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Kranenburg-Wyler
Theater zum Grenzfall Haus Wylerberg

Kranenburg-Wyler. Gesamtkunstwerk zum Thema Grenze im Huis Wylerberg Von Antje Thimm

Das Haus Wylerberg liegt auf einem Hügel mitten im Wald nahe der niederländischen Gemeinde Beek und sieben Kilometer von Kranenburg entfernt genau mitten auf der Grenze zwischen Niederlande und Deutschland. Wenn man Spaziergänger nach dem Weg fragt, wissen nur wenige, wo genau. Viele kennen es gar nicht.

Denn Huis Wylerberg ist ein Grenzfall - und so lautet auch der Titel des grenzüberschreitenden Gesamtkunstwerks, das die Geschichte dieses Hauses und seiner Bewohner erzählt: Dazu führt ein Dudelsackspieler die Gäste den letzten kurzen Anstieg bis zum Haus. Dort warten schon drei Bewohner des Hauses, nicht aber die heutigen, sondern die der Vergangenheit, besser gesagt deren Engel. Ein Chor empfängt mit leisem Summen, ein unsichtbarer Vorhang geht auf, und das Publikum geht auf eine Zeitreise in die Vergangenheit des Gebäudes, das bis zum Ende des zweiten Weltkrieges auf deutschem Boden, nach der Annektierung bis heute auf niederländischem Staatsgebiet steht. Erzählt wird die wechselhafte Geschichte vom Haus Wylerberg und seiner Bewohner mithilfe Theater, Film und Musik. Es wird in beiden Sprachen vorgetragen, Niederländisch und Deutsch, zuerst im Wechsel, zum Ende hin ganz verschmolzen, so dass ein Satz beide Sprachen enthält, als wären sie Eins - eine sprachlich verständliche und gelungene Interpretation des Themas Grenze.

"Kommt in das Haus zwischen Leben und Tod, Angst und Toleranz", singt der Troubador, gespielt von Jan-Willem van Opstal, der die Gäste in das Haus führt und sie während der gesamten Vorstellung wie ein Moderator begleiten wird. Zentrale Gestalt ist Marie Schuster, dargestellt von Linda Willems, die das Landgut 1906 erbt und dort in den Jahren 1921 bis 24 ein Haus im expressionistischen Stil bauen lässt. Architekt ist Otto Bartning, gespielt von Michael Schlaeger. Marie Schuster wollte ein Haus, in dem viele Menschen zusammen leben und arbeiten können, sich gegenseitig inspirieren, künstlerisch tätig sind, musizieren - die moderne Vision einer Lebensgemeinschaft Gleichgesinnter. Sie sammelt expressionistische Gemälde, die sie aber immer schnell abhängt, wenn faschistisch eingestellte Gäste kommen. Fühlt sie sich sicher, lacht sie über Hitler-Witze. So führt sie zu Zeiten des zweiten Weltkriegs ein gefährliches Leben.

Im Herzstück des Hauses, im Musiksaal, treffen sich die Mitglieder der Wohngemeinschaft, um zusammen Stücke von Arnold Schönberg oder Hermann Heiss zu spielen. Texte von Kafka und Gottfried Benn werden gelesen und diskutiert. Die Zuschauer des Gesamtkunstwerkes sitzen in diesem zentralen Raum auf kleinen runden Hockern ohne Lehne, damit sie sich drehen können, denn es gibt keine Bühne, die Akteure spielen um die Zuschauer herum und tragen die vergangene Zeit in die Zuschauer hinein. Diese haben direkten Anteil am Leben von Damals, erleben die Konflikte zwischen Marie und ihrer Tochter Alice, dargestellt von Marion Makkinje, die ein Liebesbeziehung zu Else C., genannt C-chen, hat. Die Vorführung ist aufgeteilt in szenisches Spiel der Schauspieler, Dokumentation durch Fotos und Kurzfilme oder Vortrag in Form von Referaten und Musik und Tanz genutzt. (Klavier: Christa Kneppeck, Gesang: Sarah Konig, Chor).

Zwei Jahre hat das Team um Linda Willems und Christa Kneppeck am Gesamtkunstwerk gearbeitet. Das deutsch-niederländische Projekt wurde unterstützt durch Interreg Deutschland/Nederland, den Prins Bernhard Culuurfonds, Euregio Rhein-Waal und das Ministerium Familie, Jugend Kultur des Landes NRW.

Quelle: RP
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