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Kleve
Tiergartenwald-Buchen nach China

Kleve. Die Fällarbeiten sind beendet. Eichen wird ein Tischler aus Kranenburg verarbeiten. Nach Abfuhr des Holzes sollen Wege aufgearbeitet werden. Von Matthias Grass

Die Fällarbeiten im Klever Tiergartenwald sind abgeschlossen, die Stämme werden jetzt abtransportiert. Den weitesten Weg haben die Buchen vor sich: das wertvolle Holz der bis zu 160 Jahre alten Stämme aus dem Klever Tiergartenwald wird nach China verschifft, dort zu Möbelteilen verarbeitet, die wiederum in Europa zu Stühlen oder Tischen werden. Per Container der dänischen Großreederei Maersk geht's auf die Reise. Die dicken Eichenstämme dagegen bleiben im Lande: die verarbeitet eine Kranenburger Tischlerei, sagt Joachim Böhmer, der für den Tiergartenwald verantwortliche Förster. Splitter- und Restholz hingegen gehe in die Direktvermarktung - es wird als Kaminholz aufgearbeitet. Auch das Nadelholz wurde an inländische Firmen verkauft.

Wenn die gefällten Stämme abtransportiert sind, werde man auch die Wege wieder aufarbeiten, verspricht Böhmer. Was mit Blick auf die tiefen Furchen auf dem Weg durch die Adolfsschlucht auch vonnöten ist. Dann ruht die Säge im Wald, bis im Herbst die nächsten Maßnahmen beginnen.

"Wir betreiben im Reichswald Forstwirtschaft", sagt Böhmer. Das bedeute, dass man Bäume fälle und sie auf dem Markt verkaufe. Dies betreibe der Forst landesweit nachhaltig: junge Buchen, die unter dem Altbestand gewachsen sind, werden gepflegt, zum Teil werden neue junge Bäume gesetzt. Als Forstwirt mit dem Gedanken daran, dass diese dann in 150 bis 160 Jahren wieder gefällt und zu Möbeln oder Parkett verarbeitet werden. Im Gegensatz zum Privatgarten darf auf forstwirtschaftlichen Flächen ganzjährig geschlagen werden, sagt der Förster. Im Reichswald verfolge man das Konzept, einen Teil des Altbestandes stehen und sich selbst zu überlassen, soweit die "Wegesicherungspflicht" das zulässt. Zudem werde vor jeder Maßnahme im Wald geprüft, dass von den Fällarbeiten keine ökologisch wertvollen Zellen betroffen sind, sagt Böhmer. So werden Bäume im Umfeld beispielsweise von Greifvögelhorsten gekennzeichnet - sie müssen stehen bleiben, um die Greife nicht zu gefährden. Auch lasse man vom Sturm geknickte oder abgestorbene Bäume stehen. Der Tiergartenwald werde dadurch rauer, aber das gehöre zum Konzept, so der Forstbeamte.

Grundsätzlich sei ein Förster im Recht, wenn er Fällmaßnahmen umsetzt, sagt Dietrich Cerff, stellvertretender Geschäftsführer der NABU-Naturschutzstation Niederrhein. In einem Wirtschaftswald, der eben keine Wildnis sei, müssten auch Bäume gefällt werden dürfen.

Quelle: RP
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