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Kleve
Steinway-Artist Mogilevsky beim Klaviersommer

Kleve. Rekordwetter und Rekordbesuch: beim dritten Konzert des Klevischen Klaviersommers strömten um die 1000 Zuhörer in den Forstgarten. Sie saßen oder spazierten vorbei und genossen das Spiel des in Moskau geborenen Pianisten Vladimir Mogilevsky. Von Barbara Mühlenhoff

Für ihn war es eine wahre Herausforderung, bei dem heißen Wetter in voller "Montur" am Flügel zu sitzen, aber es war auch eine große Freude: fast auf den Tag genau vor 20 Jahren hatte er in Kleve beim 7. Klevischen Klaviersommer sein Deutschland-Debut gegeben. Mittlerweile ist Mogilevsky offizieller Steinway-Artist; er spielte natürlich ebenso engagiert und motiviert am Kawai-Flügel in der Konzertmuschel des Forstgartens.

Und dem Pianisten lag an dem Tag das flotte Tempo: Begann die "Romanze. Larghetto" aus Klavierkonzert Nr. 1 e-moll, op. 11 von Frédéric Chopin noch in weit geschwungenem Legato und poesie-voll, zog Mogilevsky zu Chopins Vier Walzern gerne bei jedem das Tempo ein bisschen an, bis die Finger über die Tasten flogen. Seine virtuosen Fähigkeiten präsentierte er auch bei Tschaikowsky/Liszts Polonaise aus der Oper "Eugen Onegin", ein Werk, das heute oft auf den großen Bühnen gegeben wird und in dem die Polonaise eine Schlüsselrolle für die Hauptperson einnimmt: wo Eugen Onegin hinkommt, kann er seiner Vergangenheit nicht entfliehen; in der Polonaise sieht er alle früheren Figuren aus seinem Leben als Geister. Nach einer kurzen Pause zur Erholung folgten Anton Rubinsteins "Romanze" Es-Dur, die berühmte" Melodie" F-Dur und die "Polka" in rasanter Volkstanz-Stimmung. Gerade die "Melodie" ging vielen nahe, dieses einfühlsame Charakterstück von schlichter, inniger Art und ausdrucksvoller Harmonisierung, das ebenso ausdrucksvoll vorgetragen wurde.

Es folgte ein Sprung zu amerikanischer Unterhaltungsmusik, die dem Pianisten Mogilevsky ungemein gut lag: George Gershwins "Three Preludes" interpretierte er ebenso schwungvoll wie die Werke zuvor in einem spannenden Aufeinandertreffen von Jazz und Klassik - eine raffinierte Symbiose aus europäischer Tradition und amerikanischer Invention. Interessant die anschließende Prelude und Nocturne für die linke Hand op. 9 des Komponisten Alexander Skrjabins, dessen Sensationscharakter des alleinigen Spiels mit der linken Hand auch auf das Klever Publikum übersprang. Ein passend fulminanter Abschluss dann mit Tschaikowsky/Pabsts Konzertparaphrase nach der Oper "Eugen Onegin" und Mogilevskys erste Zugabe: eine Uraufführung seiner eigenen Bearbeitung eines Stücks aus der Bühnenmusik "Maskerade" von Aram Chatschaturjan. Der Schlussapplaus und eine weitere Zugabe waren da freilich gut vorbereitet und Vladimir Mogilevsky hatte insgesamt einen begeisternden Klavier-Nachmittag bereitet.

Quelle: RP
 
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