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Kleve
"Stein" feiert grenzenloses Jubiläum

Kleve: "Stein" feiert grenzenloses Jubiläum
"Servus, i bin aus Österreich" - mit dieser Begrüßung hatte der junge Mann mit dem Mikro in der Hand die Lacher auf seiner Seite. Schüler, Lehrer und Redner boten den vielen Gästen bei der 200-Jahr-Feier des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums ein buntes Programm mit Ansprachen, Musik und Fotos. FOTO: Markus van Offern
Kleve. Seit 200 Jahren gibt es das Klever-Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Das wurde gestern ausgiebig gefeiert. Beim Festakt im Forum der Schule begrüßten Schüler die zahlreichen Gäste in 25 Sprachen. Glückwünsche kamen von allen Seiten. Von Marc Cattelaens

Weltoffen präsentierte sich das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium an seinem 200. Geburtstag. Schüler begrüßten die zahlreichen Gäste in gleich 25 Sprachen. Während die meisten naturgemäß für die Klever schwierig bis gar nicht zu verstehen waren, hatten sie es in einem Fall schon leichter: "Servus, i bin aus Österreich", wandte ein Schüler sich ans Publikum und hatte damit die Lacher auf seiner Seite.

Rektor Timo Bleisteiner erinnerte an die Gründung des damals "königlichen Gymnasiums" vor "200 Jahren und 14 Tagen", als 55 Schüler aufgenommen und anschließend von nur einem Lehrer unterrichtet wurden. "Heute, 73.000 Tage später , unterrichten hier 62 Lehrer 800 Schüler, was beweist, dass sich die Schüler-Lehrer-Relation deutlich verbessert hat", rechnete Bleisteiner vor.

Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium sei eine Konstante in der Klever Stadtgeschichte. "Wir sind das Gymnasium mit Tradition", sagte Bleisteiner. Es sei wichtig, den Schülern sprachliche und fremdsprachliche Kenntnisse zu vermitteln. "Das fördert gegenseitiges Verständnis", so der Schulleiter. Auch kulturelle, religiöse und historische Bildung spiele eine große Rolle. "Nur, wer Geschichte versteht, kann verantwortlich für die Zukunft handeln", betonte Bleisteiner.

Zu den Gratulanten zählte die Klever Bürgermeisterin Sonja Northing. "Wir erleben in Kleve eine Zeit der großen Jubiläen", sagte die Bürgermeisterin. Mit 200 Jahren sei das "Stein" mit Abstand die älteste weiterführende Schule der Stadt. "Sie sind aus Kleve nicht mehr wegzudenken und ein Garant für Qualität", betonte Northing. Das Gymnasium habe zahlreiche berühmte Persönlichkeiten wie Karl Leisner oder Joseph Beuys hervorgebracht. "Ab 1972 wurden hier auch Mädchen beschult, heutzutage ist das gottseidank eine Selbstverständlichkeit", so die Bürgermeisterin. Sie wünschte dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, "in einer Zeit, in der die Schullandschaft stark in Bewegung ist, alles Gute und viel Liebe für die nächsten 200 Jahre".

Auch die schulfachliche Dezernentin Dr. Anke Domrose sprach die Umwälzungen in der Schullandschaft an. "In den letzten zehn Jahren ist so viel passiert. Manche Schulen haben Angst davor, nicht zu überleben", sagte Domrose. "Es sind extrem turbulente Zeiten. Es entwickeln sich neue Schulformen, bestehende Systeme schwächeln. Es gibt einen Umschwung von G8 auf G9. Dann gibt es da noch Inklusion und Seiteneinsteiger", so die Dezernentin. Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium habe sich diesen Herausforderungen gestellt. "Sie sind kein Dinosaurier; sie werden nicht aussterben. Vielmehr sind sei wie ein Ameisenstaat, in dem auf alle Anforderungen flexibel reagiert wird", sagte Domrose.

Prof. Dr. Klaus van Eickels war selbst einmal Schüler am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, bevor er in Geschichte habilitierte. Er umriss 200 Jahre deutsche Schulgeschichte und zog Querverweise zum Klever Gymnasium.

Von 1964 bis 1998 unterrichtete Wilhelm Timmer am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Interviewt von Schülerin Chiara Fleck, ließ er seine eigene Schulzeit Revue passieren. Die Gäste des Festakts bestaunten Fotos aus Timmers Jugend. Ein Bild zeigte ihn bei seiner Einschulung in einem Dorf in Ostfriesland. "Damals trugen Jungs kurze Hosen. Lange Hosen gab es erst zur Konfirmation mit 14 Jahren - und für Mädchen gar nicht", erläuterte Timmer und sorgte damit für schmunzelnde Gesichter. Im mit einem Kohlenofen beheizten Klassenzimmer wurden acht Jahrgangsstufen gleichzeitig unterrichtet. "Das war eine richtige Kunst. Heute haben Lehrer schon Schwierigkeiten, wenn sie in einer Klasse zwei Gruppen unterrichten müssen", sagte Timmer.

Mit Klarinettenmusik von Dominik Hendricks und ganz vielen Glückwünschen der Gäste endete der Festakt.

Quelle: RP
 
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