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Kleve
Stolpersteine werden in Kleve verlegt

Kleve: Stolpersteine werden in Kleve verlegt
Stolpersteine von Gunter Demnig liegen auch in der Gocher Innenstadt.. FOTO: Klaus Dieter Stade
Kleve. Am Dienstag, 22. November, werden die ersten 17 Steine verlegt. Sie erinnern vor Wohnhäusern an die jüdischen Mitbürger in Kleve, die von den Nazi verfolgt oder ermordet wurden. Große Veranstaltung auf dem Koekkoek-Platz. Von Matthias Grass

Es geht um Hedwig und Wilhelm Müller, die an der Kavarinerstraße wohnten, fliehen mussten und wieder zurück in Kleve ihren Lebensabend in Armut verbrachten, es geht um Helene Gonsenheimer und ihren Mann Bernd, die an der Kavarinerstraße wohnten und 1941 zunächst nach Theresienstadt deportiert und schließlich 1942 im Vernichtungslager Treblinka umgebracht wurden, es geht um Erna Franken und ihren Mann Aron, um Ellen Fargate und Horst Franken, die ein Stück weiter runter auf der Tiergartenstraße lebten. An diese Menschen, die Teil der Klever Bürgerschaft waren und allein wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt wurden, sollen künftig Steine im Boden erinnern. Stolpersteine.

Die ersten 17 Steine werden am Dienstag, 22. November, vor den Häusern Kavarinerstraße 31 und 42 sowie Tiergartenstraße 14 und 24 verlegt. In den Häusern lebten bis zur Nazi-Diktatur 17 jüdische Mitbürger. Am Dienstag wird der Kölner Künstler Gunter Demnig die neun mal neun Zentimeter großen Wackersteine in das Trottoir vor den Häusern verlegen. Auf dem Kopf der Steine sitzt eine Messingplatte, in die die Namen und Daten der verfolgten und ermordeteten Klever Bürger eingraviert sind. Ein Stein für jede Person.

"Wir wollen daran erinnern, dass diese Menschen mitten aus dem Leben gerissen wurden", sagt Helga Ullrich-Scheyda vom Klever Heimatverein, die die Geschichte der jüdischen Bürger Kleves aufgearbeitet hat. 150 Menschen jüdischen Glaubens lebten 1933 in Kleve. Jeder der Bürger, dessen Geschichte und Daten Ullrich-Scheyda belegen kann, soll einen Stein erhalten, dort, wo er vor der Verfolgung zuletzt gelebt hat. "Wir wollen damit Erinnerungsarbeit leisten", sagt Ron Manheim vom Verein Beth Mifgash.

Der Verein Beth Mifgash hat unter Federführung von Helga Ullrich-Scheyda und Amtsdirektor a.D. Edmund Verbeet die Idee, Stolpersteine endlich auch in Kleve zu verlegen, bis vor den Rat gebracht - der das einstimmig verabschiedete. "Wir werden nicht ruhen, bis alle belegten Namen einen Stein in Kleve bekommen haben", sagt Verbeet. Verbeet betonte, dass er keine bessere Idee kenne, um an das Schicksal der Verfolgten zu erinnern.

Paten können die Steine übernehmen. Ein Stein kostet 120 Euro, die ein oder mehrere Paten finanzieren können. Es gibt auch Paten, so Manheim, die die Pflege der Steine übernehmen. Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing wird aus den Mitteln für ihr Amt drei Steine als Patin übernehmen. Die Stadt zahlt die Kosten für die Verlegung der Steine. "Wir haben auch die Eigentümer der Häuser informiert", sagt Northing. Mit im Boot sind auch die Klever Schulen. Den Auftakt machen die Karl-Kister-Realschule und das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Die Schüler seien entsetzt, wie es passieren konnte, dass Menschen, die jeder kennt, plötzlich deportiert, ermordet, verfehmt werden, dass Menschen flüchten müssen, sagen Kristiane Hegemann (Karl-Kisters-realschule) und Nils Looschelders (Stein-Gymnasium). Ihre Schüler werden mit Beiträgen die Verlegung der Steine begleiten.

"Die Verlegung ist öffentlich", sagt Verbeet. Um Gäste und Verkehr aber nicht zu gefährden, wolle man eine Bühne auf dem Koekkoek-Platz aufbauen, wo um 14.45 Uhr Bürgermeisterin Sonja Northing in einem Interview über die Stolpersteine spricht, es gibt jüdische Lieder mit Kalina Asare. Danach zieht Demnig mit den Schülern, ihren Lehrern und Nachfahren an die Orte, wo die Steine verlegt werden.

Die Verlegung und die Vorträge der Schüler werden auf Großleinwand live auf der Bühne am Koekkoek-Platz übertragen - damit alle Bürger daran teilhaben können, erklärte Verbeet. Die Erstverlegung wird etwa zwei Stunden dauern und in ein kurzes Programm mit Texten und Musik eingebunden sein. Um 18 Uhr wird der Künstler im Museum Haus Koekoek zu seiner Idee "Stolpersteine und Wege" sprechen.

Info: www.mifgash.de

Quelle: RP
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