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Aus Den Vereinen
Merkur bleibt auf der Strecke

Kleve. Der größte Sportverein Kleves macht sich Sorgen um seine Zukunft. Versprechungen der Verwaltung seien nicht eingehalten worden. Nach acht Jahren Diskussion über einen Umzug platzte auch die jüngste Einigung. Von Peter Janssen (Text) und Markus van Offern (Fotos)

Um eine Sporthalle zu finden, die in einem schlechteren Zustand ist als die des VfL Merkur Kleve, muss man reisen. Ein Schwingboden, der nicht schwingt, die Heizung wärmt mehr die Umwelt als das Innere der Halle und sanitäre Anlagen, die mit sanierungsbedürftig wohlwollend beschrieben sind.

Seit acht Jahren wird darüber diskutiert, dass der an Tradition reiche, dafür an zeitgemäßen Sportanlagen arme Verein von der Unter- in die Oberstadt verlagert wird. Das Ergebnis ist ernüchternd. Auch in den kommenden Jahren wird sich an der Situation nichts ändern. Der Klub bleibt, wo er ist - an der Flutstraße. Die VfL-Verantwortlichen erheben jetzt schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung: Versprechungen seien nicht eingehalten worden. Auch Zweifel an der fachlichen Kompetenz bestehen mittlerweile.

Die Planungen für den Umzug begannen 2008. Damals hatte der Merkur-Vorstand einen Antrag an die Verwaltung gestellt, in dem um einen Zuschuss gebeten wurde. Die Turnhalle, ein Materialmix aus den 1950er Jahren, sollte energetisch saniert werden. 12.000 Euro muss der VfL jährlich an Eigenmitteln für Energiekosten aufbringen. Für einen Verein, der sich allein über Mitgliedsbeiträge finanziert, ein erheblicher Kostenfaktor. Fünf Euro zahlen Kinder und Jugendliche im Monat. Statt in Trainingsmaterial oder Übungsleiterzuschüsse zu investieren, wird Gas gekauft.

Die Antwort der Stadt auf den Antrag des Vereins vor acht Jahren lautete: Lohnt nicht mehr, der Verein bekomme bald eine neue Heimat in der Oberstadt. Nachdem jetzt feststeht, dass 2017 - und wohl auch 2018 - keine Chance auf einen Umzug besteht, ist man beim VfL fertig mit der Verwaltung.

"Ich bin mittlerweile schmerzfrei, was die Stadt betrifft", sagt Dietmar Eisel, Vorsitzender des VfL. Beim Blick in alte Protokolle entwickelt sich seine Gemütslage von Gleichgültigkeit bis hin zu schwerer Verärgerung. Es war die Stadt, die damals auf den VfL zukam. Sie wollte die Anlage an der Flutstraße anderweitig nutzen.

"Die finale Beratungsrunde über Umzug und Bau der Turnhalle war im August. 2017 sollte Baubeginn sein. Wir hatten den Plänen im erweiterten Vorstand zugestimmt. Kämmerer Haas erklärte, er werde die Mittel in den Haushalt 2017 einstellen. Aber da steht nichts", sagt der Vorsitzende. Allein 1,1 Millionen Euro, die in den vergangenen Jahren zurückgelegt wurden, stehen zur Verfügung. "Viel zu wenig. Die Kosten für den Bau belaufen sich auf etwa 3,2 Millionen Euro. Das war aber allen Beteiligten jederzeit klar. Das Geld gibt es im Jahr 2017 nicht und damit auch keine neue Turnhalle. Wir werden wieder vertröstet", erklärt Eisel. Der VfL-Vorsitzende hatte aus der Zeitung erfahren, dass aus dem Umzug auch im kommenden Jahr nichts wird. Gründe, warum Zusagen nicht eingehalten werden, kenne er keine. Die neue Situation hat den Verein getroffen. Die Verwaltung habe sich zwar bei ihm gemeldet, doch nicht mit dem erhofften Ergebnis, so Eisel, der erklärt: "Jetzt sollen wir nochmals eine Rückmeldung zur Bauplanung geben. Rückmeldungen liegen der Verwaltung jetzt zur Genüge vor. Das reiht sich nahtlos in die Verhaltensweise der Stadt uns gegenüber ein." Was Eisel ebenfalls irritiert, ist das in dem jüngsten Schriftstück nicht ein Hinweis auf den geplanten Baubeginn getroffen wird. "Wir werden hingehalten. Und dies nicht erst seit gestern", sagt der VfL-Vorsitzende.

Probleme könnte Merkur auch noch von anderer Seite bekommen. Der Verein hat einen Sponsor gewinnen können, der den Bau einer Tribüne finanzieren will. Wie lange der Sponsor seine Zusage aufgrund des endlos langen Verfahrens aufrecht erhält, ist ungewiss.

Der Klub aus der Unterstadt würde auch selbst in die Sporthalle investieren. Die Einrichtung eines Kraftraums und die eines Büros sind geplant. Dem VfL gehört die Parzelle, an der Flutstraße auf der Platzhaus und Hausmeisterwohnung stehen. Zudem hat der Verein noch bis 2030 ein Nutzungsrecht für die vereinseigene Turnhalle, die auf städtischem Gelände steht.

Warum das Projekt "Umzug und Hallenbau" nicht schon längst umgesetzt ist, weiß auch die Politik nicht so genau. Es hieß immer, man befände sich im Abstimmungsprozess, so Michael Kumbrink (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses. Doch wolle er auf der nächsten Sitzung des Gremiums mal nachfragen, zeigt der Sozialdemokrat Interesse an dem Fall. Das Interesse scheint zwar nicht riesig zu sein - bewegt sich aber wohl im Rahmen. Angesichts der seit 2008 laufenden Gespräche sind zwei, drei weitere Planungsjahre bis zu einer möglichen Umsetzung ein überschaubarer Zeitraum.

Quelle: RP
 
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