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Lokalsport
FC-Stadionsprecher Erich Billion legt das Mikrofon aus der Hand

Kleve. In der Halbzeitpause des gestrigen Fußball-Landesligaspieles auf dem Bresserberg betrat Erich Billion, langjähriger Stadionsprecher des 1. FC Kleve, mit gemischten Gefühlen den Rasen. "Ich glaube, ich sehe da eine Träne", sagte Ralf Fischer, Billions Nachfolger und Moderator des Abschieds. Billion verneinte das nicht. "Der ganze Tag war schon sehr emotional. Ich habe gemischte Gefühle", meinte der 69-Jährige später. Doch seinen Entschluss, das Mikrofon aus der Hand zu legen, bereue er nicht. Von Sabrina Peters

Nach mehr als 30 Jahren in diesem Amt sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen. "Ich spiele schon seit zwei Jahren mit dem Gedanken, habe aber keinen Nachfolger gefunden. Jetzt ergab es sich. Ich werde dieses Jahr noch 70 Jahre alt, und da muss einfach auch mal Schluss sein", verriet Billion.

Fischer, der bis zur vergangenen Saison denselben Job beim SV Hönnepel-Niedermörmter ausübte, hatte kurz vor Ende der vergangenen Saison verkündet, dort nicht mehr als Stadionsprecher fungieren zu wollen. "Das haben die Klever wohl mitbekommen und sind dann auf mich zugekommen", erzählte Fischer. Er habe auch gleich zugestimmt, jedoch nur unter der Bedingung, wegen seiner Einsätze im Radio einen zweiten Mann an die Seite gestellt zu bekommen. Den fand Billion mit Tobias Budde, der bereits anderweitig Erfahrungen als Moderator gesammelt hat. "Ich weiß jetzt, dass der Posten mit Fachkompetenz besetzt wurde. Deshalb kann ich beruhigt aufhören", sagte die Stimme des Klever Fußballs.

Seit Anfang der 80er Jahre saß Billion hinter dem Mikro - erst beim SC Kleve 63, nach der Fusion dann beim 1. FC Kleve. "Ich bin als Vertreter angefangen, da mich der damalige SC-Vorsitzende Theo Siebers angesprochen hatte", so Billion. Gleich zu Beginn erwartete den lange Zeit auch aktiven Fußballer des Sportclubs einen der größten Höhepunkt in seiner Biografie als Stadionsprecher und gleichzeitig der Vereinsgeschichte: Das Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona mit Udo Lattek auf der Trainerbank der Katalanen. "Da waren mehr als 10.000 Zuschauer im Stadion. Das war einfach der Wahnsinn", berichtet Billion heute. Seither hat er einige große Namen aus der Fußballwelt begrüßen dürfen: den VfL Bochum, Fortuna Düsseldorf, MSV Duisburg, Borussia Mönchengladbach, Borussia Dortmund, den FC Schalke 04 und Galatasaray Istanbul. In Spielen wie diesen hat sich Billion häufig Tipps von den Stadionsprechern der großen Vereine holen können.

Was er an seinem Job bei den heutigen Rot-Blauen liebte, sei immer der Kontakt zu den Menschen gewesen. An ein Ereignis erinnert er sich dabei ganz besonders gerne: "Da war bei uns eine Mannschaft zu Gast, deren Fans ein aggressives Verhalten an den Tag legten. Da habe ich durchgerufen, dass sie das Spiel dadurch weder positiv noch negativ beeinflussen können. Anschließend waren sie still", erinnerte sich Billion gestern bei seinem voraussichtlich vorletzten Einsatz als Stadionsprecher. Da Budde auch noch am nächsten Sonntag beim Heimspiel gegen Arminia Klosterhardt verhindert ist, übernimmt noch ein Mal der 69-jährige zur Unterstützung von Fischer das Mikro. Danach wird Erich Billion nur noch als Zuschauer auf dem Bresserberg zu Gast sein.

Quelle: RP
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