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Kleve
St. Antonius - der beliebte Kirchenpatron

Kleve: St. Antonius - der beliebte Kirchenpatron
Die 1,60 Meter große, fast mannshohe Antonius-Statue in der Frasselter Kirche überstand 1945 den Abriss des rechten Seitenschiffs durch die britischen Eroberer. Gut sind seine genannten Attribute zu erkennen. FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Kleve. Der Wüstenheilige starb vor 1660 Jahren - ein Franziskus des frühen Christentums. Die Antoniter waren einst sehr um Kranke und Arme bemüht. Am Sonntags ist das Namensfest des Mönchsvaters. Von Hans Rühl

Zur Persönlichkeit eines jeden Menschen gehört sein Name. Am Sonntag können alle ihren Namenstag feiern, denen die Eltern den Namen Anton oder Antonia gegeben haben, sofern sie dabei den Wüstenheiligen im Auge hatten. Oft genug soll die Wahl auf ein Vorbild hinweisen, dessen Schutz man das Kind besonders anvertraut. In diesem Sinne erhielten auch katholische Kirchen das Patrozinium eines Heiligen oder einer Heiligen.

"Das Bistum Münster" - 1993 vom damaligen Generalvikar und späteren Hamburger Erzbischof Dr. Werner Thissen herausgegeben - stellt in Band III alle Pfarren mit ihren Kirchenpatronen vor. Auch wenn inzwischen viele Seelsorgbereiche zu größeren Pfarreien fusioniert und rund vierzig Gotteshäuser profaniert worden sind, so gibt es immerhin noch etwa 850 Kirchen und Kapellen, die einen oder mehrere der über hundert im Anhang aufgelisteten Heiligennamen tragen. Fast einsam überragt Maria, oft zusätzlich mit einem Attribut wie Himmelfahrt oder Empfängnis bedacht, alle anderen zur Ehre der Altäre erhobenen Verstorbenen.

In der Bischofsregion Niederrhein fällt auf, dass Antonius hierzulande wohl an zweiter Stelle steht. Mag in der Gesamtdiözese auch Josef häufiger vorkommen, so findet man von den drei Dutzend Antonius-Patrozinien im großen Bistum mehr als die Hälfte am Niederrhein, davon die meisten im Kreis Kleve. 2005 entstand durch Zusammenlegung der bis dahin eigenständigen Pfarren Frasselt und Mehr mit Nütterden die unierte Pfarre St. Antonius Abbas Kranenburg mit Sitz in Nütterden, dessen Gotteshaus Pfarrkirche blieb, während die beiden anderen jetzt Filialkirchen sind. Kirchenpatron ist Antonius in Nütterden wie in Frasselt, in Hau für die alte und neue Kirche, im Altkreis Kleve dürfte die aus dem 14. Jahrhundert stammende kleine Kirche St. Antonius Hanselaer die älteste sein.

Rechtsrheinisch steht Vrasselt vor seinem Patronatsfest. In Kevelaer wurde von der weitaus älteren Antonius-Pfarre 1955 St. Marien mit den Wallfahrtsstätten abgetrennt. Antonius ist auch der Kirchenpatron in Kervenheim sowie im Stadtgebiet Geldern in Hartefeld, Pont und Veert, ferner in Sevelen und in zwei Kapellen in Aldekerk und Nieukerk. Mehrmals stößt man auch im Kreis Wesel auf ein Antonius-Patrozinium, schließlich sei Kempen-Tönisberg nicht vergessen.

Fünfmal wurde Antonius im 19. Jahrhundert hierzulande zum Schutzherrn einer neuen Dorfkirche gewählt. Dargestellt wird er oft mit Schwein, Stab und Buch, die sein Leben charakterisieren. Das Ferkel erinnert daran, dass sich im Mittelalter beim Ausbruch einer durch Mutterkorn mitverursachten Epidemie mit brandiger Vergiftung die sich um infizierte wie um arme Mitmenschen kümmernden Krankenpfleger Antoniter nannten. Sie durften ein Schwein frei durch ihren Ort laufen lassen. Das Schlachtfleisch ging an die Bedürftigen. Antonius, der in Mittelägypten geboren mit 105 Jahren vor nunmehr 1660 Jahren 356 starb, verbrachte den längsten Teil seines

Lebens in der Wüste. Nach dem frühen Tod seiner Eltern verkaufte er sein Erbe und wurde ein asketischer Eremit, dem viele Männer Rat suchend folgten. Das Buch verweist auf seine Gelehrsamkeit, Stab und Glöckchen rufen zur Wachsamkeit auf.

Er gilt als Vater des Mönchtums, und in gewisser Weise kann man ihn als einen Franziskus der christlichen Frühzeit betrachten. Gerade in den jetzigen weltweiten Wirren dürfte sein einfaches und selbstloses Leben wieder bedenkenswerter sein.

Quelle: RP
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