| 00.00 Uhr

Leichtathletik
DM-Gold für den Lauf seines Lebens

Leichtathletik: DM-Gold für den Lauf seines Lebens
Bei der Siegerehrung freute sich Marcus Büning herzlich über den Gewinn des deutschen Meistertitels im 400-m-Hürdenlauf. FOTO: Privat
Kleve. Leichtathletik: Für Marcus Büning zahlte sich der Trainingsaufwand aus. Der Seniorensportler von LA Nütterden gewann bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften den Titel über 400-m-Hürden und Bronze über 110-m-Hürden. Von Reinhard Pösel

Nahezu 800 Kilometer mit dem Motorrad in den äußersten Südosten Sachsens. Wenn Marcus Büning von Leichtathletik Nütterden auf längere Sportreisen geht, dann kommt er höchst selten mit leeren Händen zurück. So auch diesmal. "Und wieder haben sich sämtliche Strapazen - von der Vorbereitung bis zur weiten Anreise - ausgezahlt", stellte der 48-jährige Altersklassen-Leichtathlet fest. Bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften am vergangenen Wochenende in Zittau gewann Büning über 400-m-Hürden seinen ersten nationalen Freilufttitel, nachdem er einen Tag vorher über 110-m-Hürden bereits zur Bronzemedaille gelaufen war.

Die Langhürden sind für Büning die "Königsdisziplin im Sprint" - der anstrengendste und anspruchsvollste Wettbewerb, den die Leichtathletik innerhalb dieses Disziplinspektrums seines Erachtens anbietet. In Zittau benötigte Büning über die zehn auf 400 Meter verteilten Hürden, die 91 Zentimeter hoch sind und an die Technik höchste Anforderungen stellen, nur etwas mehr als eine Minute. Nach exakt 65,01 Sekunden war Büning im Ziel, mehr als vier (!) Sekunden hatte er dabei auf die Konkurrenz herausgelaufen. Als er sich kurz vor der Ziellinie umdrehte, um sich seines Vorsprungs zu vergewissern, sah er noch, wie seine Verfolger die letzte Hürde nahmen.

Vollgepumpt mit Adrenalin konnte er darüber jedoch nur "innerlich" jubeln, die Stadionrunde hatte ihm sämtliche Kraft gekostet. Das frühe Aufstehen (Büning: "Ich war so nervös, dass ich schon um 5.30 Uhr aufgewacht bin und nur ein Rosinenbrötchen und schwarzen Tee frühstücken konnte."), die intensive Aufwärmphase bei kühlem und regnerischem Wetter und die Zeit des Wartens zwischen Callroom und Startschuss hatten ohne Zweifel auch ihren Anteil daran, dass der soeben gekürte 400-Meter-Hürdenmeister kurz hinter der Ziellinie entkräftet auf den Boden sackte. "Ich war total erschöpft und hustete wild", erinnerte sich Büning. Jemand vom Helferteam versuchte mit einer Flasche Wasser, deren Inhalt er über Kopf und Hände verteilte, die Lebensgeister Bünings zurückzuholen. Mittlerweile waren dessen Konkurrenten aber auch schon wieder bei Kräften und halfen dem Goldmedaillen-Gewinner auf die Beine. "Erst danach konnte ich meinen Sieg in vollen Zügen genießen", gestand Büning, der anschließend vor seinem geistigen Auge mehrfach den Goldlauf abspulte. Ein Gänsehautgefühl - bei jeder Wiederholung aufs Neue.

Nach seinem Raketenstart, so bezeichneten ihn zumindest seine Konkurrenten, konnte Büning auf der ungünstigen siebten Außenbahn bis zur sechsten Hürde mit dem starken linken Bein die Hindernisse überqueren. "Das war mir bis dahin noch nie gelungen", sagte Büning. Keine Frage: Er musste schnell unterwegs sein. Zumal erst jetzt die ersten Läufer in seinem Augenwinkel auftauchten. Doch die gehörten der jüngeren M 40-Altersklasse an, von seinen eigentlichen M45-Konkurrenten immer noch keine Spur. Die Teilnehmer beider Klassen starteten in einem Lauf.

So konnte sich Büning im letzten Drittel des Rennens ganz auf seinen eigenen Rhythmus konzentrieren, nahm die restlichen Hürden mal mit dem rechten, mal mit dem linken Bein und hielt das Tempo weiter hoch. "Das war der Lauf meines Lebens", sagte Büning mit etwas Abstand zum Wettkampf. Als ihm bei der Siegerehrung die Goldmedaille umgehängt wurde, konnte er auch schon wieder "äußerlich" jubeln.

Nach so einem persönlich empfundenen Jahrhundertlauf war es verständlich, dass der Gewinn der einen Tag zuvor erreichten Bronzemedaille über 110-m-Hürden in den Hintergrund trat. Und dabei war auch diese Leistung Bünings aller Erwähnung wert. "Uns Athleten war vorher klar, wer den Dreierrhythmus über die Hürden, die in unserer Altersklasse den Abstand wie in der Männerklasse haben und nur zehn Zentimeter niedriger sind, durchhält, der holt eine Medaille", berichtete Büning, der sich bis zur vorletzten Hürde einen packenden Kampf um Platz zwei lieferte. "Dann musste ich die Schritte etwas länger ziehen, um den Rhythmus halten zu können", erklärte Büning, der darin auch den Grund dafür sah, dass er um 17 Hundertstel Silber verfehlte. Dafür bekam er aber Bronze - und das in 17,28 Sekunden. Auch eine hübsche Auszeichnung bei einer nationalen Meisterschaft.

Unter dem Strich für den Klever also reichlich Glücksgefühle, um ein weiteres Mal die Ost-West-Durchquerung von 800 Kilometern in Angriff zu nehmen - diesmal mit Edelmetall im Gepäck.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leichtathletik: DM-Gold für den Lauf seines Lebens


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.