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Kleve
Stadt aus Bronze

Kleve: Stadt aus Bronze
FOTO: Markus van Offern
Kleve. Das neue Modell der Stadt Kleve wurde gestern feierlich enthüllt. Die Service-Clubs Rotary und Lions und der Klevische Verein forcierten den Bronzeguss für 42.000 Euro, der mit Mitteln der Clubs und aus dem Integrierten Handlungskonzept finanziert wurde. Von Matthias Grass

Blickt der Besucher schräg hinauf, hat er die Burg gleich zweimal im Blick. Unten thront sie über Gassen und Straßen, Dächer und Türme einer Stadt im Kleinformat und oben, hinter dem einst schönen, alten Brunnenhaus des Minoritenklosters (heute Wärmedämm-kernsanierter Teil des Rathauses), schaut der Turm der Schwanenburg über die Dächer der City und guckt hinunter auf die große Schar der Menschen, die sich um die kleine Stadt versammelt haben. Zur Feier des Tages hat der große Turm der Schwanenburg sogar geflaggt. Und das mit gutem Grund: Gestern wurde die seit nun fast zehn Jahren diskutierte "Stadt aus Bronze" öffentlich enthüllt, die Denkmal von Kleve im Jahr seiner 775-Jahr-Feier ist, Touristenattraktion und Stadtführer für Blinde. Das neue Modell steht jetzt vor der dem Kopfbau des Rathauses.

Die rot-weiße Kleve-Fahne, die das 1,2 mal 1,8 Meter große Modell bedeckte, hatten zuvor Bildhauer Egbert Broerken und Bürgermeisterin Sonja Northing, Alwine Strohmenger-Pickmann vom Klevischen Verein sowie Reinhard Berens und Heinz Roelofsen von den Rotary Clubs Kleve und Kreis Kleve/Moyland und Prof. Berthold Reers von Lions feierlich von der Bronze gezogen - im Beisein von Vertreten von Rat und Verwaltung, von Museumsdirektor Harald Kunde und Ursula Geisselbrecht-Capecki, Leiterin des benachbarten B.C. Koekkoek-Hauses.

"Das ist das Geschenk von Bürgern an die Bürger der Stadt Kleve, ein Geschenk zur 775-Jahr-Feier", sagte Alwine Strohmenger-Pickmann, Vorsitzende des Klevischen Vereins, die vor allem Reinhard Berens und Heinz Roelofsen dankte, den eigentlichen Motoren des Ganzen. Das Bronzemodell zum "Ertasten, Entdecken, Verstehen", so Strohmenger-Pickmann, ruht auf stabilen Natursteinstelen, die Steinmetz Benedikt Kreusch aufgestellt hat. Geschaffen hat es der Soester Bildhauer Broerken. Er spazierte vor 30 Jahren von seinem Atelier auf den Weg ins Café durch seine Heimatstadt und traf auf eine Gruppe blinder Kinder, die eine Stadtführung machten. "Als ich hörte, wie die Stadtführerin sagte: ,und das ist der romanische Dom und der ist 76 Meter hoch' und man sah, dass sich keiner darunter etwas vorstellen konnte, hatte ich die Idee zu dem plastischen Modell", sagte Broerken gestern. Ein Modell, dass es Blinden auch erlaubt, die Stadt zu ertasten, eine Ahnung von den Gebäuden und ihrem Verhältnis zueinander zu bekommen. Es sind Modelle, auf dem die Gebäude beschrieben sind, natürliche auch in Blindenschrift.

Denkmal-Enthüllung: Reinhard Berens, Prof. Berthold Reers, Egbert Broerken, Sonja Northing, Heinz Roelofsen und Alwine Strohmenger-Pickmann (v.l.). FOTO: MvO

Seitdem schuf Broerken hunderte von Modellen. Anfragen kommen aus aller Welt. Eine Anfrage aus Aserbaidschan werde er wohl ablehnen, sagte er gestern. Das sei ihm nun doch zu weit. Schön sei die Idee von Schwerin, auch die Seen und die Schlösser abzubilden auf einem ganz großen Plan, fügt er an, eines seiner kommenden Projekte zu beschreibend. Das nächste Stadtmodell wird in Tübingen aufgestellt, es folgen Chemnitz und eben Schwerin. Gestern war er dann in Kleve - und auch hier ließ er seine Finger noch einmal über die Bronze gleiten, die Dächer abtasten. So, wie es bald viele Menschen tun werden - Besucher und Klever, Blinde und Sehende. Menschen, die die Stadt ganz analog erleben, sie richtig erfassen wollen.

Die Enthüllung war ein Ausrufezeichen am Ende der 775-Jahr-Feier der Stadt Kleve. Entsprechend begeistert war Bürgermeisterin Sonja Northing: "Das ist der richtige Ort, die richtige Zeit und das richtige Motto: Von Bürgern für Bürger", sagte sie und fasste wie Broerken über die Dächer und Türme ihrer Stadt.

Quelle: RP
 
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