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Kleve
Trinkfest im Bierzelt

Kleve: Trinkfest im Bierzelt
Bürgermeister Theo Brauer eröffnete die blau-weiße Sause mit dem Fassanstich. Später setzte er sich noch ans Schlagzeug. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Drei Wochenenden lang heißt es in der Festhalle am Klever Bahnhof: "Feiern wie in Bayern." Schon am ersten Abend des Klever Oktoberfests wurde deutlich, was das heißt: Dirndl, Haxen und jede Menge Bier. Von Ludwig Krause

Die Stimmung steuert auf ihren Höhepunkt zu. Samstagabend, kurz nach acht Uhr, die Bierzelt-Band Fetzentaler holt Hans-Walter auf die Bühne. Rotes Hemd, Blue-Jeans. Der sichtlich aufgeregte Partygast wolle seiner Sylvia etwas Wichtiges sagen, erklärt der Band-Frontmann. Die ersten steigen auf die Bänke, recken ihre Köpfe zur Bühne. Er wird doch nicht...? Er wird. Wenig später steht Sylvia in knapper Tracht auf der Bühne, als Hans-Walter auf die Knie geht. Hochzeitsantrag in der Festhalle. Tausende Kostümierte grölen - umso lauter, als Sylivas Antwort mit einem Nicken bestmöglich für den Antragsteller ausfällt. Während das frisch verlobte Paar den ersten Tanz auf der Bühne hinlegt, singt das Zelt wie aus einer Stimme einen Schnulzenkracher von Robbie Williams. Das Oktoberfest war eben schon immer jene Art von Veranstaltungen, auf der Ehen geschlossen werden. Und vielleicht wieder geschieden.

Drei Stunden zuvor hat ein sichtlich gut aufgelegter Bürgermeister Theo Brauer den Fassanstich gemeistert. Zwei Schläge, ein besonderer Moment für Brauer. War es doch nicht nur sein letzter Oktoberfest-Anstich, sondern der letzte Fassanstich als Bürgermeister überhaupt. Und als volksnaher Theo, der die Feste der Region mit ein paar kräftigen Schlägen aufs Fass eröffnet, wusste sich der Ehren-Schausteller schon immer zu gefallen. Auch die Fetzentaler werden noch nicht häufig einen Bürgermeister erlebt haben, der die Bühne erklimmt, sich ans Schlagzeug setzt und spontan einfach mal mitspielt.

Das Klever Oktoberfest, das nach dem Insolvenz-Antrag des Veranstalters Gordion wohl vor allem dem Klever Unternehmer Bernd "Mom" Zevens zu verdanken ist, geht in diesem Jahr bereits in die dritte Runde. Das Schöne daran: Wer in die Bayern-Festhalle geht, setzt ein klares Zeichen, wie der Abend verlaufen soll. Während beim Karneval oder den Schützen noch Vereinsmeiereien im Vordergrund stehen oder von manch einem zumindest als Vorwand genutzt werden können, geht es beim Oktoberfest nur darum, hübsch kostümiert (nämlich in bayrischer Tracht) viel Bier zu trinken (wie in Bayern) und an langen Holztischen deftiges Essen zu verdrücken (wie sich der Niederrheiner bayrische Küche eben so vorstellt). Anschließend geht es zum Hüpfen, Klatschen und Schunkeln bei Live-Musik auf die Bänke an den lang gezogenen Biertischen.

An irgend einem Punkt in den vergangenen Jahren scheint Bayern ziemlich cool geworden zu sein. Anders ist nicht zu erklären, dass jeder der 2600 O'zapft-Gäste eine Tracht im Schrank hängen zu haben scheint. Mittags noch über die Gladbach-Niederlage, Köln und den Erzfeind FC Bayern München geschimpft, abends schon in Tracht geschmissen. Und während das Original in Form des bayrischen Innenministers Joachim Hermann noch gelegentlich befremdliche Meldungen produziert - wie etwa mit der Bitte, dass während des Oktoberfests doch weniger Flüchtlinge nach München kommen mögen, weil dieser ganz sicher nicht den Anblick von Betrunkenen gewohnt seien, ist man in Kleve schon viel weiter. Hier trinken alle Nationen einfach friedlich miteinander. Verkleidet sind ja eh alle gleich. Dass gilt für Männer und Frauen übrigens gleichermaßen. Während die meisten Damen ihr Dekolleté zwar immer noch stolz im Dirndl präsentieren, ist die knappe Lederhose auch bei der Frauenwelt immer mehr im Kommen. Der Aufschrei Männer über diesen Stilbruch hielt sich bisher aber sehr in Grenzen.

Wer selbst einmal dabei sein möchte: Für Freitag, 25. September, und Freitag, 2. Oktober, sind noch Karten erhältlich.

Quelle: RP
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