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Triathlon
Glücklich nach zwölf Stunden Schinderei

Kleve. Der Ironman ist das Nonplusultra im Triathlon. Nach 11:48,21 Stunden erreichte Detlev Ingenwerth in Maastricht das Ziel. 3800 Meter Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen lauteten die Herausforderungen. Von Sabrina Peters

Vor wenigen Tagen erst verfolgten zahlreiche Deutsche, wie Jan Frodeno seinen Titel beim Ironman auf Hawaii verteidigte. "Triathlon ist einfach eine faszinierende Trendsportart", sagt Detlev Ingenwerth, der das schon vor längerer Zeit erkannt hat. Als ambitionierter Sportler hat der 55-Jährige schon einige aus Schwimmen, Radfahren und Laufen bestehende Wettbewerbe absolviert. Die extreme Variante des Triathlons, den "Ironman" im niederländischen Maastricht, hat er in diesem Jahr selbst zum ersten Mal ausprobiert und dabei Blut geleckt. "Es war ein unglaubliches Gefühl ins mit Hunderten Zuschauern gefüllte Stadion einzulaufen", so Ingenwerth. Der Gocher erreichte nach qualvollen, aber auch unvergesslichen 11:48,21 Stunden das Ziel.

Dafür, dass er das erleben durfte, hat der 55-Jährige allerdings hart gearbeitet. Über ein Jahr dauerte Ingenwerths Vorbereitung, bei der er neben seiner Frau Marion auch von Physiotherapeut Ferdy Wissink und Patrick Prehn, Geschäftsführer des Klever Fitnessstudios Allround Sports, gezielt unterstützt wurde. "Das war enorm wichtig. Ohne sie hätte ich das nicht geschafft", meint Ingenwerth. Prehn unterstreicht diese Worte. "Wer vor hat an einem Ironman teilzunehmen, sollte sich professionelle Unterstützung suchen", so Prehn. Bereits vor dem Start des gezielten Trainings sollte laut dem Experten ein Check-Up erfolgen, auf den dann ein individueller Trainingsplan folge. Als Faustregel gibt Prehn dabei an: "Je länger die zu absolvierende Distanz beträgt, desto eher sollte man die Vorbereitung starten."

Für Ingenwerth war es in dieser Zeit enorm hilfreich, dass ihm sein Allround-Triathlon-Team sowie Wissink und Prehn zur Seite standen. "Auch wenn es eigentlich eine Einzelsportart ist, aber ein Team gehört dazu", findet Ingenwerth, der sowohl alleine als auch mit seinem Team trainiert hat. Lediglich einen Ruhetag in der Woche gönnte sich der Sportler. "Dieser ist aber auch zwingend notwendig. Der Körper braucht auch Ruhephasen", sagt der 55-Jährige. An den anderen Tagen hat er sich strikt an seinen individuellen Trainingsplan gehalten, obwohl er sich teilweise auch zu morgendlichen Laufrunden durchringen musste, wie der Gocher gesteht. "Das war nicht immer einfach, aber wenn ich die ersten Schritte durchs menschenleere Asperden gelaufen bin, war ich sofort wieder motiviert und habe mir vorgestellt, wie der Zieleinlauf in Maastricht sein wird", berichtet Ingenwerth.

Insgesamt standen bei ihm allerdings nicht nur Laufeinheiten auf dem Programm, sondern auch gezieltes Training in den beiden anderen Disziplinen, Schwimmen und Radfahren, sowie Stabilisationseinheiten. "Ich habe von Anfang Dezember 2015 bis zum Start in Maastricht insgesamt 550 Stunden Training absolviert. Hinzu kamen noch eineinhalb Stunden Core beziehungsweise Stabilisationstraining pro Woche", erläutert Ingenwerth.

Insgesamt legte der 55-Jährige, der sich auch an einen Ernährungsplan hielt, 6000 Kilometer auf dem Rad und 1500 Kilometer zu Fuß zurück. Hinzu kamen noch 170 absolvierte Kilometer im Wasser. "Ich habe allerdings bis Maastricht nie die volle Distanz eines Ironmans zurücklegt - auch nicht in den einzelnen Disziplinen", berichtet Ingenwerth. Dies sei auch nicht notwendig, um den Ernstfall trotzdem bestehen zu können.

In den letzten Tagen vor dem Start in Maastricht passte der Inhaber einer Triathlontrainer C-Lizenz seinen Trainingsplan nochmal an und gönnte sich mehr Ruhe. In die Niederlande wurde der Gocher schließlich von seiner Ehefrau und seinem Team begleitet und dort auch während des Wettkampfes von ihnen mit Energieregeln und -Gelen sowie Flüssigkeit versorgt. "Das ist sehr wichtig, denn man muss während des Wettkampfes ausreichend Kalorien zu sich nehmen, damit man keinen Hungerast bekommt und die Leistungsfähigkeit nicht nachlässt", erklärt Ingenwerth, der das allesgenau vorbereitet hatte. Als er nach fast vier Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und einem Marathonlauf von etwa 42 Kilometern das Ziel erreichte, wurde er von seinen Begleitern jubelnd empfangen. "Ich war sehr, sehr glücklich und bin dann erst mal ins Hotelzimmer hoch, um ein kaltes Bad zur Regeneration zu nehmen", berichtet Ingenwerth, dem nach fast zwölf Stunden Sport an der Leistungsgrenze vor allem die Oberschenkel schmerzten. "Ich weiß nicht mehr, wie ich die Treppen ins Zimmer hochgekommen bin, aber das eiskalte Wasser hat meine Beschwerden wirklich enorm gelindert", so der 55-Jährige.

Auf der abendlichen "Finisher-Party" konnte er mit einem kühlen Bier seinen Erfolg dann richtig genießen und war glücklich, dass er sein gestecktes Ziel von zwölf Stunden sogar knapp unterbieten konnte. "Ich möchte zeigen, dass es mit der richtigen Vorbereitung wirklich jeder schaffen kann", sagt Ingenwerth, der nicht ausschließt, nochmal einen Ironman zu bestreiten.

Die Faszination Sport hatte den Gocher schon kurz nach seinem Zieleinlauf in Maastricht jedenfalls wieder gepackt. "Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mehrere Wochen gar nichts zu machen. Aber schon nach drei Tagen war ich wieder laufen", erzählt Ingenwerth schmunzelnd.

Quelle: RP
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