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Er war der "Kaiser" im Ruhrstadion

Lokalsport: Er war der "Kaiser" im Ruhrstadion
Die Faust in die Höhe gereckt: Andreas Wessels im Trikot des VfL Bochum. FOTO: Kruck
Kleve. Ehemalige Fußball-Stars im Kleverland (3): Andreas Wessels aus Uedem schaffte es als Torwart über SC Kleve und Viktoria Goch zum VfL Bochum in die Bundesliga. Von Helmut Vehreschild

Wenn die Kinder früher auf dem Bolzplatz in Uedem hinter dem Ball herjagten, dann waren alle froh, dass einer dabei war, der stets freiwillig zwischen den Pfosten stehen wollte: Andreas Wessels. "Ich war von Anfang an Torwart. Bei mir gab es nichts anderes", sagt der 53-Jährige, der mit seiner Frau Susanne, seit 29 Jahren verheiratet, und seinen Söhnen Miron (26), Bent (24) und Jan (22) in Pulheim wohnt und in Köln die Fußballhalle Soccer World betreibt.

Andreas Wessels gastierte mit dem VfL Bochum auch mal in Kleve. Testspiel-Gegner waren damals die Stuttgarter Kickers. FOTO: G. Evers

Seine sportliche Heimat war der Uedemer SV. "Als ich gerade im ersten Schuljahr war, sollte ich den Spielerpass unterschreiben, dabei konnte ich noch gar nicht lesen und schreiben", schmunzelt die echte "Uemse Knoll". "Wir hatten eine tolle Jugendzeit. Vor allem Jonny Hartmann bei den B- und A-Jugendlichen war ein super Trainer. Der hat sehr viel für uns getan. Er hatte immer Zeit für uns", hat Wessels Hochachtung vor dem Coach, der die Jungs in die Bestenstaffel führte. "Viktoria Goch war Meister, wir waren Zweiter. Das war schon was für Uedem", sagt er, der bei den Senioren in der ersten Mannschaft am Bergschlößchen in der Bezirksliga spielte. "Am letzten Spieltag haben wir uns gegen Concordia Goch gerettet. Das wurde anschließend bis in die Nacht gefeiert." Auch anderswo hatte sich mittlerweile herumgesprochen, dass Andreas Wessels mit tollen Reflexen auf der Torlinie, großer Sprungkraft und Sicherheit im Abfangen hoher Bälle ein Riesentalent war. USV-Jugendcoach Hartmann hatte Kontakt zu Borussia Mönchengladbach hergestellt und kutschierte gleich zweimal den 17-Jährigen zum Bökelberg, wo er unter den kritischen Augen von Fohlen-Trainer Jupp Heynckes ein Probetraining absolvierte. Zu einem Vertrag kam es aber nicht.

Das waren noch Zeiten: Der stolze Papa Andreas mit seinen Söhnen Miron (links) und Bent. FOTO: Kruck

Vom Bergschlößchen ging es 1983 für Andreas zum Bresserberg, wo der Sportclub 1863 Kleve unbedingt in die Oberliga aufsteigen wollte. Wessels war zunächst hinter Willi "Stulle" Janßen die Nummer zwei. Der Aufstieg wurde knapp verpasst, im Jahr darauf war der Uedemer endgültig zwischen den SC-Pfosten. In Goch suchte Trainer Toni Burghardt einen neuen Keeper als Nachfolge für Torwart-Legende Arno Merckx und fand ihn schnell in dem Uedemer, der in der Oberliga, damals dritthöchste Klasse, im Viktoria-Dress für Furore sorgte. Bochums VfL-Trainer Hermann Gerland erhielt den entscheidenden Tipp von Erich Rutemöller: "In Goch spielt ein Guter im Tor. Teste den bei dir mal im Training." Wessels überzeugte Gerland und setzte 1986 bei VfL-Präsident Ottokar Wüst seine Unterschrift unter seinen ersten Vertrag. Hinter Ralf Zumdick saß er zunächst auf der Bank. "Von Katze habe ich viel gelernt", sagt Wessels, der 1989 unter dem neuen Coach Reinhard Saftig die Nummer eins wurde. Für die Fans rund ums Ruhrstadion war er schnell der "Kaiser", weil er beim beliebten Eckenspiel fünf gegen zwei mal mit der Hacke einen Beinschuss gegen einen Mitspieler verteilt hatte. Einer meinte: "Du spielst ja wie der Kaiser." Insgesamt bestritt Wessels 121 Bundesligaspiele für den VfL. 1995 wechselte er zum SC Fortuna Köln in die 2. Bundesliga, ehe er drei Jahre später Sportinvalide wurde. "Das Sprungbein war gebrochen. Ich hatte ein Jahre Reha, war bei allen Ärzten wie Müller-Wohlfahrt in München, aber die Karriere war beendet", sagt er.

Andreas Wessels, heute mit Sohn Miron, in seiner Soccer World in Köln. FOTO: Vehreschild

Vor der Profi-Laufbahn hatte er nach dem Abitur am Uedemer Aufbaugymnasium eine zweijährige Einzelhandelskaufmann-Lehre gemacht. "Das war mir wichtig, eine abgeschlossene Ausbildung zu haben", betont Andreas Wessels, der ein Jahr bei Derbystar in Goch arbeitete und schon während der Bochumer Zeit in Oberhausen ein Reha-Zentrum mit einem Freund und einer Ärztin eröffnet hatte. Später hat er sich auszahlen lassen und ist bereits seit 15 Jahren Geschäftsführer der Soccer World in Köln. "Das ist mit elf Plätzen die größte Kunstrasen-Fußballhalle in Europa", erzählt er mit Stolz. Seine Söhne Miron und Bent arbeiten ebenfalls dort, wobei Miron auch noch für den FC Pesch in der Mittelrheinliga kickt. "Das schau ich mir sonntags oft an", so Wessels, der rückblickend sagt: "Es war alles toll. Eine schöne Zeit."

Quelle: RP
 
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