| 12.52 Uhr

Kleve
Tabakhändler suchte Räuber per Facebook-Video

Kleve. Ein Jugendlicher will bei Tabakwaren Heeks am Bahnhof einen Energy-Drink stehlen, bei seiner Flucht verletzt er die Inhaberin schwer. Das Video der Überwachungskamera wurde hundertfach in sozialen Netzwerken geteilt. Von Ludwig Krause

Der Diebstahl einer Dose Energy-Drink läuft komplett aus dem Ruder - und die Überwachungskamera zeichnet alles auf. So geschehen am vergangenen Donnerstag bei Tabakwaren Heeks am Klever Bahnhof. Ein Jugendlicher will dort gegen 17 Uhr das Getränk aus dem Laden schmuggeln und wird dabei von der Inhaberin bemerkt. Die ruft die Polizei, spricht den Täter an und stellt sich in die Tür, bis die Einsatzkräfte eintreffen. Dann geht alles blitzschnell: Die Tür wird von außen aufgehalten, der Junge - sein Alter wird auf zwischen 14 und 16 Jahre geschätzt - rennt los und schubst die Verkäuferin auf dem Weg um. "Meine Ehefrau ist gestürzt, hat sich den Hinterkopf angeschlagen und eine zehn Zentimeter lange Fleischwunde am Arm davongetragen", sagt Christian Heeks. Ihr gehe es den Umständen entsprechend gut. "Das hätte aber auch ganz anders ausgehen können", sagt Heeks. "Ein Kunde ist noch hinterhergerannt, hat den Täter dann aber am Kreisverkehr aus den Augen verloren", sagt Heeks. Und das alles für eine Beute im Wert von ein paar Euro. Das Besondere an dem Fall: Die Überwachungskamera hat einigermaßen deutliche Bilder des Täters und seiner zwei mutmaßlichen Komplizen aufgezeichnet - einer von ihnen soll von außen die Tür aufgehalten haben.

"Wir haben das Material der Polizei zur Verfügung gestellt", sagt Heeks. Als ihm bei der Rückgabe dann aber bedeutet wurde, dass es erst einmal dauern könne, bis eine öffentliche Fahndung eingeleitet werde, stellt Heeks das Video samt daraus entnommenen Standbildern bei Facebook ein. "In Absprache mit der Polizei", wie er sagt. So bittet Heeks auch darum, auf Kommentare zu verzichten und sich stattdessen mit Hinweisen an den Laden oder die Ermittler zu wenden.

Dort sieht man den Fahndungsaufruf mit gemischten Gefühlen. "Es ist immer eine Abwägung zwischen dem Interesse des Geschädigten und den Persönlichkeitsrechten des mutmaßlichen Täters", sagt eine Sprecherin. Für die Polizei gelten strenge Regeln bei der Veröffentlichung von Fahndungsaufnahmen: Dafür wird unter anderem der Beschluss eines Richters vorausgesetzt. Die Bilder müssen außerdem sofort aus dem Netz genommen werden, falls der Täter gefasst ist. Im konkreten Fall habe der Sachbearbeiter von der Idee des Aufrufs gewusst, bestätigt die Sprecherin. Er habe den Geschädigten darauf hingewiesen, dass es ihm offen stehe, dies zu tun und die Verantwortung bei ihm liege. Dann habe er "Formulierungshilfe" gegeben.

Dass die Resonanz derart groß ausfällt, damit habe er nicht gerechnet, sagt Christian Heeks. Mehr als 21.000 Mal ist das Video aufgerufen worden, knapp 500 Mal wurde es geteilt. "Wir haben schon sehr gute Hinweise bekommen", sagt er. Am Montagnachmittag nahm er es dann auch vom Netz. Die Polizei ermittelt.

Quelle: RP
 
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