wenn man sich über Fußballer unterhält, gibt es keine Grauzonen. Schwarz oder weiß, Könner oder Lusche. In Kleve und Umgebung gibt es einen Satz, mit dem ausgedrückt wird, welche Qualität ein ehemaliger Spieler besaß: "Der war ein Guter." Ein größeres Lob gibt es am unteren Niederrhein nicht. Wenn über Detlef Janssen (64) gesprochen wird, gibt es keine zwei Meinungen. Denn Janssen war ein Guter.

Treffpunkt 13.30 Uhr, Sportplatz in Kranenburg. Es ist Ende Oktober. Ein angenehmer Tag, die Sonne besitzt noch Kraft. Aktuell deutet wenig darauf hin, dass hier um 15 Uhr die erste Mannschaft des TuS 07 spielt. Detlef Janssen ist bereits da. Dort, wo er immer ist, wenn die Saison läuft. "Ich denke, dass ich in den vergangenen 40 Jahren sonntags höchstens zehn Mal nicht auf dem Fußballplatz war, wenn die Meisterschaft lief. Ob als Spieler oder Betreuer", sagt er.

Detlef Janssen ist 64 Jahre alt und gebürtiger Kranenburger. Jeder, der zwischen den 70er und 90er Jahren im Norden des Kreises Kleve Fußball gespielt hat, ist irgendwann einmal gegen oder mit Janssen aufgelaufen. Neben seinen fußballerischen Fähigkeiten zeichnet ihn ebenso aus, dass er auf keinem Platz Sorgen haben muss, nicht willkommen zu sein. Stets fair, eben ein Vorbild. So schickten ihm etwa mehrere Vereine Glückwünsche und Geschenke zu seinem 50. Geburtstag.

Auch den Vorwurf, er sei nicht bodenständig, kann man ihm nicht machen. Sein Leben verbrachte er ebenso in der Grenzgemeinde wie seine fußballerische Laufbahn. Bis auf zwei Spielzeiten für den VfB 03 Kleve, lief er immer in Schwarz-Gelb auf. Zunächst für den TuS in Kreis- oder Bezirksliga unterwegs, holte VfB-Trainer Franz Schubert den damals 21-Jährigen 1973 nach Kleve. Die spielten in der Landesliga, zu der Zeit die vierthöchste Klasse in Deutschland. Die Rot-Weißen waren damals aufgrund ihrer finanziellen Situation zum Jugendstil gezwungen worden. "Schubert kannte mich von der Kreisauswahl", sagt Janssen. Die Mechanismen waren damals dieselben. Um ihm den Wechsel zu erleichtern, bekam er einen VW Käfer. Zusammen mit Bernd Praest, Klaus Bienemann, Ernst Peter, Johannes Verbeet oder Peter Michajlezko, die damals alle aus der VfB-Jugend kamen, absolvierte der Kranenburger zwei starke Spielzeiten bei den "Roten". Die letzte war er Kapitän. Hier wurde er auch erstmals auf der Position eingesetzt, die er bis zum Ende seiner Karriere nicht mehr verließ. "Routinier Werner Drießen verletzte sich in einem Meisterschaftsspiel. Schubert schob mich auf die Position des letzten Mannes. Ich machte es offenbar ganz gut und blieb dort." Beim VfB aber nicht sehr lange. NEC Nimwegen wollte ihn nach einem Probetraining als Vertragsamateur, Hamborn 07 und der VfB Homberg meldeten sich - doch Janssen blieb beim TuS und spielte hier noch mit über 50 Jahren in der ersten Mannschaft.

Wollte ein Kranenburger Trainer wissen, ob sein wertvollster Akteur nach der Spielzeit bleibt, musste er mit Janssen nicht sprechen. Jeder hat einmal genickt. Bis zur nächsten Saison. "Bereut habe ich selten, dass ich es nicht länger in höheren Ligen versucht habe. Wer weiß, ob ich sonst meine wunderbare Frau kennengelernt hätte." Seit zwei Jahren ist er jetzt in Rente. 40 Jahre arbeitete er als Krankenpfleger in der LVR-Klinik Bedburg-Hau. Hier musste er regelmäßig Dienste tauschen, um sonntags spielen zu können.

Was den Kranenburger von anderen Liberos unterschied, war seine Spieleröffnung. Während in Kreis- und Bezirksliga nach dem Motto "Hoch und hinterher" verfahren wurde, weilte der Ball bei Janssen mehr auf dem Grün als in der Luft. Eine weitere herausragende Eigenschaft war seine Kopfballstärke. Ungewöhnlich für einen letzten Mann ist auch, dass er in seiner Karriere nicht eine Rote Karte kassiert hat. Und das trotz der mehr als drei Jahrzehnte, in denen er in der ersten Mannschaft spielte. Ebenfalls nicht alltäglich ist, dass er hier sogar zusammen mit seinen Söhnen Lars und Martin auflief.

Fragt man ihn nach besonderen Spielen, so fallen ihm jene ein, in denen es um Klassenerhalt ging. Im einem Relegationsspiel gegen Labbeck musste er in der 90. Minute einen Elfer schießen. Er traf. Im Duell gegen den SSV Reichswalde setzte er einen daneben - der Abstieg drohte. Kurz vor dem Abpfiff traf er noch per Kopf und rettete den TuS. "Wenn ich einen Strafstoß verschossen habe, konnte ich zwei, drei Tage schlecht schlafen." Zum Glück versenkte er die meisten.

Die Position des Liberos, dem elegantesten und technisch versiertesten unter den Abwehrspielern, ist der Zeit ebenso zum Opfer gefallen, wie einst liebgewonnene Rituale nach den Spielen. "Wir sind überall mit in die Vereinswirtschaft gegangen. Heute gibt es nicht mal mehr welche", klagt Janssen. Auch mit der Einstellung der Spieler hat er nicht selten Probleme. Er habe seinen Urlaub so gelegt, dass er nicht beim Training fehlte. Heute würde jeder lieber zum Einkaufen nach Bocholt fahren, so der 64-Jährige. Wenn man mit Janssen über vergangene Tage spricht, so ist das eine Art Diskussion über gestern und heute. Klar zum Nachteil des Heute. Dennoch ist er weit davon entfernt, verbittert zu sein. Der Kranenburger war auch sonst meistens zufrieden. Auch wenn er hauptsächlich in Bezirks- und Kreisliga unterwegs war. Es heißt, man sei immer nur so groß wie die Liga, in der man spielt hat. Für Detlef Janssen trifft das Sprichwort nicht zu. Er ist schon größer.

Quelle: RP
 
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