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Ralf Matenaer
"Um das Handwerk ist es gut bestellt"

Ralf Matenaer: "Um das Handwerk ist es gut bestellt"
Optimistisch sieht Dachdeckermeister Ralf Matenaer aus Till-Moyland die Zukunft seiner Handwerkskollegen im Kreis Kleve. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Ralf Matenaer (60) aus Till-Moyland ist seit mehr als 30 Jahren Dachdeckermeister. Seit April dieses Jahres ist er zudem Kreishandwerksmeister. Darüber und wie es um das Handwerk im Kreis bestellt ist, berichtet er im RP-Gespräch.

Herr Matenaer, Sie sind Handwerker. Warum eigentlich?

Ralf Matenaer Ich bin Handwerker, weil mein Vater auch Handwerker war. In seinem Betrieb bin ich groß geworden. In seinem Betrieb habe ich gelernt, was es heißt, Handwerker zu sein. 1984 gründete ich dann meinen eigenen Dachdeckerbetrieb. Die Frage nach einem anderen Beruf stellte sich nicht.

Würden Sie es wieder so machen?

Matenaer Auf jeden Fall. Ich sage immer: Wenn ich morgen die Schule verlassen würde, würde ich wieder diesen Weg gehen.

Warum?

Matenaer Weil mein Beruf krisensicher ist. Vor 50 Jahren wurden Dächer gedeckt, und in 50 Jahren wird das auch noch der Fall sein. In all den Jahren meiner Selbstständigkeit, und das sind immerhin mehr als 30 Jahre, gab es keinen Tag, an dem meine Mitarbeiter und ich nicht wussten, was wir machen sollen. Im Gegenteil: Wir sind zu 95 Prozent vollbeschäftigt.

Sie stimmen also der aktuellen Herbstumfrage der Handwerkskammer Düsseldorf zu, dass die Branche boomt?

Matenaer Was das Baugewerbe betrifft, auf jeden Fall. Die Zinsen sind niedrig, dementsprechend wird viel investiert. In neue Häuser und Wohnungen, die gebaut werden. Oder in alte, die saniert werden. Das hat zur Folge, dass die Auftragsbücher voll sind. Und zwar richtig voll.

Als Kreishandwerksmeister sind Sie natürlich auch für andere Branchen zuständig. Wie ist es dort um die wirtschaftliche Lage bestellt?

Matenaer Als Dachdeckermeister kann ich natürlich besonders gut über die Baubranche berichten. Als Kreishandwerksmeister ist es jedoch meine Aufgabe, alle Innungen im Kreis Kleve, 13 an der Zahl, zu repräsentieren. Diese lerne ich nun nach und nach kennen, indem ich ihre Versammlungen besuche und Betriebe besichtige.

Und, keine Klagen?

Matenaer Natürlich gibt es immer mal wieder Probleme. Bei der Friseurinnung war zum Beispiel jüngst das Thema Registrierkasse und Finanzamt ganz aktuell. Und bei den Fleischern beklagte sich vor ein paar Wochen ein kleiner Betrieb über die hohen Schlachtgebühren, die er im Vergleich zu den großen Unternehmen stemmen muss. Aber insgesamt ist es um das Handwerk im Kreis Kleve ganz gut bestellt. Zum Beispiel die Zweiradmechaniker. Diese profitieren sehr vom E-Bike-Boom.

Gibt es belegbare Zahlen?

Matenaer In der Kreishandwerkerschaft Kleve gibt es etwa 4000 gelistete Betriebe mit insgesamt 20.000 Beschäftigten, davon 1660 Auszubildende, die im Jahr 2015 insgesamt 2,1 Milliarden Euro Umsatz gemacht haben.

Das hört sich alles sehr gut an. Trotzdem ist das Handwerk für die Jugend irgendwie nicht mehr so attraktiv wie es früher einmal war. Wie erklären Sie sich das?

Matenaer Das ist richtig. Früher gab es im Ort den Handwerksmeister. Da ist man damals hingegangen und hat geschaut, was er so macht. Das ist heute leider nicht mehr so. Zumindest kann ich mich nicht mehr dran erinnern, wann wir zuletzt einen Praktikanten oder Ferienjobber hatten. Überhaupt arbeiten die Jugendlichen heutzutage viel weniger handwerklich. Das wird meines Erachtens auch nicht mehr so von den Eltern fokussiert oder verlangt. Gefragt ist vielmehr ein akademischer Werdegang.

Wie versuchen Sie dennoch, die jungen Leute zu erreichen?

Matenaer Wir fahren seit Jahren die Kampagne "Das Handwerk - die Wirtschaftsmacht von nebenan". Diese wird vor allem in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter gefahren. Wir hoffen, sie so zu erreichen. Doch ob das wirklich was bringt, wissen wir nicht. 2016 hatten wir aber zumindest bei der Handwerkskammer Düsseldorf ein kleines Ausbildungsplus. Ich persönlich habe mir zudem vorgenommen, wieder verstärkt in die Schulen zu gehen und das Handwerk dort vorzustellen. Schließlich gibt es in den Branchen viele Aufstiegschancen und Möglichkeiten, gutes Geld zu verdienen. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung und Gesellenprüfung kann man zum Beispiel Techniker oder Meister werden und somit Führungspositionen übernehmen. Auch ein Studium ist möglich. Grundsätzlich gilt: Wer ein Handwerk gelernt hat, dem stehen alle Türen offen.

Was ist mit Flüchtlingen?

Matenaer Das ist natürlich auch ein Thema, aber es läuft gerade erst an. Es gibt zwar schon Betriebe, die Flüchtlinge eingestellt haben und begeistert sind. Sanitär-Obermeister Michael Janßen aus Goch zum Beispiel. Aber verlässliche Aussagen dazu können wir sicherlich erst in ein paar Jahren treffen.

Vielen Dank für das Gespräch.

JULIA LÖRCKS STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
 
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