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Bedburg-Hau
Unterwegs im Theater mini-art

Bedburg-Hau: Unterwegs im Theater mini-art
Emad ist einer der Darsteller im Stück. Er behandelt die Geschichte seiner Flucht - eine Szene von vielen, die in dem Stück aufgeführt wird. FOTO: Markus van Offern
Bedburg-Hau. Zum vierten Mal leitet das Theater ein Inklusionsprojekt. Bürger der Region, Flüchtlinge, Mitarbeiter und Patienten der LVR-Klinik haben ein anrührendes Mosaik aus Szenen erschaffen. Premiere ist am 11. Juni. Von Ludwig Krause

Emads Blick ist erstarrt. Er schaut über die Köpfe der Zuschauer hinweg, fixiert einen unsichtbaren Richter. Zumindest klingt die Stimme wie die eines Richters. Aber Richter über was? "Setz dich hin. Sag deinen Namen", befiehlt er. Dann bellen weitere Kommandos. Nach seiner Heimat wird Emad gefragt, nach seiner Religion. "Für Muslime ist kein Platz in Deutschland", krächzt die Stimme. "Hat dein Blut eine andere Farbe als meins?", fragt Emad zurück.

Klar: Was da auf der Bühne des Theaters mini-art zu sehen ist, wirkt nicht wie das nächste leichte Sommerstück. Soll es aber auch gar nicht. Es ist das Ergebnis einer Reise, die vor neun Monaten begonnen hat. Seitdem war das Theater mit 16 Teilnehmern "unterwegs". Der Begriff war das Einzige, das am Anfang stand. Und er ist der Titel des Stücks, das am 11. Juni Premiere feiert.

Zum vierten Mal leitet das Theater ein Inklusionsprojekt. Dabei haben sich Bürger aus Bedburg-Hau, Patienten und Mitarbeiter der LVR-Klinik und - zum ersten Mal - auch Flüchtlinge regelmäßig getroffen. Um gemeinsam an einem Stück zu arbeiten, aber auch um gemeinsam zu kochen und füreinander zu sorgen. Dabei standen die Erfahrungen und Erlebnisse, Ideen und Fantasien der Teilnehmer im Mittelpunkt. Sieben von ihnen sind zum ersten Mal dabei.

"Unterwegs" - klar, das hat auch mit Flucht zu tun. Aber eben nicht nur. "Es entsteht ein Mosaik aus einzelnen Szenen", sagt Crischa Ohler von mini-art. Es gebe Bewegungsbilder, kleine Choreographien, Solo-Texte, Musik und Assoziationsketten. Eine gute Stunde dauert das Stück. Für die meisten Protagonisten war der Weg dahin mindestens genauso wichtig. "Es war schön, in der Gruppe zu arbeiten. Aber was ich auch über mich selbst erfahren habe, ist unglaublich", sagt Teilnehmerin Marion.

In der Mitte des Raumes sitzt Michaela, Patientin der LVR-Klinik. "Ich möchte auch noch etwas sagen", meint sie. "Am Anfang habe ich so große Angst gehabt. Es wurde geweint, es wurde gelacht. Aber das Zusammensein in der Gruppe hat mich so viel weiter gebracht", sagt sie. Genau wie Freundin Steffi. "Ich habe gedacht, ich schaffe das nicht. Die anderen sind besser, schreiben bessere Texte", gibt sie zu. Davon ist heute keine Rede mehr.

"Wir behandeln die bewegenden großen Dinge, aber auch die ganz wichtigen Alltäglichen", sagt Crischa Ohler. Schließlich ist jeder irgendwann Mal in seinem Leben unterwegs. Nach Hause, in den Urlaub, zur Arbeit. Überhaupt: Wo ist zu Hause? Bedburg-Hau? Kleve? Deutschland? Oder doch bei den Menschen, bei denen man sich zu Hause fühlt?

Aus den Texten, Übungen und Improvisationen ist ein berührendes Theaterstück entstanden. Eines, das von den verschiedensten Möglichkeiten erzählt, unterwegs zu sein. Und eines, das aktueller nicht sein könnte. Crischa Ohler: "Das Stück war von Anfang an da. Wir mussten es nur finden."

Quelle: RP
 
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