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Kranenburg-Nütterden
Syrische Familie findet eine neue Heimat

Kranenburg-Nütterden: Syrische Familie findet eine neue Heimat
Die Familie Hamo aus Syrien freut sich sehr, dass sie nun in Kranenburg-Nütterden von vielen Nachbarn unterstützt wird. FOTO: Gottfried Evers
Kranenburg-Nütterden. Eine siebenköpfige Familie aus dem Bürgerkriegsland ist nach einer Odyssee durch Europa in Nütterden angekommen. Das Weihnachtsfest ist den Moslems durch christliche Nachbarn in der Syrien bekannt. Sie selbst feiern Silvester groß. Von Werner Stalder

"Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: 'Steh auf, nimm das Kind und die Mutter, und flieh nach Ägypten.' Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter", so steht es im Matthäus-Evangelium.

Als das Haus der Familie Hamo in Aleppo in Syrien durch Bomben zerstört wurde, floh sie zunächst in den Irak und von dort in die Türkei. Bei stürmischer See und in einem defekten Schlauchboot, in das das Wasser lief, gelangte die siebenköpfige Familie gemeinsam mit 65 Personen, darunter 20 Kindern, zu einer kleinen griechischen Insel. Dort verbrachte sie zwei Tage mit 400 anderen Flüchtlingen. Weiter ging es mit einem größeren Boot bis Athen, von dort über Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien bis Österreich. Große Strecken waren dabei zu Fuß zu laufen.

Die Odyssee endete in Bayern. Über Hannover, Unna und Kerken fanden sie eine neue Heimat in Nütterden. Zakaria Hamo (36) und seine Frau Haliema (30) haben fünf Kinder: Abdelbadiea (13), Zaki (10), Ramazahn (8), Adbelhaliem (4) und Zievien (vier Monate). Mit zwei Cousinen, Najrouz (48) und Sherin Sheiko (32) sowie einer weiteren Frau aus Syrien bewohnen die zehn Personen die untere Etage eines Einfamilienhauses in Nütterden.

Das Geheimnis der Menschwerdung Christi kennen die Moslems nicht, jedoch ist ihnen durch die Christen in Syrien das Weihnachtsfest nicht unbekannt. "Es gab bei uns nie Konflikte zwischen Moslems und Christen", sagt Zakaria Hamo. "Mein Nachbar ist Christ, wir telefonieren miteinander, wir sind wie eine Familie, auch in den Traditionen." Statt Weihnachten feiern die Hamos Silvester groß gefeiert - mit Tanz, Gesang und Festessen. Auch das Nouruzfest am 21. März wird mit Feuerwerk, Theater, Oper, Musical, Tanz, Grillen und Kochen festlich begangen.

Der 13-jährige Abdelbadiea besucht eine Schule in Kleve, während seine zwei jüngeren Brüder stolz den Stundenplan der Grundschule Nütterden zeigen. Die Hilfsbereitschaft einiger Familien aus der Nachbarschaft ist riesengroß. Überschwänglich und aus dem tiefsten Herzen zeigt sich die Großfamilie dankbar. "Eine Nachbarin steht Tag und Nacht bereit, wenn unser Baby, das Asthma hat, zum Arzt muss", sagt die Mutter Haliema.

Auch bieten die Nachbarn die Fahrt nach Kleve zum Einkauf landesüblicher Lebensmittel an. Die Liste der Gaben der Nachbarn geht von Möbeln über Kaffeeservice, Spielzeug, Bettwäsche, Babysachen, Hygieneartikel, Rädchen, Bobbycar und Nahrungsmitteln mit arabischer Verpackungsbeschriftung bis zu einem deutsch-arabischen Wörterbuch. "Ich freue mich, wenn ich die Kinder sehe, wie sie draußen mit unseren Bällen und dem Federball spielen", sagt eine Nachbarin. Das größte Problem ist die Sprachbarriere. "Das geht nur mit Händen und Füßen", meint ein Nachbar. Aber die Familie aus Syrien ist dennoch glücklich.

Vor über 2000 Jahren floh die heilige Familie nach Ägypten. Weihnachten 2015 ist eine syrische Großfamilie mit einem Baby in Kranenburg-Nütterden angekommen, weil sie vor dem Krieg in Syrien fliehen musste. "Zufluchtsuchende sind Menschen", sagt Bundespräsident Joachim Gauck. "Wir haben den Hafen unserer Hoffnung erreicht", formulieren die Eltern der fünf Kinder in Arabisch ihre Gefühle.

Quelle: RP
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