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Kalkar-Wissel
Ultraschall gegen die Blaualgen in Wissel

Kalkar-Wissel: Ultraschall gegen die Blaualgen in Wissel
Conny Görtzen vom Labor Dr. Berns entnimmt dem Wisseler See eine Probe, im Hintergrund Ted Ansbeck. FOTO: Gottfried Evers
Kalkar-Wissel. Bevor sich die Cyanobakterien massenhaft ausbreiten konnten, wurden in den Wisseler See Sender eingebracht, die Ultraschallwellen aussenden. Die sollen die Blaualgen zerstören, die andernfalls eine Bedrohung darstellen würden. Von Anja Settnik

Gerade mal zweistellig ist die Temperatur des Wisseler Sees in diesen Tagen - da ist Schwimmen noch kein Thema. Ansonsten wäre gegen Baden jedoch nichts einzuwenden: Die Wasserqualität des etwa 100 Jahre alten Baggersees ist unbedenklich. Was wohl auch dem Einsatz moderner Umwelttechnologie zu verdanken ist, die der Diplom-Biologe Dr. Udo Kosmac in Wissel einsetzt. Ohne seine Ultraschall-Behandlung würden sich inzwischen möglicherweise Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, ausbreiten. Die sehen als Schicht auf dem Wasser hässlich aus, stinken und können, wenn sie massenhaft vorkommen, Mensch und Tier krank machen.

2014 war bei Untersuchungen des Landesumweltamtes ein vermehrtes Aufkommen an Blaualgen aufgefallen. Die hätten das Gewässer dauerhaft schädigen und damit auch das Unternehmen Freizeitzentrum in seiner Existenz gefährden können. Das war Daniela Dellemann, der Geschäftsführerin der Anlage, ebenso wie der Stadt Kalkar als Eigentümerin sofort klar. "Wir mussten etwas tun, um die Wasserqualität dauerhaft abzusichern. Massenhafte Entwicklung von Blaualgen ist mit der Freizeitnutzung eines Gewässers nicht vereinbar, deshalb haben wir uns zu freiwilligen Maßnahmen entschlossen", sagt sie.

Daniela Dellemann und Dr. Udo Kosmack beim Betrachten einer Probe. FOTO: Evers Gottfried

Insgesamt 70 Hektar groß ist der See, in dem schon Generationen von Menschen aus der Region badeten. Eine solche Wassermenge chemisch gegen Algen zu behandeln, wäre sehr teuer und wenig umweltfreundlich. Da kam das Projekt "Ultraschall" des Bundesforschungsministeriums gerade recht. In Münster und Xanten waren mit der Technik bereits gute Erfahrungen gesammelt worden.

Udo Kosmac, früher bei der Lineg (Linksniederrheinische Entwässerungs-Genossenschaft) beschäftigt, arbeitet jetzt als Pensionär intensiv an dem Thema. Im Herbst 2014 hatte er erstmals Ultraschallgeräte im Wisseler See eingesetzt, die in der Nacht aktiviert wurden. "Im vergangenen Jahr haben wir die Anwendungen fortgesetzt und seitdem keine maßgeblichen Blaualgenvorkommen mehr gehabt", zeigt sich Dellemann erleichtert. Spezielle Untersuchungen hätten dies nachgewiesen. Deshalb wird Ultraschall auch weiterhin eingesetzt.

Neben Kosmac, der immer wieder Proben nimmt, testet auch eine staatliche Stelle regelmäßig die Wasserqualität: Im Auftrag des Kreisgesundheitsamtes ist das Labor Dr. Berns aus Neukirchen-Vluyn einmal im Monat mit dem Wisseler See beschäftigt. Conny Goetzens fährt dann mit Schwimmmeister Ted Amsbeck auf den See raus, um Proben zu nehmen und sie den Wissenschaftlern zu übergeben.

Am ersten Becher Wasser, den sie herausholt, schnuppert sie - der Geruch ist wie erhofft neutral. "Ich messe die Sichttiefe des Wassers, dann die Temperatur, schöpfe mit einem sterilen Becher Wasser." Ein mitgeführtes Kleingerät liefert ihr sofort den pH-Wert (6,6), der okay ist. Weitere Werte wird das Labor bestimmen. Zufällig am selben Tag kommt Udo Kosmac, taucht ebenfalls seine weiße Messscheibe ins Wasser, ist mit der Sichttiefe von 1,30 m nicht ganz glücklich - aber es ist ja auch noch früh im Jahr. "Bei stärkerer Sonneneinstrahlung sinken die Algen schnell ab, und das Wasser wird klarer", weiß er. In der Xantener "Südsee", deutlich weniger nährstoffreich als der Wisseler See, kann man etwa fünf Meter tief blicken. Kein Grund, neidisch zu sein, denn Xanten musste schon mal die Reißleine ziehen: 2013 sperrte das Gesundheitsamt die Strände und verbot den Badebetrieb, weil massenhaft Blaualgen aufgetreten waren. "Der beliebte Triathlon musste erstmals seit 30 Jahren ohne den Schwimmwettbewerb stattfinden", erzählt Kosmac. Seit im Badebereich Ultraschallwellen eingesetzt werden, bleibt das Wasser klar. Und die Wimpertierchen, die natürlicherweise gegen das Plankton zu Felde ziehen, lassen sich von den Wellen nicht stören.

Mehrere Sender sind in den See eingelassen und strahlen kaum wahrnehmbare Geräusche in niederfrequentem Bereich aus. Wissenschaftler gehen davon aus (ohne bisher die Wirkungsweise genau nachweisen zu können), dass der Schall in den Blaualgen befindliche Gasblasen platzen lässt. Die Population bleibt dadurch so gering, dass nichts gegen Schwimmen spricht. Außer vielleicht die Wassertemperatur.

Quelle: RP
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