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Kleve
Tod im Starnberger See

Kleve: Tod im Starnberger See
Dr. Bernhard von Gudden wurde auf dem Münchner Ostfriedhof beigesetzt. FOTO: Helmut Vehreschild
Kleve. Der Klever Psychiater Dr. Bernhard von Gudden starb unter bis heute ungeklärten Umständen zu Pfingsten vor 125 Jahren gemeinsam mit König Ludwig II. Die beiden Leichen trieben am 13. Juni 1886 im Wasser vor Schloss Berg. Von Helmut Vehreschild

Kleve/Starnberg Ein Kriminalfall, der bis heute ungelöst ist und seit Generationen viele Menschen in seinen Bann zieht, jährt sich am Pfingstmontag zum 125. Mal. Am 13. Juni 1886 fand König Ludwig II. von Bayern den Tod im Starnberger See. Was weniger bekannt sein dürfte: Der Psychiater Dr. Bernhard von Gudden, dessen Leben an der Seite des Märchenkönigs tragisch endete, war ein gebürtiger Klever.

Johann Aloysius Bernhard Gudden kam am 7. Juni 1824 als dritter Sohn des Apothekers und Bierbrauers Johannes Gudden und Bernhardine geb. Fritzen zur Welt. Aufgewachsen ist er an der Tiergartenstraße. Nach Studien in Bonn, Halle und Berlin und Staatsexamen war Gudden Assistenzarzt in Siegburg, wo er seine spätere Frau Clarissa Voigt kennenlernte.

Von 1851 bis 1855 arbeitete er als Assistenzarzt in Illenau, dann wurde ihm die Leitung der unterfränkischen Landesirrenanstalt Werneck übertragen. 1869 wurde er Professor an der psychiatrischen Klinik der Züricher Universität und Direktor der Kantons-Irrenanstalt Burghölzli. 1872 ging Gudden, der 1875 in den Adelsstand erhoben wurde, als Direktor der Kreisirrenanstalt des Bezirks Oberbayern und Professor der Psychiatrie nach München.

Die Ironie

Ironie des Schicksals: Ausgerechnet König Ludwig II., der von Gudden nach München geholt hatte, sollte Jahre später der letzte Patient des bedeutenden Psychiaters werden. Der Märchenkönig hatte sich durch seine Prunkbauten, die Millionen verschlangen, schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. Ludwigs Bauwut war der bayerischen Regierung ein Dorn im Auge, sie betrieb seine Entmündigung. Und hier kam nun Dr. von Gudden ins Spiel.

Nur anhand von Aktenmaterial, ohne Ludwig II. jemals begegnet zu sein, arbeitete von Gudden ein 24 Seiten starkes Gutachten aus und kam zum Schluss: "Seine Majestät sind in sehr weit fortgeschrittenem Grade seelengestört und zwar leiden Allerhöchstdieselben an jener Form von Geisteskrankheit, die mit dem Namen Paranoia (Verrücktheit) bezeichnet wird." Am 8. Juni 1886 legte von Gudden sein mit heißer Nadel gestricktes Gutachten seinen Kollegen Hofrat von Hagen, Direktor Dr. Hubrich und Guddens Schwiegersohn Dr. Grashey vor, die den Befund abzeichneten – die Entmündigung des Königs, die von Gudden persönlich überbrachte, war besiegelt.

Gerade 172 Tage hatte Ludwig II. auf Schloss Neuschwanstein residiert, als er am 12. Juni 1886 um vier Uhr morgens mit einer Kutsche nach Schloss Berg am Starnberger See gebracht wurde.

Zum letzten Mal lebend gesehen wurden König Ludwig II. und Bernhard von Gudden am 13. Juni 1886, als sie gegen 18.30 Uhr zu einem Abendspaziergang am Seeufer ohne Pfleger aufbrachen. Was dann geschah, ist bis heute reine Spekulation. Wollte sich Ludwig II. umbringen und von Gudden ihn daran hindern? Kam es zum Handgemenge mit dem Monarchen, wobei der Psychiater den Tod fand und sich der Märchenkönig anschließend in die Fluten stürzte? Oder war es eine politische Intrige, der beide zum Opfer fielen? Stunden später wurden ihre Leichen aus dem Starnberger See geborgen.

(RP/rl)
 
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