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Bedburg-Hau-Moyland
"utopia" wuchert auf Moylands Wand

Bedburg-Hau-Moyland: "utopia" wuchert auf Moylands Wand
Nina Schulze vor "utopia". FOTO: Markus van Offern
Bedburg-Hau-Moyland. Museumspädagogin Nina Schulze lädt in der Mäkipää-Ausstellung zum Mitmachen ein: bei den Workshops und bei einer großen Collage am Kopf der Ausstellungshalle in der Vorburg II. Von Matthias Grass

Die Wand lebt. Sie verändert sich, es wuchert über sie hinweg. "utopia" steht links in fett gesetzten Kleinbuchstaben auf dieser Wand geschrieben, darunter ein Text, der zum Mitmachen einlädt. Der Wandtext wird aber in Teilen von der wild wuchernden Fläche aus Bildern, Texten, Schnipseln überdeckt. Eine riesige sich stets verändernde Collage wächst dort heran. "Sie lebt, die Wand", sagt Nina Schulze. Die Kunsthistorikerin strahlt. Sie organisiert in Moyland die Museumspädagogik und das interaktive Mitnehmen der Besucher in den Ausstellungen.

Es war ihre Idee, diese Wand für diese Ausstellung am Schnittpunkt von drei Installationen einzurichten, mit Blick auf die von Bildern und Reizen und Medien überquellenden Installation "Escape Allee", die die Finnin Tea Mäkipää dort eingerichtet hat. Das Werk der Finnin ist auch eine Art Collage aus Zitaten der Kunstgeschichte, aus Architekturelementen, Fotos und flirrenden Flachbildschirmen. Man kann in dieser Installation wie in den potemkinschen Fassaden zeitgenössischer Outletcenter flanieren. Nur, dass hier nicht die teuren Waren billig angeboten werden, sondern Mäkipää die "Grenzen und Widersprüche des westlichen Lebens aufzeigt", wie Alexander Grönert, der die Ausstellung kuratiert hat, erklärt. Vielschichtig sei die Einrichtung, vielschichtig wie die Realität, die keine einfachen Antworten zulässt, angesichts des Verbrauchs wichtiger Ressourcen, so der Kunsthistoriker. Vielschichtig reagieren auch die Besucher auf diese schrillbunte Welt mit ihrer Collage auf der Stirnwand: "utopia" ist der Name für das Museum zum mitmachen, erfährt man dort. Es ist der Raum, "der unseren Wünschen und Hoffnungen vorbehalten ist", sagt Schulze. Die Museumspädagogin ließ dafür eine große schwarze Tafel anbringen, auf die die Besucher die Schnipsel pinnen können. Unten, wo bei Schultafeln früher die Kreide lag, liegen die Pinne dazu.

Nach der Eröffnung fuhr Schulze in Urlaub - mit Gedanken, ob das Mitmach-Konzept der Collage a la 1970er Jahre aufgeht. "Als ich zurückkam und das erste Mal in die Ausstellungshalle ging, hätte ich heulen können", sagt Schulze. Heulen vor Freude: Denn schon nach 14 Tagen war die Collage über die Tafel hinausgewachsen, die große schwarze Fläche ist nicht mehr zu erkennen. Schulze hatte die Besucher eingefangen. Immer wieder setzen sich Einzelne, Pärchen oder Familien an den kargen Tisch mit der Bank, greifen zur Schere, schnippeln aus und pinnen, erzählt Michael Donitzka, der in der Halle Aufsicht führt. Dabei erkenne er typisches Verhalten: Meist beginnen die Kinder mit der Mutter, nach anfänglichen Protest sei dann auch der Vater begeistert dabei ...

So wächst die Collage - und erzählt mit einfachsten Mitteln von der überquellenden Konsumwelt aus den Zeitschriften. Von Models und Mode, von den schönen Dingen, die die Besucher vorzugsweise aus den bereitliegenden Mode- oder Wohnmagazinen ausschneiden. Jeder hinterlässt seine eigne Botschaft. Hier steckt eine Eintrittskarte, dort ein Mannequin, das mit sturem Blick über den Laufsteg stakst, dazwischen die Bilder der Katastrophen aus der Welt, die aus den politischen Magazinen stammen, aus "Stern" und "Spiegel" die ebenfalls ausliegen. "Es ist schön zu sehen, dass sich die Besucher darauf einlassen. Das zeigt, dass die gute alte Collage lebt. Zumal sie sehr niederschwellig ist, man muss nur ein Bild ausschneiden und auf die Wand pinnen. Fertig. Da kann jeder mitmachen. Vielleicht auch, weil das so Oldschool ist", erklärt Schulze. Man werde das Wachsen der Wand dokumentieren.

Daneben bietet Moyland vornehmlich für Grundschulklassen museumspädagogische Programme zur Ausstellung. Oder lädt zur QR-Code-Rallye für Jugendliche und junge Erwachsene. Die Rallye dauert etwa 120 Minuten und kann immer gebucht werden. Genauso, wie "Utopia im Marmeladenglas": da geht es um den Strom, der aus der Steckdose kommt, und den Müll, den die Müllabfuhr holt. Wie man wirklich mit seinen Ressourcen auch im Privaten umgeht, damit beschäftigt sich das Angebot für Schulklassen. Das Ganze mündet in Ideen für eine bessere Welt, die dann als Collage in ein Marmeladenglas wandern - Motto: "Wir bauen einen Weltentwurf im Miniformat".

Dieser Workshop wird auch am letzten Tag der Ausstellung, 19. November, 14 bis 15 Uhr angeboten. Außerdem gibt's jeden Sonntag Familienführungen von 14 bis 15 Uhr für drei Euro (plus Museumseintritt). Info: Tel.: 02824 951062.

Quelle: RP
 
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