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Kleve
Syrische Kriegsflüchtlinge im Pfarrhaus

Kleve. Sechsköpfige Familie lebt jetzt über der Klosterpforte in der Klever Unterstadt. Die oberen beiden Etagen in der Kavarinerstraße sind für 35.000 Euro Kosten mit einem großen Zuschuss des Bistums Münster umgebaut worden. Von Christian Breuer

Mit dem Boot ist sie von der Türkei nach Griechenland gekommen, hat die gefährliche Fahrt überstanden, schließlich ist sie in Kleve gelandet: Die Familie von Muhammed Schechmus stammt aus Syrien - nun leben die sechs Kriegsflüchtlinge im umgebauten alten Pfarrhaus der Klever Unterstadtkirche. Großmutter, Vater und Mutter so wie drei kleine Kinder teilen sich die Räume im Obergeschoss.

Propst Johannes Mecking freut sich, dass die Familie diese Wohnung in der Schwanenstadt bekommen hat. "Schon zu Beginn der Flüchtlingskrise haben wir uns vorgenommen, in unserer Pfarrei Flüchtlingen eine Wohnung zur Verfügung zu stellen", sagt er. Das alte Pfarrhaus sei durch Pfarrer Fritz Leinung schon früh sozial geprägt worden, erläutert Mecking und weist auf die ,Klosterpforte' hin: "Hier gibt es schon sehr viel Engagement für Menschen, die in Not geraten sind." Als dann das Bistum Münster noch finanzielle Unterstützung in Aussicht stellte, stand dem Umbau der oberen beiden Etagen nichts mehr im Weg. "29.500 Euro haben wir vom Bistum bekommen und rund 5.000 Euro aus Mitteln der Kirchengemeinde finanziert", sagt Mecking. So sind Schlafzimmer entstanden, ein Bad wurde eingerichtet und auch ein Waschraum steht zur Verfügung.

Muhammed Schechmus, 29 Jahre alt, nickt, nachdem er die Übersetzung gehört hat. "Alles ist gut" sagt er, dafür braucht er den Übersetzer schon nicht mehr, der sonst einspringt, wenn die Mischung aus ersten Deutschkenntnissen, Englisch und Gesten nicht mehr zur Verständigung reicht. Und noch ein Wort kennt der Familienvater schon: "Fliesenleger" - das ist der Beruf, mit der er acht Jahre lang den Unterhalt seiner Familie in Syrien gesichert hat. Sie vermissen ihre Heimat, versuchen, mit Telefon und Internet Kontakt zum Rest der Familie zu halten. "Es geht ihnen nicht gut, es ist schwer, dort zu überleben, überall ist der Tod", sagt er auf kurdisch, und schon vor der Übersetzung merkt man seinem Tonfall an, wie schwer es ihm fällt, über seine Heimat und das, was er dort erlebt hat, zu berichten.

Dass es eine muslimische Familie ist, die nun im alten Pfarrhaus der katholischen Kirche lebt, spielt für Mecking keine Rolle: "Danach haben wir nicht geguckt. Und war es wichtig, einer Familie Zuflucht geben zu können." Ebenso wichtig findet Mecking, dass die Familie schnell die Möglichkeit hat, sich zu integrieren und mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. "Daher haben wir uns für das alte Pfarrhaus in der Kavarinerstraße entschieden, mitten im Zentrum von Kleve", erklärt er. Schechmus lächelt: "Die Menschen hier sind sehr nett."

Eine gute Nachricht hat Agnes van Aarssen für die Familie mitgebracht, sie kümmert sich um die Syrer: Der älteste Sohn kann bald in Deutschland zur Schule gehen, für die beiden jüngeren Kinder ist ein Platz im Kindergarten genehmigt worden. Das gehört ebenso zur Integration wie die Bemühungen von Muhammed Schechmus, noch besser die deutsche Sprache zu lernen, um sich auch ohne Dolmetscher verständigen zu können.

Bis zur Entscheidung, ob der Asylantrag genehmigt wird, kann noch eine lange Zeit vergehen, die genaue Dauer kann derzeit niemand absehen.

Propst Mecking beruhigt: "Sie brauchen keine Sorge zu haben, dass Sie hier schnell wieder ausziehen müssen, hier können Sie erst mal wohnen bleiben."

(pbm)
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