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Kleve
VHS soll nach Frede benannt werden

Kleve: VHS soll nach Frede benannt werden
Das Gebäude der Volkshochschule in Kleve. Die Einrichtung soll jetzt den Namen Wilhelm Fredes tragen. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Das empfahl der Schulausschuss gestern Abend dem Klever Stadtrat. VHS-Leiter Alf Hausmann und auch Propst Johannes Mecking freut das. Die Gesamtschule in Rindern soll den Namen "Am Forstgarten" erhalten. Von Marc Cattelaens

Eine lange und leidenschaftlich geführte Debatte neigt sich dem Ende zu. Seit gestern Abend darf als sicher gelten, dass ein Klever Gebäude nach Wilhelm Frede benannt wird: Bei einer Enthaltung empfahl der Schulausschuss gestern Abend dem Klever Stadtrat, die VHS in "Wilhelm-Frede-Volkshochschule" zu benennen. Die Gesamtschule in Rindern, so die einstimmige Empfehlung des Ausschusses, soll den Namen "Am Forstgarten" erhalten.

Aufgekommen war die Diskussion im Frühsommer, als ein neuer Name für die Gesamtschule Kleve in Rindern gefunden werden sollte. Die Schule, die derzeit mehrere Teilstandorte hat, soll einmal vollständig in der ehemaligen Wilhelm-Frede-Hauptschule untergebracht werden. Der damalige Schulleiter Jürgen Schmitz hatte sich dafür ausgesprochen, nicht wieder Frede als Namensgeber für die Gesamtschule zu verwenden. Sein Argument: "Wir brauchen die Chance, eine eigene Identität mit einem neuen Namen für eine andere Schulform als die Hauptschule zu finden." Auch der Schulausschuss empfahl dem Rat, die Gesamtschule nicht nach Frede zu benennen, sondern "Am Forstgarten" zu wählen. Darauf hin entspannte sich eine hitzige Debatte unter Bürgern, Politikern und Lehrern. Propst Johannes Mecking hielt sogar in seiner Pfingstpredigt ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Benennung der Gesamtschule Rindern nach Wilhelm Frede.

Der Hintergrund: Wilhelm Frede hatte sich als Vizekonsul im Niederländischen Konsulat in Kleve gegen das NS-Regime gestellt. Er setzte sich für jüdische Klever Mitbürger ein, dadurch war er den braunen Machthabern ein Dorn im Auge. Im Februar 1942 wurde Wilhelm Frede in das KZ Sachsenhausen verschleppt, wo er am 13. März 1942 ermordet wurde (siehe Infokasten). Der Bischof von Münster, Felix Genn, hat im März das Verfahren zur Seligsprechung Fredes eröffnet. In Kleve tragen eine Straße und die Sportanlage der DJK Kleve seinen Namen.

Bewegung in die Diskussion um die Namensgebung kam durch den Antrag von Grünen-Chefin Hedwig Meyer-Wilmes, statt der Gesamtschule die Klever Volkshochschule nach Frede zu benennen. Gestern erläuterte Meyer-Wilmes ihren Antrag: "Die Gesamtschule sollte aus dieser Drucksituation herausgenommen werden. Wir können eine Schule nicht verpflichten, sich zu erinnern. Andererseits geht es uns auch nicht darum, Propst Mecking einen Gefallen zu tun. Frede hat viel für das deutsch-niederländische Verhältnis getan. In der VHS findet das meiste an deutsch-niederländischer Zusammenarbeit statt. Außerdem setzt man sich dort mit unserer Geschichte auseinander." Meyer-Wilmes betonte jedoch auch, dass man die VHS nicht zu dem Namen "verdonnern" wolle.

Dass das nicht passieren wird, machte Bürgermeisterin Sonja Northing deutlich. Sie habe im Vorfeld mit VHS-Leiter Alf Hausmann gesprochen, so die Bürgermeisterin. "Die VHS würde sich nicht sträuben, sondern den Namen Frede mit Würde tragen wollen", sagte sie. Auch mit Propst Mecking habe es im Vorfeld Gespräche gegeben. "Auch der Propst würde das begrüßen", betonte Northing. Zum 1. Februar 2018 soll die Umbenennung in "Wilhelm-Frede-Volkshochschule" erfolgen. Das wäre auch das Datum - wenn der Rat der Empfehlung des Ausschusses nachkommt - ab dem sich die Gesamtschule in Rindern "Am Forstgarten" nennen darf.

Der CDU-Schulexperte Jörg Cosar nannte die gefundene Lösung "sehr positiv". Cosar weiter: "Man kann eine Schule nicht zwingen. Wenn wir allerdings kein anderes Gebäude gefunden hätten, das wir nach Frede benennen, hätten wir damit ein Problem gehabt." SPD-Ratsherr Niklas Lichtenberger sagte: "Ich finde gut, dass wir die Namensgebung für die Schule abgetrennt haben."

Quelle: RP
 
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