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Bedburg-Hau
Steinerne Zeugnisse der Welt im Krieg

Bedburg-Hau: Steinerne Zeugnisse der Welt im Krieg
Ein Blick auf die jetzt aufwendig sanierten Kriegsgräber auf dem Friedhof der LVR-Klinik in Bedburg-Hau. FOTO: Evers
Bedburg-Hau. Die Kriegsgräber auf dem Gelände der LVR-Klinik in Bedburg-Hau wurden mit Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge aufwendig saniert, die verwitterten Namentäfelchen im Erdboden durch Kreuze ersetzt. Von Matthias Grass

Still stehen die Kreuze auf dem erhobenen Grund, Frühdunst liegt über dem kurz geschnittenen Gras. Der Lärm der nahen Bundesstraße dringt nur gedämpft herüber. In Reihen erinnern die grob gehauenen, an eiserne Kreuze mahnenden Grabstellen an die Toten der beiden großen Kriege, säumen den Weg zwischen der backsteinernen Jugendstilkapelle und dem Halbrund des gegenüberliegenden Mahnmals. Steinerne Zeugnisse der Zeit, in der zwei Weltkriege die Menschheit veränderten. Vor dem Kreuz für Otto Diekmann und Arthur Goersch glimmt eine Grableuchte und ist ein Heidekraut abgelegt. Sie zeigen, dass das Gedenken an die Menschen, die gefallen sind, ermordet oder als Zivilisten getötet wurden, noch wach ist.

Der Weg zwischen den Kreuzen ist frisch geharkt, letzte Randsteine werden von Gärtnern gerichtet: In langwieriger Arbeit wurde mit Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge der Ehrenfriedhof der LVR-Klinik in Bedburg-Hau grundlegend saniert und soll in einer Feierstunde am Dienstag, 1. September, 11 Uhr, der Öffentlichkeit übergeben werden. Gleichzeitig wird die neue Info-Tafel vorgestellt. Regierungspräsident a.D. Dr. Peter Paziorek als stellvertretender Landesvorsitzender des Volksbundes Deutscher Kriegsgräbervorsorge, Bürgermeister Peter Driessen, Gemeindearchivar Johannes Stinner, die Pastöre der Gemeinde und Schüler der umliegenden Schulen werden die Freierstunde gestalten, wenn die Gräber eingesegnet und Kränze und Gestecke zum Gedenken an die Kriegsopfer niedergelegt werden. "Mit der Aufarbeitung und Restaurierung des in unserer Region fast vergessenen Ehrenfriedhofes wird ein Stück Zeitgeschichte wieder in die Öffentlichkeit gerückt, und die dort Gefallenen erhalten einen Teil ihrer Ehre zurück", sagt Peter Driessen.

870 Tote aus 17 Nationen sind hier beerdigt, die am Niederrhein in den letzten Kriegstagen starben. Die meisten sind deutsche Soldaten, die in den schweren Kämpfen zwischen Reichswald und Uedem fielen, erklärt Gemeindearchivar Johannes Stinner. Hinzu kommen die Zivilopfer aus der Bedburg-Hau, die diese Kämpfe forderten. Anfangs waren hier auch britische Gefallene bestattet, die aber 1948/49 auf den britischen Ehrenfriedhof umgebettet wurden. Neben einem Lazarett war in der LVR-Klinik auch ein Lager für "displaced persons" (DP) eingerichtet: Hier wurden Zwangsarbeiter und ehemalige KZ-Insassen versorgt.

Viele starben aber noch in der gerade gewonnenen Freiheit: Sie waren von Folter und KZ-Haft zu geschwächt. Wie zwei polnische Jüdinnen, die von Auschwitz nach Bergen-Belsen kamen, dort von den Briten befreit wurden und im DP-Lager in Bedburg-Hau starben.

Unter den Kreuzen liegen aber Soldaten der britischen Armee, die man vergessen hatte, nach dem Krieg umzubetten, sagt Stinner. Wie ein junger Pole, den seine Verwandten suchten, bis der Gemeindearchivar jetzt bei den Arbeiten auf dem Friedhof seine überwucherte Namenplatte gefunden hat. Er war bei Arnheim verwundet worden und starb im Bedburg-Hauer Lazarett. Die Toten aus dem Ersten Weltkrieg erlagen ihren Verwundungen im Lazarett der Kriegsmarine, das in der Klinik untergebracht war - diese Gräber liegen auf der anderen Seite der Kapelle.

Bei der Sanierung wurden die alten Namenstafeln, oft nur DIN A 5 groß, überwiegend verwittert und mit Pflanzen überwuchert, ersetzt, sagt Stinner. Die namenlosen Kreuze, die in kleinen Gruppen über das Gräberfeld verteilt waren, wurden neu geordnet. Jetzt sind auf jedem Kreuz zwei Namen eingeschlagen, erklärt der Archivar. Zusätzlich wurde die Info-Tafel ausgearbeitet, die am 1. September feierlich enthüllt wird.

Quelle: RP
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