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Kleve
Tore bleiben zu - Traktor statt Schleuse

Kleve: Tore bleiben zu - Traktor statt Schleuse
Zwei Traktoren zogen die Anhänger, auf denen die "Exodus" und "Ninive" über Landstraßen - auf dem Bild ist im Hintergrund die Pfarrkirche von Rindern zu erkennen - nach Emmerich am Rhein transportiert wurden. FOTO: Markus van Offern
Kleve. Das Wasserschifffahrtsamt wird die Schleusentore nicht mehr öffnen. Boote wie die "Exodus" der evangelischen Jugend müssen aufwendig abtransportiert werden. Kommende Woche Gespräche in Berlin. Internet-Petition gestartet. Von Ludwig Krause

Langsam setzen sich die "Exodus" und "Ninive" in Bewegung. Die beiden Segelschiffe sind der ganze Stolz der evangelischen Jugend und des Christliche Vereins Junger Menschen, brechen normalerweise zu Törns durch Flüsse, Kanäle oder über das Ijsselmeer auf. Normalerweise. Gestern zog ein Kran die beiden Boote aus dem Wasser und verfrachtete sie auf bereit stehende Tieflader.

"Die Schleuse bleibt geschlossen. Wir haben schon befürchtet, dass unsere Osterfahrt ausfallen muss", sagt Dieter Rapp von der evangelischen Jugend Kleve. Die Ehrenamtler und betroffenen Jugendlichen wollten aber nicht aufgeben: Ein Vater stellte einen schweren Traktor, die Firma Zadelhoff eine weitere Zugmaschine, Siebers zwei Sattelauflieger. Jetzt findet der Törn statt. "Ohne diese Hilfe wäre das aber nicht möglich gewesen", sagt Rapp. Über den Landweg ging es nach Emmerich - mitsamt Sondergenehmigung und Polizeibegleitung.

Auch Stadtsprecher Jörg Boltersdorf bestätigt, dass es keinen weiteren Schleusung geben wird. "Wir haben alles probiert und nachgehakt. Aber das Wasserschifffahrtsamt hat ist hart geblieben", sagt Boltersdorf. Das Amt wiederum betont, dass ihr bei der Entscheidung die Hände gebunden seien. "Wir müssen uns an den Gutachten orientieren, die besagen, dass die Schleuse nicht mehr betriebssicher ist", sagt Erich Wicher vom Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg-Rhein. Man habe zwar noch einen Termin am 7. März ausgebegen. "Da war der Wasserstand mit 3,80 Meter in Emmerich auch deutlich günstiger", sagt Wicher. Durch den hohen Wasserstand ist der Druck auf die maroden Schleusentore nicht so hoch, das Sicherheitsrisiko minimiert. Derzeit sinkt der Pegel aber unaufhörlich - liegt bei 2,05 Meter in Emmerich. "Da läuft gar nichts", sagt Erich Wicher.

Ihre Hoffnungen setzen alle Beteiligten auf ein Spitzentreffen, das Donnerstag kommender Woche in Berlin stattfinden soll. Am 2. April treffen sich die Spitze der Verwaltung, der zuständige Staatssekretär und Barbara Hendricks, um über die Zukunft der unwirtschaftlichen Schleuse zu beraten. "Wir sind ebenfalls durch Vertreter an den Gesprächen beteiligt", sagt Erich Wicher vom Wasserschifffahrtsamt.

Dieter Rapp von der evangelischen Jugend Kleve wollte unterdessen ein Zeichen setzen, hat am Mittwoch bei dem Portal www.openpetition.de eine Petition für den Erhalt der Schleuse gestartet. Sie ist an Bürgermeister Theo Brauer gerichtet, mehr als 200 Unterzeichner hatten sich nach nicht 48 Stunden eingetragen. Auch Papierlisten liegen aus. "Die Winterlagerhalle wurde erst vor fünf Jahren neu errichtet. Soll nun aufgrund der Schließung alles umsonst gewesen sein?", fragt der Sozial-Pädagoge. Rapp sieht das gesamte Segel-Projekt in Gefahr. "Der Transport über den Landweg hat 100 Stunden Vorbereitung benötigt und acht Stunden gedauert. Das können wir auf Dauer gar nicht leisten", sagt er. Seit 1978 fährt die Exodus, 100 bis 140 Tage pro Jahr ist sie im Wasser. "Aber nicht nur wir sind betroffen. Sämtliche Wassersportvereine hier sind bedroht", sagt Rapp.

Am Samstag geht es mit den Jugendlichen ins Ijsselmeer und zu den Inseln Texel, Vlieland und Terschelling. Aus der Welt geschafft ist das Problem aber nicht: "Damit die Schiffe im Herbst wieder in ihr Lager einlaufen können, muss die Schleuse wieder geöffnet werden."

Quelle: RP
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