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Kreis Kleve
Über 400 Lehrstellen im Kreis unbesetzt

Kreis Kleve: Über 400 Lehrstellen im Kreis unbesetzt
So wie Nino Demme wollen viele junge Männer Kfz-Mechatroniker werden. Mädchen dagegen arbeiten lieber in der Zahnarztpraxis. FOTO: lothar berns
Kreis Kleve. In gut zwei Wochen startet das neue Ausbildungsjahr. Für alle, die noch keine Stelle gefunden haben, wird es jetzt höchste Zeit. Von Nicole Scharfetter

Zugegeben: Ganz einfach ist es nicht, sich mit 15 oder 16 zu entscheiden, was man das ganze Leben lang machen will. Wer jetzt allerdings noch gar keinen Plan hat, der sollte sich sputen. Am 3. August beginnt das neue Ausbildungsjahr, zahlreiche Verträge sind schon geschlossen worden. 2069 Bewerber haben sich seit vergangenem Oktober bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet (Stand: 22. Juni 2015). "1337 Bewerber sind versorgt", sagt Michael Niel, Sprecher der Arbeitsagentur. 731 junge Erwachsene allerdings suchen derzeit noch das Passende; 419 Stellen konnten noch nicht besetzt werden.

Ähnlich sehen die Zahlen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Duisburg, Wesel, Kleve aus. "Zwei Drittel der Ausbildungsverhältnisse sind geschlossen", erklärt Wolf-Eberhard Reiff, Geschäftsführer Bildung. Und im August werden noch viele Vertragsunterzeichnungen folgen, ist sich der Experte sicher.

Besonders beliebt sind in diesem Jahr wieder kaufmännische Berufe - Bank, Büro, Verkauf. Von der Unternehmerseite seien viele Stellen im Logistikbereich zu besetzen gewesen. "Probleme gab es im Gaststätten- und Hotelbereich", sagt Reiff, der das schlechte Image des Berufsfelds als eine Ursache dafür sieht. "Rund 500 Stellen sind noch offen", so Reiff weiter. Oft liege das aber auch an den Bewerbern selbst, die ganz falsche Vorstellungen von der Arbeit als Koch oder Gastronomiefachfrau haben. Arbeitszeiten von 8 bis 17 Uhr - das sollten sich die Bewerber abschminken. "Und in einer Küche kann der Ton auch schon mal rau werden", weiß Reiff.

Ähnlich schwierig hat es der Nahrungsmittelbereich, Lehrstellen zu besetzen, sagt Achim Zirwes von der Handwerkskammer. "Das ist Tradition", sagt er. Dabei sei die Zukunft von Metzgern und Fleischern nicht unsicher, so wie es in anderen Berufen durchaus der Fall ist.

Grundsätzlich rät Reiff allen, die noch keine Ausbildung gefunden haben: sofort die Lehrstellen-Börse auf der Internetseite der IHK durchstöbern. "Bei uns gibt es auch telefonische oder persönliche Beratung beim Ausbildung-passt-Team", sagt der Bildungs-Experte. Außerdem sollten sich die Jugendlichen nicht auf einen Beruf fixieren. "Es gibt genug Berufe, die artverwandt sind", sagt Wolf-Eberhard Reiff. Den Kaufmann für Dialogmarketing zum Beispiel kennen nur die wenigsten, der Beruf sei aber eine gute Alternative zum Kaufmann für Büromanagement, der bei Jungen und Mädchen in den "Top Ten" der Ausbildungen rangiert.

Auch die Agentur für Arbeit hilft weiter - Bewerbern und Unternehmen (Kontakt siehe Infobox). 34 Verkäuferstellen seien noch unbesetzt, 27 Kaufleute im Einzelhandel würden im Kreis noch gesucht.

Übrigens ist der Kaufmann beziehungsweise die Kauffrau im Einzelhandel bei Jungen und Mädchen gleichermaßen auf Platz eins der beliebtesten Ausbildungen. Unisex-Berufe sozusagen sind außerdem Industriekaufmann/-frau, Verkäufer/-in und Kaufmann/-frau für Büromanagement. Es gibt aber auch typische Jungen- und Mädchen-Berufe. Kfz-Mechatroniker und Tischler wollen lieber die Jungs werden, Mädels favorisieren den Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten oder wollen Friseurin werden.

Quelle: RP
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