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Lokalsport
Sie nennen ihn Opa

Kleve. Er hat sein Leben auf der Linie verbracht: Heinz Böhmer wurde 1936 geboren, stand Jahrzehnte im Tor und kümmert sich heute im Alter von 81 Jahren noch um die Schlussmänner des TuS 07 Kranenburg. Er ist der wohl älteste Torwarttrainer am unteren Niederrhein. Von Peter Janssen

Torwart wurde man früher leicht. Wenn alle Spieler gewählt waren und nur noch einer dastand, hieß es: "Geh' du mal ins Tor". Nicht selten handelte es sich dabei um Jungs, für die man auf dem Feld keine Verwendung hatte.

Bei dem Kranenburger Torwart Heinz Böhmer war das anders. Er blieb nicht übrig, wenn aufgeteilt wurde. Denn in seinen frühen Lebensjahren war er Feldspieler, bevor er irgendwann ganz hinten ankam. Der große Mann mit dem jetzt grau melierten Haar durchlief alle Nachwuchsmannschaften des TuS 07 Kranenburg, bis er bei den Senioren ankam. Zu einer abgerundeten Amateurfußball-Karriere gehört es noch, dass man diese mit ein paar geselligen Jahren bei den Altherren ausklingen lässt.

Die Fähigkeiten Böhmers im Tor sind mit solide ausreichend gewürdigt. Was den Mann von der Grenze auszeichnet, ist etwas anderes. Er ist der wohl älteste Torwarttrainer am unteren Niederrhein. Am 23. März 1936 geboren, steht der 81-Jährige heute immer noch zwei Mal in der Woche auf dem Kunstrasenplatz des TuS 07 und versucht, die Fähigkeiten der Schlussmänner des B-Ligisten zu verbessern. Sie besuchen die Torwartschule eines Rentners. Böhmer ist einer, der auch im fortgeschrittenen Alter und lange nach Karriereende keine Ruhe gibt. Und darüber ist man bei dem Verein an der Grenze froh. Hier hat er nur einen Namen: Sie nennen ihn Opa.

Nun sind Torhüter bekanntlich eine ganz besondere Sorte Fußballer. Ihre Karrieren dauern länger, und ihnen wird nachgesagt, einen an der Klatsche zu haben. Gegen diesen Charakterzug wehrt sich auch Heinz Böhmer nicht. "Man muss ein bisschen verrückt sein, um mit über 80 Jahren immer noch auf dem Platz zu stehen", sagt er.

Einen plausiblen Grund dafür, wie es zu der nicht enden wollenden aktiven Zeit kommt, gibt es nicht. "Es ging irgendwie immer weiter. Der Fußball hat meinem Leben Struktur gegeben. Für mich gehörte der Saisonauftakt genauso zum Jahr wie Weihnachten."

Zu der enormen Ausdauer hat beigetragen, dass sein Einsatz stets anerkannt wurde. So gab es einmal im Jahr einen Brief von der TuS-Legende Jupp Janßen, der Jahrzehnte den Verein prägte. Die Schreiben hat er sorgsam aufbewahrt. Den zum 60. Geburtstag zieht Böhmer aus einer Mappe und zeigt ihn nicht ohne Stolz. Auf dem Brief hat er oben rechts notiert, was dem Glückwunschschreiben beigefügt war: zwei Flaschen Jägermeister, eine Flasche Sekt.

Dienstag ist Training beim Kreisligisten. Böhmer kommt mit dem Auto zur Platzanlage des TuS. Er steigt aus, trägt einen Adidas-Trainingsanzug in den Vereinsfarben und schwarze Turnschuhe. 1,83 Meter ist er groß und 93 Kilo schwer. Sein Alter ist ihm nicht anzusehen. Erst, wenn er ein paar Schritte geht, sieht man, dass er nicht mehr völlig rund läuft. Der 81-Jährige stellt sich zum Vorsitzenden des Vereins, Bernd Schiwek, an einen Stehtisch vor dem Platzhaus. Böhmer hat sich auf die bevorstehende Einheit gut vorbereitet. Er zieht einen Zettel aus der Tasche, auf dem viele Striche zu sehen sind. Es handelt sich um Laufwege. Er legt das Papier auf den Tisch und sagt: "Aus der Torwartschule von Andy Köpke." Der Präsident schaut ebenso beeindruckt wie ahnungslos auf das Blatt. Heute stehen "Eins-gegen-Eins"-Situationen auf dem Programm. Als Böhmer noch selbst im Tor stand, verlief das Training für den Schlussmann eher eintönig. "Jeder legte einen Ball an die Strafraumgrenze und dann wurde nacheinander draufgeballert."

Zwei Männer in Torwartkleidung kommen aus dem Vereinsheim. Es sind Böhmers Sohn Thomas (40), der einige Jahre in der 1. Mannschaft des TuS spielte, und die aktuelle Nummer eins, Christoph Derksen (25). Das Trio verzieht sich in den hinteren Teil des Platzes. Derksen, seit zwei Jahren im Verein, ist froh, dass es so einen wie Böhmer gibt. "Einen Torwarttrainer hat noch lange nicht jeder Verein", sagt der 25-Jährige und betont: "Es ist besser, wenn er kommt." Sie trainieren so lange, bis Chef-Coach Dragan Vasovic die Männer braucht.

Irgendwann will Thomas den Job seines Vaters übernehmen. Wann, ist noch offen. Dass es auch in der nächsten Generation einen Böhmer gibt, der zwischen den Stangen steht, dafür ist gesorgt. Der 81-Jährige ist stolz, auf seine acht Enkelkinder. Die vier Jungs spielen alle Fußball - noch im Feld. Davon wird er keinen mehr trainieren. Mit Hilfestellung aus den literarischen Werken von Köpke und Kahn würde er es sich jedoch zutrauen. Denn Böhmer weiß, dass sich über die Jahrzehnte hinweg in Sachen Trainingslehre nicht viel geändert hat, denn: "Du musst den immer noch halten."

Quelle: RP
 
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