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Kalkar
Unkraut jäten gegen die Depression

Kalkar: Unkraut jäten gegen die Depression
David Berthé hat den Therapiegarten zusammen mit Kollegin Ines Klaus-Kähler angelegt. Bei den Patienten kommt dieser gut an. FOTO: KKLT
Kalkar. Der neue Therapiegarten des St.-Nikolaus-Hospitals Kalkar präsentiert sich erstmals in vollem Grün.

Rhabarber, Himbeeren, Salat, Radieschen, Zwiebeln, Schnittblumen - ein kleines Treibhaus für Pflanzen, die es besonders warm mögen. Auf gut 100 Quadratmetern erstreckt sich der neue Therapiegarten des St. Nikolaus-Hospitals in Kalkar.

David Berthé hat das bäuerliche Kleinod Ende 2015 zusammen mit Kollegen angelegt. Es ist seitdem in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik fester Bestandteil der Therapie: Vor allem Patienten mit Depressionen und Antriebsschwäche profitieren von der naturverbundenen Arbeit. Vom Licht, von der Erde, vom Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Die regelmäßigen Handgriffe im Garten geben Struktur, sind lebenspraktisch und entspannend.

Berthé arbeitet als Gesundheits- und Krankenpfleger auf der Station 1 des St. Nikolaus-Hospitals, hat zusätzlich an der Steinbeis Hochschule in Essen ein Bachelorstudium absolviert. Der Garten, seine Abschlussarbeit, präsentiert sich in diesem Sommer nun erstmals in vollem Grün, in voller Blüte und Frucht. Obwohl die Unwetter der letzten Wochen auch an Kalkar nicht spurlos vorübergegangen sind. "Unsere Erdbeeren waren hin", erzählt er.

Während Berthe das Gartenkonzept erklärt, ist seine Kollegin Ines Klaus-Kähler, gelernte Obstbäuerin, mit zwei Patienten in einer benachbarten Wiese unterwegs - zum Brennesseln sammeln. Sie wollen eine Brennnesseljauche ansetzen, einen natürlichen Düngerersatz, ein natürliches Pflanzenschutzmittel.

Zweimal pro Woche kommen Patienten in den Therapiegarten, kümmern sich unter Anleitung um die Pflanzen. Sie pflanzen, ernten, jäten Unkraut und gießen. Ein kleiner Baustein im Kampf gegen die Depression. "Für Patienten ist der Kontakt zur Natur mitunter sehr wichtig", weiß Dr. Gerd Gromann, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. "Sie genießen nicht nur die Natur, sondern freuen sich nach der Arbeit im Garten auch über den sichtbaren Erfolg."

Blumen verschönern den Alltag, Obst und Gemüse werden auf der Station gegessen und verarbeitet. Die Patienten bestätigen den Erfolg des Gartenprojektes, machen ihn sicht- und erlebbar. Ricarda Köhler (Name geändert) hat letzte Woche im Krankenhaus Geburtstag gefeiert. Mit der Gießkanne in der Hand wirkt die knapp 30-jährige ganz und gar ausgeglichen. Im Alltag für sie keine Selbstverständlichkeit. Hubert Winkler (Name ebenfalls geändert) ist seit vier Wochen im St. Nikolaus-Hospital. Er litt zuletzt an Depressionen, Panikattacken, einer bleiernen Müdigkeit. "Meine Frau ist gestorben", erzählt der 79-jährige Essener. "Vielleicht war das zu viel für mich." In ein paar Tagen wird er nach Hause entlassen. Dass die Zeit in Kalkar ihm gut getan hat, betont er mehrfach. Dass ihm die Arbeit im Garten Freude macht, sieht man.

"Ich hoffe, dass wir hier nachhaltige Arbeit leisten", wünscht sich Berthé - für die Patienten und den Garten. Sollte der sich weiter so gut entwickeln, sollten die Patienten weiter so große Freude daran haben, wäre eine Erweiterung für ihn durchaus denkbar: "Ein kleiner Kartoffelacker wäre schön."

Quelle: RP
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