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Kleve
Stil-Flexibiliät als Markenstrategie

Kleve: Stil-Flexibiliät als Markenstrategie
Auch wenn Rembrandt unter dem Bild steht, es ist eine der eindrucksvollen Zeichnungen von Flinck. Ganz im Stil seines Lehrmeisters. FOTO: Katalog
Kleve. Der Katalog zur Flinck-Ausstellung: ein Foliant, der die vielen Facetten im Werk des gebürtigen Klever Barockmalers beleuchtet. Dank Zuschüsse ein großformatiges Buch für die großformatigen Bilder von Flinck und Gersht. Von Matthias Grass

Ehre wem Ehre gebührt: Zum 400. Geburtstag bekommt Kleves Rembrandt-Schüler Flinck im Museum Kurhaus nicht nur eine bedeutende Ausstellung mit vielen Leihgaben aus aller Herren Länder, es gibt auch einen großen Katalog dazu. Der Band wurde ein mächtiges Werk, ein regelrechtes kleines Buch-"Monster", das mit seinen Folianten-Maßen von 33 mal 24 Zentimetern so manche Regalabstände sprengt. Aber es ist ein schönes Monster mit 236 Seiten, fast 90 großen Farbabbildungen und 140 Schwarz-Weiß-Bildern und ausführlichen Beiträgen. Die beleuchten alle Facetten in Leben und Werk des Barockmalers aus Kleves, der Schüler Rembrandts war und zu Lebzeiten seinem Lehrmeister so manchen Auftrag nahm, den seine Bilder reich machten. Bilder, die, wie auch die Fotos von Ori Gersht, der im zweiten Teil des Katalogs vorgestellt wird, das große Format verlangen.

Auch wenn es viele Fragezeichen im Leben des Malers gibt - dass der Maler gebürtiger Klever war, steht fest, schreibt Tom van der Molen, der die Ausstellung zusammen mit Valentina Vlasic kuratierte. Sein Vater Thonis Flinck war Rentmeister und bekleidete weitere städtische Ämter. Seine Familie wohnte wohl am Fischmarkt, wie van der Molen schreibt. Es war eine Familie mit einem weit verzweigten Netzwerk von Köln nach Kleve bis Nimwegen und Amsterdam. Govert Flinck war ein Kind der "wohlhabenden Mittelklasse", sagt der niederländische Kunsthistoriker. Und konnte so mit seinen Auftraggebern besser umgehen, als mancher Konkurrent wie sein Lehrmeister Rembrandt, der aus einfachen Verhältnissen kam.

Aber wer waren die Herren, die wie Moritz von Nassau-Siegen und der große Kurfürst ihm die Aufträge für die Bilder gaben? Das untersucht Erna E. Kok von der Universität Amsterdam. Es sind jene Freunde wie Moritz von Nassau oder die Bürgermeister von Amsterdam, die ihn mit Aufträgen versorgen, die bei ihm ein und ausgehen. Es sind die Verwandten und nicht zuletzt eigene Glaubensgenossen oder Geschäftspartner seiner weit verzweigten Familie und Freunde.

Teil des Erfolgs macht aber auch die Anpassungsfähigkeit Flincks aus. Kok nennt das "Stil-Flexibiliät als Markenstrategie": Flinck war stilistisch sehr anpassungsfähig, um den Geschmack verschiedener Käufer und Auftraggeber des Marktes zu erfüllen, schreibt die Kunsthistorikerin.

Die Texte sind mit diversen Abbildungen illustriert. Die ergänzen die Bilder der Ausstellung, die auf Hochglanzpapier in einem separaten Bildteil gelistet und schließlich im unmittelbar folgenden Textteil beschrieben sind. Der Druck ist prima, B.o.s.s. in Goch hat gute Arbeit geliefert. Das sieht man vor allem bei den Fotos von Ori Gersht, dessen Ansatz Kleves Museumsdirektor Harald Kunde vorstellt.

"Einen solchen Katalog konnten wir nur herausgeben, weil wir die entsprechenden Mittel zur Verfügung hatten", sagt Kunde. Vor allem die Ernst-von-Siemens-Stiftung unterstützte das Werk, das zweisprachig englisch-deutsch erschienen ist. Ein Werk, das bei den Besuchern ankommt, sagt Kunde. Sprich: Der Katalog verkauft sich gut. "Wer ihn Weihnachten verschenken will, sollte sich beeilen", sagt Kunde.

Quelle: RP
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