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Ulrich Schlotmann
"Unfairer Wettbewerb für Apotheken"

Kleve. Der Pressesprecher der Apotheker im Kreis Kleve hat ausländischen Versandunternehmen den Kampf angesagt. Im Interview erläutert er, welche Vorteile der Arzneimittelhandel vor Ort bietet und wie er die Öffentlichkeit davon überzeugen möchte.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die deutsche Arzneimittelpreisverordnung "gekippt". Was wurde geändert und was sind die Folgen?

Ulrich Schlotmann Ausländischen Versandhändlern ist es erlaubt, auf die in Deutschland gesetzlich festgelegten und einheitlichen Preise von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln Rabatte zu geben. Deutschen Apotheken ist dies per Gesetz verboten. Die Folge ist ein unfairer Wettbewerb für unsere Apotheken vor Ort.

Wo liegen Ihre Kritikpunkte?

Schlotmann Die konzerngesteuerten und rein profitorientierten ausländischen Versandhändler picken sich nur die attraktiven Rosinen aus dem deutschen Gesundheitssystem. An wichtigen und kostenintensiven Gemeinwohlaufgaben wie etwa dem Nacht- und Notdienst, in der Arzneimittelversorgung beteiligen sie sich nicht.

Wie wollen sich die Apotheker im Kreis Kleve gegen den aus ihrer Sicht unfairen Wettbewerb wehren?

Schlotmann Um unseren Standpunkt gegenüber Patienten, Politikern und der breiten Öffentlichkeit zu verdeutlichen, verteilen die teilnehmenden Apotheken im Kreis Kleve einen Info-Flyer mit dem Titel ,Schluss mit der Rosinenpickerei'. Dieser beinhaltet einen Vergleich zwischen den rechtlich vorgeschriebenen Allgemeinwohlaufgaben und Qualitätsstandards deutscher Apotheken vor Ort und ausländischer Versandapotheken.

Was leisten Apotheker vor Ort, das ausländische Versandapotheken nicht bieten?

Schlotmann Die aktive und persönliche Beratung direkt bei der Abgabe der Arzneimittel, die schnelle und wohnortnahe Versorgung im Not- und Akutfall sowie die qualifizierte Abgabe von Medikamenten, die nicht über den Versandhandel erfolgen darf wie etwa die ,Pille danach' sind Aufgaben und Qualitätsstandards, die deutsche Apotheken vor Ort erfüllen müssen, ausländische Versandapotheken jedoch nicht. Auch die Leitung der Apotheke vor Ort durch einen freiberuflichen, persönlich haftenden und voll verantwortlichen Apotheker ist bei ausländischen Versandapotheken so nicht gegeben. Gleiches gilt übrigens auch für die Sicherheit der Patientendaten.

Befürchten Sie jetzt ein Apothekensterben?

Schlotmann Das hat bereits begonnen. Dieser unfaire Wettbewerb kann das Apothekensterben dramatisch beschleunigen. Die Leidtragenden sind alle Patienten. Insbesondere trifft es die Menschen, die auf ,ihre' Apotheke vor Ort angewiesen sind. Beispiele sind Notfälle im Nacht- und Notdienst, Patienten mit einem hohen Arzneimittel- und Beratungsbedarf oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

DIE FRAGEN STELLTE MARC CATTELAENS

Quelle: RP
 
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