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Kleve
Tankstellen-Räuber auf der Flucht gefasst

Kleve. Tageszeitungsbotin gibt der Polizei entscheidenden Hinweis. Täter hatten zuvor laut Angaben des Pächters Tabakwaren im Wert von etwa 15.000 Euro aus der Tankstelle an der Tiergartenstraße geraubt. Zweiter Einbruch in nur vier Tagen. Von Dieter Dormann

Menschen, die Tageszeitungen austragen, sind Frühaufsteher und schon auf den Straßen unterwegs, wenn andere noch schlafen - oder Verbrechen begehen.

Gabriele Kleinmann (49) ist Zeitungsbotin, hat einen Zustellungsbezirk, zu dem auch die Tiergartenstraße in der Klever Unterstadt gehört, und ist bereits morgens um kurz nach 3 Uhr hellwach. Und eben dies ist einem 23 Jahre alten Mann aus dem Kosovo sowie einem 32-jährigen Serben zum Verhängnis geworden, die gestern gegen 3.15 Uhr in die Tankstelle an der Tiergartenstraße eingebrochen sind und daraus nach Angaben des Pächters Tabakwaren im Wert von etwa 15.000 Euro geraubt haben. Die Zeitungsbotin sah die Männer mit vier Plastiksäcken voller Beute zu Fuß von der Tankstelle fliehen und reagierte richtig: Die 49-Jährige merkte sich das Aussehen des Duos, rief unverzüglich über den Notruf die Polizei an und gab den Beamten- nach deren Einschätzung - eine "sehr genaue" Beschreibung der beiden Flüchtenden.

Die Fahnder handelten auch schnell. Etwa zehn Minuten nach dem Anruf der Zeitungsbotin sahen Beamte eines Streifenwagens, wie ein Mann sich an der Gruft ins Gebüsch schlug. Die Polizisten hielten an, stiegen aus, verfolgten den Verdächtigen und nahmen ihn fest. Der Mann leistete keinen Widerstand.

Andere Ermittler beobachteten wenig später, wie ein weiterer Verdächtiger auf der Herderstraße in einen dort geparkten VW Golf steigen wollte. Das Aussehen des Mannes passte zur Beschreibung, die die Zeitungsbotin den Beamten geliefert hatte. Seine Festnahme verlief ebenfalls widerstandslos. Ob die Staatsanwaltschaft für die Gefassten einen haftbefehl beantragt, entscheidet die Behörde heute.

Zur gleichen Zeit sicherten an der Tankstelle schon Kriminalpolizisten die Spuren des Einbruchs. Die Täter hatten die Eingangstür aufgehebelt, waren so in den Verkaufsraum eingedrungen und hatten gezielt und schnell dort Tabakwaren in mitgebrachte Plastiksäcke gestopft.

Trotz des nächtlichen Einbruchs und seiner Folgen öffneten die beiden Pächter Christian Brausch (64) und Martin Kandula (40) bereits um 6 Uhr wieder ihre Tankstelle. Auch die Spurensicherung war noch am Mittag an der Tiergartenstraße tätig, während Handwerker bereits neue Schlösser an der aufgehebelten Eingangstür anbrachten. Kunden der Tankstelle reagierten laut Christian Brausch entsetzt auf die Nachricht von dem den Überfall - zumal Einbrecher erst am vergangenen Montag Zigaretten im Wert von 30.000 Euro aus der Tankstelle gestohlen hatten. Die beiden Pächter waren nach dem erneuten Einbruch ebenfalls schockiert. Auch wenn sie noch gar nicht richtig zum Nachdenken gekommen seien, würden sie doch überlegen, wie sie sich künftig vor Einbrüchen besser schützen könnten, sagte Christian Brausch. Sicher würden sie zusammen mit Experten von der Versicherung überlegen, wie sie den Einbruchsschutz technisch verbessern könnten. Seit 13 Jahren haben Christian Brausch und Martin Kandula die Tankstelle an der Tiergartenstraße gepachtet. Zweimal sind sie dort überfallen worden. "Das liegt aber Jahre zurück", meinte der 64-Jährige. Zu Einbrüchen kam es erstmals in dieser Woche. "Das steckt man nicht so einfach weg", sagte Christian Brausch.

Um so dankbarer sind die Tankstellen-Pächter der Zeitungsbotin Gabriele Kleinmann, die der Polizei den entscheidenden Hinweis gegeben hat. "Ohne die wäre das sicher nicht so gelaufen", sagte Christian Brausch. Die 49-Jährige war auch tagsüber gestern noch mal am "Tatort". Die Pächter versprachen ihr eine Belohnung - "auch wenn sie die nicht haben will", sagte Brausch.

Für Gabriele Kleinmann geht das Leben heute ganz normal weiter. Sie beginnt ihre Zeitungszustelltour um etwa 1 Uhr in der Klever Oberstadt, ab 3 Uhr ist sie dann in der Unterstadt rund um die Tiergartenstraße unterwegs. Die 49-Jährige, die den Job schon seit 1997 macht, hat gestern erstmals einen Einbruch "live" miterlebt. Doch sie sagt auch: "Langweilig wird mir nie."

Quelle: RP
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