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Kranenburg
Unter der Dachschräge

Kranenburg. Die Kranenburger Galerie Ebbers eröffnet Sonntag am Siep 7 ab 15 Uhr eine Ausstellung mit ausgesuchten Werken von Karl Bohrmann Von Matthias Grass

Schmal steht das Mädel mit hinterm Rücken verschränkten Armen und gesenktem Blick unter der Dachschräge. Nur wenige Kohlestriche brauchte Karl Bohrmann, um die junge Frau ins Dachzimmer zu stellen. Links eine Anrichte, grau schraffiert, darauf eine Schreibtischlampe, im Hintergrund der Blick hinaus, in eine zweite Ebene: ein Fenster mit Fensterkreuz. Vor dem Fenster eine weitere Figur, die aus dem Bild herausgeht. Es scheint eine gebeugte Figur zu sein, in einen dicken dunklen Mantel. Als habe sie von der schmalen Frau Abschied genommen, geht sie von dannen. Gerahmt wird das Blatt von wenigen, schnellen Kohlestrichen.

Karl Bohrmann nahm eine Karteikarte für dieses stille, innige Bild der jungen Frau unter der Dachschräge. Es ist das Karteiblatt für den Buchstaben V. Das Blatt ist gelocht, nicht von sonderlicher Qualität und leicht gelblich. Auf dem Papier liegt eine dünne, durchsichtige Schicht Weiß, die dem Bild Tiefe gibt, als schaue man hindurch. Eine satte blaue Figuration gibt dem Blatt die Mitte, ein helles, wässriges Blau rahmt die weiße, vom schwarzen Strich gezogene Figur des Mädels.

Karl Bohrmann ist bekannt für seine stillen, ruhigen Blätter, jenes Innehalten in Formen und Farben, in kleinen Figuren, die so perfekt aufs Blatt gesetzt sind, oft nur aus einem Strich gezogen und doch eine ganze Geschichte erzählend. Bohrmann gehörte die erste Ausstellung im Museum Schloss Moyland 1997. Ein Jahr später starb der Maler aus München, der eng mit den Brüdern van der Grinten verbunden war, im Alter von nur 70 Jahren. Jetzt haben die Kranenburger Galeristen Sharon und Klaus Ebbers die Bilder von Bohrmann zum Mittelpunkt ihrer neuen Ausstellung gemacht, jene stillen, klaren Blätter ohne Machtgebärde.

"Es war mir eine Herzensangelegenheit, Bohrmann zu zeigen", sagt Klaus Ebbers, der lange Jahre mit Bohrmann verbunden war, ihm beim Zeichnen zusah, für ihn Bilder rahmte. "Die Produktion war enorm groß, da entstanden schnell Dutzende Blätter - und das Meiste wanderte in den Papierkorb", erinnert sich der Galerist. Bohrmann war als Zeichner und Maler kritisch, suchte den genauen Strich, der in nur einem, vielleicht zwei Zügen eine Figur umreißt.

Ebbers zeigt in der Galerie am Siep 7 in Kranenburg jetzt 25 Werke Bohrmanns aus einer Privatsammlung, die teils auch zu haben sind. Es sind viele Zeichnungen, zarte Blätter, eine ganze Reihe von stillen Akten, die der Maler genial aufs Blatt gesetzt hat. Sie präsentieren genau jene "ferne Nähe" (so Ebbers), die Bohrmanns Werken so eigen ist. Jener stille Blick aus der Distanz heraus auf die Dinge auf den Blättern, die so viele Geschichten erzählen. Oder wie die heutige Direktorin von Schloss Moyland, Bettina Paust, im Katalog von 1997 treffend schreibt: "Das Bild ist bei Karl Bohrmann der Ort, an dem sich Erfahrungen, Reflexionen und Phantasien sammeln und verbinden".

So, wie bei dem Mädchen unter der Dachschräge, das als Blatt für jeden Betrachter seine ganz eigene Geschichte bereithält. Paust zitiert dazu Bohrmann: Das Bild dürfe "nicht auf den Beschauer einstürzen, ihn überrumpeln, darf das eigene, innere Bild des Betrachters nicht wegdrängen. Im Gegenteil, es müßte dieses als ebenbürtig herauslocken". Bei Klaus Ebbers darf man das jederzeit nach Absprache ausprobieren und sich durch die Bilder herauslocken lassen. . .

Zusätzlich zeigt der Galerist in den anderen Räumen noch einzelnen Werke, wie ein wunderbares Werk von Martin Noel oder eine Zeichnung von Paul Schwer.

Info: klaus-sharonebbers@t-online.de, Tel: 0 28 26 802 521

Quelle: RP
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